Medienkritiker Udo Ulfkotte: "Die Journalisten kapieren es einfach nicht"

 

Zu einem der schärfsten und polemischsten Medienkritiker hat sich der frühere "FAZ"-Redakteur Udo Ulfkotte entwickelt. Die Bücher des Politikwissenschaftlers sind Bestseller. In seinem soeben erschienenen Band "Volkspädagogen" lässt er kaum ein gutes Haar an der Branche. kress.de hat den 56-Jährigen zu seinen Thesen befragt. Ein Streitgespräch.

kress.de: Woher kommt Ihr Selbsthass, Herr Ulfkotte?

Udo Ulfkotte: Alles, was politisch nicht korrekt ist und nicht zur Einheitsmeinung passt, wird pathologisiert. Schon Ihre Frage zeigt, dass Sie wohl auch eher zu den Anpassern und Mitschwimmern gehören. Ich habe keinen Selbsthass, ist bin ein ganz normaler, einfacher Medienkritiker.

kress.de: Sie waren lange Zeit etablierter Teil dieser Branche. Nun veröffentlichen Sie ein Buch nach dem anderen über die Verkommenheit des Journalismus. Hat das nichts mit Selbsthass zu tun?

Udo Ulfkotte: Würden Sie Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin und die vielen anderen, die ähnliche Bücher schreiben, das auch fragen? Jeder, der Missstände in Politik und Medien kritisiert, wird doch sofort hingerichtet - früher auf dem Marktplatz, heute in den Medien.

kress.de: Dann anders gefragt: Wie kam es zu diesem kritischen Blick auf den eigenen Berufsstand?

Udo Ulfkotte: Das begann schon 1988, als ich an der iranisch-irakischen Grenze Augenzeuge von Vergasungen iranischer Soldaten wurde. Mit deutschem Giftgas und unter amerikanischer Oberaufsicht haben Iraker Iraner vergast - und das hinterher in Bagdad gefeiert. Ich bin Jahrgang 1960 und habe in der Schule eingeimpft bekommen, dass Deutsche nie wieder Menschen vergasen dürfen. Und da stand ich nun und musste ohnmächtig vor Wut mit ansehen, dass es für unsere Medien - und ich war ein Teil davon - gute und böse Vergasungsaktionen gibt.

kress.de: Inwiefern?

Udo Ulfkotte: Das, was ich zur "FAZ" geschickt hatte, und das, was abgedruckt wurde, waren zwei Welten. Ich habe damals gelernt, dass dieses Vorgehen bei Medien "normal" ist. Ich habe weitergemacht, bis ich nicht mehr in den Spiegel schauen konnte. Übrigens bin ich inzwischen der einzige lebende deutsche Journalist, der offiziell als Senfgasopfer anerkannt ist.

kress.de: Das ist fast 30 Jahre her. Lassen Sie uns über heute sprechen: Sie werfen Ihren Kollegen vor, Volkspädagogen zu sein, Lobbyarbeit zu betreiben, unterstellen eine "klebrig-filzige Nähe zu Eliteorganisationen". Liest man Ihr Buch, ist der heutige Journalismus eine furchtbare Branche. Oder formuliere ich das zu zugespitzt?

Udo Ulfkotte: Nein, tun Sie nicht. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht das auch so, da bin ich nicht allein. Er ist kein Insider, kennt den redaktionellen Alltag in Leitmedien mit dem Druck von oben, den es da in Hinblick auf politisch korrekte Berichterstattung im Sinne bestimmter Eliten gibt, nicht aus eigener Anschauung. Und Krüger ist ganz sicher kein "Rechtspopulist" oder Selbsthasser, wie Sie sagen würden.

kress.de: Inzwischen kommt ja auch Selbstkritik aus den Leitmedien, die sich ein wenig mit Ihrem Kritikpunkt deckt, die Leser seien "noch nie so von oben herab behandelt" worden wie heute. Sind wir an einem Wendepunkt?

Udo Ulfkotte: Nein, die Chance haben wir verpasst. Wer in meiner Verwandtschaft noch Lokalzeitungen abonniert hat, der ist älter und liest sie nur noch wegen der Todesanzeigen und der Müllabfuhr. Diese Leser werden wegsterben.

kress.de: Ich meinte die Leitmedien...

