Publizist Alan Posener: "Nirgends steht im Pressegesetz, dass man es Reportern einfach machen muss"

 

Der Publizist Alan Posener, Autor der "Welt", sagt im Gespräch mit kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük, dass sich die Überlastung in den Redaktionen auf die Qualität auswirken kann.

kress.de: In welchen Bereichen sehen sie eine Einschränkung der Pressefreiheit in Deutschland?

Alan Posener: Nirgends.

kress.de: Behörden und Unternehmen "mauern" oft, zumal wenn es um heikle Informationen geht. Sie verweigern Interviews - oder überlassen nur ein meist wenig aussagekräftiges Statement. Ist das aus Ihrer Sicht eine Einschränkung der Pressefreiheit?

Alan Posener: Nein. Das ist PR. Nirgends steht im Pressegesetz, dass man es Reportern einfach machen muss.

kress.de: Gabor Steingart hat in einer harten Analyse vor Mitarbeitern die zu große Nähe - etwa zu Wirtschaftsmanagern - in der Berichterstattung kritisiert. Jürgen Leinemann sprach oft von der größten Korruptionsgefahr von Journalisten durch "zu große Nähe" zu Informanten. Sehen Sie auch diese "Nähe" als Problem der Pressefreiheit?

Alan Posener: Nein. Sie ist eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Presse.

kress.de: In der "nervösen" Medienkritik - gibt es jenseits aller Abwehr der Kritik - eine sehr weitgehende Übereinstimmung: die Kritik an zu viel Mainstream in der Berichterstattung, an dem Sog der großen Übereinstimmung von Journalisten. Schränkt der diagnostizierte Mainstream die Pressefreiheit ein?

Alan Posener: Ich weiß gar nicht, was "Mainstream" sein soll. Jean-Paul Sartre sagte: Die Hölle, das sind die Anderen. Ich habe das Gefühl, der "Mainstream", das sind die anderen. Man selbst ist natürlich ein unabhängiger Geist, Querdenker, furchtloser Wahrheitsucher und so weiter. Quatsch. 

kress.de: Die gewaltige Macht der PR-Pressestellen, Content Marketing, Anzeigen-Abhängigkeit sowie vielfältige Kooperationen über Konferenzen und Kongresse etc: wirkt sich diese Tendenz auf das Niveau der Pressefreiheit aus?

Alan Posener: Nein. Nicht mehr als früher schon.

kress.de: Viele relevante Journalistinnen und Journalisten, die in den außenpolitischen Ressorts arbeiten, sind Mitglied etwa in der "Atlantikbrücke"; wirkt sich dies auf die Nutzung der Pressefreiheit aus, weil es eine Einbindung in einen Konsens über wesentliche Fragen gibt?

Alan Posener: Wer sagt denn, dass alle relevanten Journalisten in der Atlantikbrücke sind? Ich bin nicht drin, und ich bin doch auch relevant. Man muss nicht jeden Scheiß wiederholen, den ein Udo Ulfkotte in die Welt setzt. Es gibt übrigens keinen Konsens in wesentlichen Dingen. Wie kommen Sie darauf? 

kress.de: Gibt es eine Einschränkung der Pressefreiheit durch Überlastung und Arbeitsverdichtung von Journalisten? Wird die Pressefreiheit dadurch eingeschränkt, dass diese aufgrund von Zeit-Ressourcenmangel nicht ausreichend wahrgenommen wird?

Alan Posener: Nein. Es gibt eine Überlastung, die sich auf die Qualität des Journalismus auswirken kann. Aber das hat nichts mit der Pressefreiheit zu tun. 

Die Fragen an den Publizisten Alan Posener, Autor der "Welt", stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Teil der großen KRESS-Reihe zum Thema Pressefreiheit.

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