Der Lizenzdeal hinter der "Höhle der Löwen": Wie Ralf Dümmel und Hanno Hagemann Deutschland mit Produkten fluten

 

In der dritten Staffel hat die Vox-Show "Die Höhle der Löwen" alle bisherigen Marken geknackt: Rund drei Millionen Zuschauer schauten sich die Pitches der Gründer an. Auf Twitter gehörte "DHDL" regelmäßig zu den Trending Topics. Die Zahl der Deals ist deutlich angestiegen. Doch der größte Coup fängt da an, wo die Sendung aufhört.

Dümmel-Dämmerung in Deutschland. Elf Wochen lang verfolgten Millionen Menschen, wie meist unerfahrene Gründer in der "Höhle der Löwen" ihre Ideen anpreisen, um an Risikokapital zu kommen. Keiner der fünf TV-Juroren hat dabei so viele Deals abgeschlossen wie Ralf Dümmel. Mit mehr als drei Millionen Euro Investment mutierte der Hamburger Kaufmann zum Star der Show. Das Geld dürfte sich bereits mehr als ausgezahlt haben: Gemeinsam mit den Vertriebspartnern seines Handelsunternehmens DS Produkte leitete er eine Verkaufswelle ein, die ein deutsches TV-Format so wohl noch nicht hervorgebracht hat.

Ob Karstadt oder Otto, Famila, Edeka oder Kik -  am Label "Die Höhle der Löwen - bekannt aus der Vox-Gründershow" kam zwischen August und November kaum ein Kunde vorbei. "Alle Deals, in die Ralf Dümmel investiert hat, sind unter dieser Marke in den deutschen Handel gekommen", sagt Hanno Hagemann, dem DS Produkte gemeinsam mit Dümmel gehört. Das Konzept: Schon am Morgen nach der Ausstrahlung gehen Bügelhilfen, Abflussreiniger oder Strumpfhosen aus der Sendung des Vorabends in hohen Stückzahlen in den Verkauf.

Möglich war das, weil DS Produkte sein gesamtes Vertriebsnetzwerk von einem Lizenzdeal überzeugt hat - und die Gründer als strategischer Investor etwa bei Einkauf und Logistik unterstützt hat. Die Liste der Vertriebspartner von DS Produkte umfasst dabei so gut wie alle namhaften deutschen Handelsketten. In Burg auf Fehmarn gab es sogar einen kleinen Pop-up-Store, der ausschließlich "Höhle-der-Löwen"-Produkte anbot und nach Ende der Staffel wieder schloss.

Die Idee, Sendung und Vertrieb so eng miteinander zu verknüpfen, ist Geschäftsführer Hagemann zufolge gemeinschaftlich von DS Produkte sowie der Vox-Mutter RTL und der Produktionsfirma Sony Pictures entwickelt worden. Kern ist ein Lizenzvertrag, der es dem Handelsunternehmen ermöglicht, für alle getätigten Deals das Logo der Sendung zu nutzen. Die Lizenzgebühr zahlen die Gründergesellschaften. Über die genaue Höhe haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart, doch Hagemann lässt durchblicken, dass man von den in der Unterhaltungsbranche oft üblichen 20 Prozent des Abgabepreises weit entfernt sei. RTL und Sony seien bedachtsam vorgegangen, so Hagemann. Schließlich hätten sie auch ein Interesse daran, "dass die Gründergesellschaften eine realistische Chance haben".

Mit dem Absatz zeigt sich Hanno Hagemann gegenüber kress.de mehr als zufrieden. Der Erfinder eines Abflussstopfens mit Reinigungsfunktion habe inzwischen 800.000 seiner "Abfluss-Feen" verkauft. "Das wird der erste Millionär sein, den DHDL hervorgebracht hat." Insgesamt seien von den 19 zustande gekommenen Beteiligungen mehr als 70 Prozent positiv.

Auch bei Sony Pictures lobt man den Lizenzdeal. "Ralf Dümmels Strategie, die Produkte in dieser Breite in den Handel zu bringen, ist einzigartig und ohne ausländisches Vorbild", betont Mirek Nitsch, Director of Business Affairs und Business Development. Sony Pictures produziert das erfolgreiche Format weltweit in 26 Ländern, darunter in England ("Dragons' Den") und den USA ("Shark Tank").

Laut Hanno Hagemann ist der Deal hinter den Deals für alle Beteiligten ein Gewinn: "Das ist natürlich ganz toll für die Gründer. Aber auch Vox hat etwas davon: Rund 30 Millionen Handzettel haben jede Woche auf die TV-Show aufmerksam gemacht." Zugleich habe es den Produkten eine zusätzliche Wertigkeit gegeben, dass die Menschen sie aus dem Fernsehen kennen.

Nicht zuletzt profitiert auch die Firma DS Produkte, die vor Ralf Dümmels Einstieg bei der TV-Show außerhalb der Handelsbranche weitgehend unbekannt war.  "Das öffnet uns schon manche Türen", sagt Hagemann. In den vergangenen acht Wochen habe das Unternehmen rund 1.000 Produktideen vorgeschlagen bekommen. Zudem schafft die Firma, die zurzeit rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, etliche neue Stellen. "70 Leute kommen bestimmt in den nächsten Monaten dazu", so Hagemann. Auch wenn die Jury für die neue DHDL-Staffel 2017 offiziell noch nicht feststeht: Schon das spricht dafür, dass Ralf Dümmel dabei bleibt - und das Land wieder mit seinen Produkten flutet.

Auch Pop-up-Stores soll es dann vermehrt geben. Zumindest überlegt man bei DS Produkte, wie sich der Fehmeraner Test ausweiten lässt. Das Problem ist nur: Am Anfang der Staffel ist der Laden noch leer. Für Hagemann eine lösbare Aufgabe. "Da muss man einen pfiffigen Weg finden, das zu überbrücken."

Dass die Show mit ihrer engen Verknüpfung zum Produktverkauf zu sehr in die Nähe unerlaubter Werbung rücken und damit ein Fall für die Medienaufsicht sein könnte, ist nicht zu erwarten. 2015 hatte die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) bereits die Beschwerde eines Zuschauers zurückgewiesen, dem ein Hinweis als Dauerwerbesendung gefehlt hatte. "Ob es durch die Sendung zu einer eventuellen Verzerrung von Marktbedingungen kommt, ist keine Frage des Rundfunkrechts, sondern des Wettbewerbsrechts" , heißt es in einem Prüfreport der LfM. 

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