Udo Ulfkotte: Deren Konsumenten finden sich und ihre Welt in den redaktionellen Texten nicht mehr wieder. Die Bürger haben doch längst entschieden. Sie sagen sich: Liebe Journalisten, ihr könnt euch keine neuen Kunden suchen, aber wir Bürger können uns neue Informationsquellen suchen, wo wir uns mit unseren Sorgen wiederfinden. Sie sehen das doch am Niedergang der Auflagen. Aber die Journalisten kapieren es einfach nicht.

kress.de: In Ihrem Buch gehen Sie noch einen Schritt weiter: "Jedem Bürger sollte klar sein, dass Meinungs- und Pressefreiheit nur noch auf dem Papier bestehen", schreiben Sie. Aber Sie können doch Ihre Meinung ausführlich in einem Buch darstellen. Wie passt das zusammen?

Udo Ulfkotte: Na, dann fragen Sie mal meine Frau, wie viele Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren ich schon hatte. Weil ich Dinge geschrieben habe, die politisch nicht korrekt waren. Ich kann mich übrigens an nicht einen Journalisten erinnern, der je darüber berichtet hätte, dass die Verfahren eingestellt wurden. Auch die Journalistenverbände, in denen ich früher noch Mitglied war, haben politisch korrekt weggeschaut. Das fing 2004 an. Angeblich hatte ich Geheimnisse verraten. Es ist eine reine Frage der Zeit, wann ich auch mal wegen Volksverhetzung angeklagt werde, sagen meine Anwälte. So wie bei Thilo Sarrazin und anderen gehört das heute dazu, um einen Kritiker der politischen Korrektheit fertigzumachen. 

kress.de: Sie sprechen in Ihrem Buch auch von "Zensur". Verharmlost das nicht die Zustände in Ländern wie Kuba oder Weißrussland, in denen tatsächlich Zensur herrscht?

Udo Ulfkotte: Wie nennen Sie es denn, wenn Länder-Polizeien Vorgaben bekommen, etwa über Flüchtlingskriminalität möglichst nicht zu berichten? Das sind klare Zensurvorgaben. Denken Sie bei diesem Thema auch an Silvester in Köln und die Zensurmaßnahmen. Es ist widerlich - wie in einer Bananenrepublik! Und wie nennen Sie es, wenn unsere geliebte Führerin seit 2008 regelmäßig die Chefredakteure der großen Leitmedien im Kanzleramt zum Rapport bestellt...

kress.de: Das ist ein Meinungsaustausch.

Udo Ulfkotte: Ist es nicht. Denn Merkel gibt vor, worüber die Journalisten im Staatsinteresse nicht berichten sollen. Oder dass sie den Euro schönzuschreiben haben. Jakob Augstein und andere haben das publik gemacht. Das wird in Nordkorea nicht anders sein. Und wer sich hier nicht daran hält, der wird zwar nicht erschossen, aber vom Informationsfluss abgeschnitten. Selbst der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer spricht inzwischen von "Zensur" und "Orwellscher Sprachkontrolle" in Deutschland. Er meint wohl die von Zensurminister Heiko Maas unterstützte Stasi-Truppe, die bei Facebook aktiv ist. Was glauben Sie denn, woher es kommt, dass drei Viertel der Bürger Angst davor haben, ihre Meinung noch frei zu äußern?

kress.de: Zurück zum Zensur-Vorwurf. Sie behaupten, die "Organisation Werbungstreibende im Markenverband" fordere von Medien ein politisch korrektes Umfeld, sonst würden diese von den großen Unternehmen keine Anzeigen erhalten. Können Sie das belegen?

Udo Ulfkotte: Das hat das Branchenmagazin "Horizont" im August 2016 berichtet. Ich habe das auch als Quelle angegeben. Und ich nenne das subjektiv Zensur. Dabei bleibe ich.

kress.de: Auch "Spiegel" und "Focus" würden ihre Berichterstattung von Anzeigenkunden beeinflussen lassen, schreiben Sie. Ein harter Vorwurf gegen die Unabhängigkeit unserer Nachrichtenmagazine. Wie kommen Sie darauf?

