Radioeins-Programmchef Robert Skuppin: Radio hören als Lebensgefühl

11.11.2016
 

"Nur für Erwachsene" lautet der Slogan, mit dem Radioeins für sich wirbt. Die Mischung aus längeren, intelligenten Wortbeiträgen und einer Musik jenseits des Mainstreams kommt in Berlin gut an - das war allerdings nicht immer so. Wahrscheinlich würde der Sender, der zum RBB gehört, auch in keiner anderen deutschen Stadt funktionieren. Armin Fuhrer sprach mit Programmchef Robert Skuppin.

Wo man sich auch umhört, wenn das Gespräch auf Radioeins kommt, hört man regelmäßig diesen einen Spruch: "Radioeins ist nicht einfach Radio, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls". Auch Programmchef Robert Skuppin macht da keine Ausnahme. "Unsere Hörer haben eine klare Haltung: Ich möchte mich erwachsen verhalten, nicht lächerlich machen, lache auch über anspruchsvolle Witze und ich höre Musik jenseits der Charts, die mich trotzdem gut durch den Tag bringt" - so beschreibt Skuppin den Hörer von Radioeins wohl ganz treffend.

Berlin ist eine Stadt, die einfach viel mehr bietet als "nur" den Mainstream mit ein paar Gags, Gewinnspielen und Telefonstreichen. Deutschland Hauptstadt bietet eine unglaubliche Bannbreite kultureller Angebote, eine Szene, die wirklich jeden Bedarf deckt, zugleich ist sie das Labor des restlichen Landes, kämpft mit Problemen, die anderswo noch unbekannt sind und es vielleicht auch immer bleiben. Und nicht zu vergessen: die Menschen, vielfältig und kreativ wie sonst nirgends in Deutschland und wahrscheinlich in Europa. Radioeins hat eigentlich nur einen Anspruch: all das abzubilden. Und zwar sowohl intelligent wie auch unterhaltsam.

Zwischen Oper und Hip Hop

Die Hörer des Senders, der gar nicht aus Berlin kommt, sondern aus dem angrenzenden Potsdam, beschreibt Robert Skuppin als Individualisten, großstädtisch-urban, Leute die den einen Abend in die Deutsche Oper gehen und am nächsten ins Hip-Hop-Konzert und das als völlig normal empfinden. Die Hörerschaft startet bei den 30-Jährigen und endet bei deren Väter- und Müttergeneration, den 60-Jährigen.

Gar nicht einfach, dafür einen gemeinsamen Nenner zu finden. Radioeins gelingt das allerdings inzwischen recht gut. Zur Prime-Time morgens zwischen sieben und acht Uhr hören 149 000 zu, im Tagesdurchschnitt zwischen sechs und 18 Uhr sind es 109 000 pro Stunde. Und selbst am generellen schwächeren Wochenende kommt man in Spitzenzeiten wie am frühen Samstag Vormittag auf 140 000 Hörer. "Damit sind wir gar nicht weit weg vom privaten Berliner Marktführer RTL", sagt Skuppin.

Das war nicht immer so. Am Anfang wurde Radioeins nicht einmal in der offiziellen halbjährlichen Mediaanalyse, die die Reichweiten misst, aufgezählt - zu klein war die Hörerschaft. Skuppin wundert das heute nicht. "Ziel und Anspruch waren sehr hoch, als der Sender 1997 gegründet wurde. Die Umsetzung war leider sehr mangelhaft". Den Verantwortlichen war klar, dass es ohne tiefgreifende Änderungen nicht gehen würde. Und so wurde das Programm umgestülpt. Eine der wichtigsten Neuerungen war sicherlich die Morningshow "Der schöne Morgen", die inzwischen mit gutem Erfolg läuft.

"Das Genre Radio vorantreiben"

Das Musikprogramm besteht im weitesten Sinn aus Alternative Adult Pop von Björk über Placebo bis Underworld. Auch Oldies von den Doobie Brothers oder anderen Vertretern ihrer Generation sind zu hören. Wichtig ist Skuppin auch, dass nicht nur Single-Auskopplungen abgespielt werden, sondern auch andere Stücke von den Alben der Künstler, die man sonst im Radio eigentlich nirgends höre. Abends gibt es Special-Sendungen, in denen es dann schon mal schön schräg oder experimentell werden kann. "Das mag dann nicht jeder, aber wir leben eben den Pluralismus".

Skuppin ist klar, dass sich sein Sender so etwas nur leisten kann, weil er als öffentlich-rechtlicher Sender mit Gebühren finanziert wird. Das ist zwar eine komfortable Situation, Skuppin sieht daraus aber auch einen Auftrag erwachsen: "Wir haben die Verpflichtung, das Genre Radio voranzutreiben".

Das Internet wird natürlich auch für Radioeins immer wichtiger. So wird beispielsweise gerade der Facebook-Auftritt ausgebaut. Streaming liegt im Trend, so kann man beispielsweise Veranstaltungen, bei denen Radioeins als Medienpartner auftritt, auf der Homepage ansehen. Auch der Ausbau von Podcasts wird vornagetrieben.

Und was wünscht Robert Skuppin sich von den Hörern? "Ich wünsche mir, dass die Menschen, die uns schreiben und schnell mal mit scharfer Kritik bei der Hand sind, wenn ihnen etwas nicht gefallen hat, auch daran denken, dass sie das Programm ja eigentlich schätzen". Es gebe erstaunlich viel Hass und Aggressivität. Manchmal tritt er mit solchen Leuten aber auch in eine Diskussion ein. Einmal schrieb ein Hörer: "Schade, dass man auf dumme Menschen nicht schießen darf." Skuppin schrieb zurück: "Wieso schade? Sie profitieren doch selbst davon". Seitdem stehen beide in Mailkontakt.

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