Kai Diekmann und Ulf Poschardt kritisieren "Spiegel"-Cover - Norbert Küpper empfiehlt, rasenden Trump aufzubewahren

 

Mit einer aufsehenerregenden Titelseite hat der "Spiegel" am Wochenende seinen Standpunkt zum zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump deutlich gemacht: "Das Ende der Welt (wie wir sie kennen"). Auf insgesamt 57 Seiten haben sich Dutzende "Spiegel"-Redakteure über alle Ressorts (bis auf Sport) mit Trump beschäftigt - und sind in den verschiedenen Beiträgen zu einem klaren Urteil gekommen. Zeitungsdesigner Norbert Küpper empfiehlt, die Ausgabe aufzubewahren. Kai Diekmann und Ulf Poschardt finden dagegen kritische Worte für das Cover.

Die Stoßrichtung in der aktuellen "Spiegel"-Berichterstattung wird schnell klar. In seinem Kommentar schreibt "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer: "Trump wird am 20. Januar zwar der demokratisch legitimierte 45. Präsident der USA werden, doch er bleibt ein gefährlicher Mann. Gefährlich unaufmerksam, unausgeglichen, unerfahren und gefährlich rassistisch: Trump glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und sollte er ausgerechnet die grausamsten Ankündigungen umsetzen, wäre er nicht der erste Gewählte, der das täte. Sechzig Millionen Amerikaner waren also dumm."

Gerade die Titelseite sorgt für reichlich Gesprächsstoff: Trump als Komet, der auf die Erde rast. "Meine Güte! Wird das jetzt der mediale Überbietungswettbewerb: Wer schreibt am lautesten Weltuntergang?", zeigt sich "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann irritiert. Auch "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt kritisiert das Titelbild und sagt: "Gut, dass sich der "Spiegel" nicht vom Alarmismus anderer Medien anstecken lässt."

Norbert Küpper: "Tödliche Gefahr"

"Gestalterisch erinnert die reduzierte Form und die Farben Rot, Orange und Gelb im Kontrast zum schwarzen Hintergrund an Plakate aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts", sagt Zeitungsdesigner Norbert Küpper im kress.de-Gespräch am Samstag. Und ergänzt: "Der Kontrast des großen Kopfes und der kleinen Erde bringt Spannung in dieses Bild. Übersetzt man die Bildsprache in Worte, bedeutet es: Trump kommt über die Erde wie ein Komet. Er ist eine tödliche Gefahr."

Unterstrichen würden die Aussage im Bild durch die Schlagzeile "Das Ende der Welt (wie wir sie kennen)".

Das Nachrichtenmagazin versuche "mit dem Cover in die Zukunft zu schauen. Mark Twain oder Kurt Tucholsky oder sonst jemand sagte: "Prognosen sind schwierig, sofern sie die Zukunft betreffen", so Norbert Küpper: "Man sollte sich diese Ausgabe des Spiegel also aufheben und in einem Jahr noch mal nachschauen, wie die Wirklichkeit mit dieser apokalyptischen Vorschau übereinstimmt. Ich hoffe natürlich, dass der Spiegel gnadenlos übertreibt. Warum sollte er auch richtig liegen, waren doch alle Prognosen zum Thema Trump bisher falsch?", wagt sich Küpper selbst auf eine Prognose.

Susanne Beyer: "Ganz besonders wach sein"

Interessant ist auch die Genese des aktuellen "Spiegel". Die Entstehung erklärt die stellvertretende "Spiegel"-Chefin Susanne Beyer im "Morning Briefing" so: "An diesem denkwürdigen Mittwoch des 9. November trafen wir uns zu unserer morgendlichen Planungskonferenz. Es war voll in dem Raum, viele Kollegen waren blass, sie waren die ganze Nacht nicht von den Fernsehern und Nachrichtenseiten losgekommen. Wir haben beschlossen, im neuen Heft so viel wie möglich zu Trump zu machen. Und in den Artikeln, die ich dann in den nächsten Stunden zu lesen bekam, zog sich ein Motiv durch, meist nur im Untergrund, hier und da ausformuliert: Dass es jetzt gilt - da die Meinungsforscher so versagt haben und das Unfassbare dann doch wahr geworden ist - ganz besonders wach zu sein."

Das aktuelle "Spiegel"-Cover stammt von Edel Rodriguez, der bereits für das "Time"-Magazin das Cover "Meltdown" verantwortlich zeichnete. Das passende Lied zum aktuellen "Spiegel" hat übrigens die Band "REM" um Frontsänger Michael Stipe: "It's the end of the world (as we know it)".

kress.de-Tipp: Am Sonntag war Klaus Brinkbäumer gemeinsam mit Gabor Steingart, Herausgeber und Vorsitzender der Geschäftsführung, "Handelsblatt"; Annette Riedel, Europa-Korrespondentin, Deutschlandradio und Melinda Crane, Politische Chefkorrespondentin und Moderatorin, Deutsche Welle TV, zu Gast im Presseclub des WDR. Die sehenswerte Sendung, die ARD-Programmdirektor Volker Herres moderiert hat, hat den Titel "Risikofaktor Trump: Alles halb so schlimm?".

Ihre Kommentare
Kopf

Dittsche

13.11.2016
!

Alle großen Medienhäuser leisten sich Auslandsbüros und zahlen vermutlich stattliche Honorare, um ein realistisches Bild von den Zuständen und Befindlichkeiten im jeweiligen Land zu erhalten. Was haben die Fachleute dafür geliefert? Totales Versagen.

Mit welcher Rechtfertigung glauben die Damen und Herren Journalisten nun, Prognosen abgeben zu können? Sie sollten besser schweigen und aus ihrem Wolkenkuckucksheim herabsteigen, um sich im stillen Kämmerlein zu fragen, warum sie versagt haben.


Dr.Ulrich Brötzmann

13.11.2016
!

Die Reaktion in Deutschland durch die politische Klasse,sei es Merkel,Steinmeier oder durch Die Grünen einerseits, und durch die Medien anderseits muß als Provinztheater eingeordnet werden. Das Abschieben von Verantwortung durch Europa auf die USA innerhalb der Nato ist doch letztlich ein Skandal.Dass dies Trump -als ein Beispiel-anspricht ,ist legitim und zudem angebracht. Verschlafene und unfähige Europapolitik.Oder glaubte jemand,dass das ewig so weitergeht ? Junker hat Recht.


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