Udo Ulfkotte: Ich zitiere in "Volkspädagogen" ausführlich aus einer wissenschaftlichen Studie über die Synchronisation von Werbung und Nachricht. Und da sind nun mal auch "Spiegel" und "Focus" mit ausgewertet worden. Sagen wir mal so: Die kommen da eher weniger gut weg.

kress.de: Als ein Beispiel für Manipulationen nennen Sie Berichte über Flüchtlinge, die "Tag für Tag" Geld finden und es bei der Polizei abgeben. Die Leser sollten so "auf den Massenansturm von noch mehr Migranten eingestimmt werden". Unterstellen Sie, dass diese Geschichten fingiert sind?

Udo Ulfkotte: Ich weiß nicht, ob Teile dieser tränenrührenden Geschichten erfunden sind. Aber es ist ein klassischer Propaganda- und Desinformationstrick. Auf der einen Seite gibt es, was ja inzwischen keiner mehr bestreitet, Anweisungen aus den Reihen deutscher Sicherheitsbehörden, möglichst nicht über Kriminalität und die Schattenseiten der unkontrollierten Massenzuwanderung zu berichten. Ich werte andererseits gerade für 2016 die offen zugänglichen Polizeiberichte über sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen von Frauen und Kindern aus, bei denen die Tatverdächtigen laut Fahndung "Südländer", "Ausländer", "Flüchtlinge", "arabischen Typs" oder "Dunkelhäutige" sind. Und ich sammle wirklich nur die Fälle, die in keiner Zeitung erwähnt wurden. Ich habe das Gefühl, dass ich eine mehrbändige Enzyklopädie erarbeite, so viele Fälle sind das. Und von keinem einzigen haben die Menschen da draußen je etwas gehört. Und dann sehe ich andererseits diese Berichte über die lieben potentiellen Herzchirurgen, Raketeningenieure und Chemielaboranten, die ständig Geld finden und brav abliefern. Sorry, aber da fühle ich mich einfach nur noch veräppelt.      

kress.de: Nichts tue Journalisten so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen, kritisieren Sie. Was ist denn daran verwerflich? Ist es nicht vielmehr löblich, wenn sich Medien gegen eine menschenverachtende Ideologie stellen und Haltung zeigen?

Udo Ulfkotte: Was ist denn heute rechts? Wenn ich früher neben Helmut Kohl gesessen habe und er erzählt hat, warum er den Zuzug von Ausländern extrem begrenzen will, dann wäre das aus heutiger Sicht schon "rechts". Und lesen Sie mal, was Angela Merkel auf früheren Parteitagen zur gleichen Thematik gesagt hat - heute würde sie dafür in die Nähe der "Volksverhetzung" gerückt. Heute ist alles "rechts", was den Zielen der herrschenden Elite widerspricht. Die Mehrheit der Deutschen wollte den Euro nicht. Politik und Medien haben die neue Weichwährung trotzdem gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Und wer das kritisiert, ist "rechts".

kress.de: Ausführlich stellen Sie in Ihrem Buch fehlerhafte Berichterstattung dar, wenn es um Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Flüchtlingen geht. Obwohl die Aggression von Flüchtlingen ausgegangen sei, sei die Polizei in Medien schlecht weggekommen. Aber passieren nicht überall Fehler? Ist es wirklich fair, aus solchen Einzelfällen auf eine gesamte Branche zu schließen?

Udo Ulfkotte: Ich sage es mal anders: Lesen Sie doch bitte das Buch "Notruf einer Polizistin" der politisch unverdächtigen griechischstämmigen Tania Kambouri. Und lesen Sie vom Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, "Deutschland in Gefahr". Ich kann hundert weitere nennen, die Ihnen bestätigen werden, dass deutsche Journalisten systematisch nach dem Muster "Guter Asylant - Böser Polizist" arbeiten.

kress.de: Sie greifen die Leitmedien pauschal und auch polemisch an. Andererseits beklagen Sie, dass diese jede Werbung für Ihr Buch oder andere Werke des Kopp-Verlages ablehnen. Ist das nicht ein wenig heuchlerisch? So wie es in den Wald hineinschallt, schallt es eben auch wieder heraus...

Udo Ulfkotte: Um Himmels Willen. Ich beklage mich doch nicht darüber, dass Leitmedien keine bezahlten Werbeanzeigen von mir oder meinem Verlag wollen. Ich erwähne das nur, weil es immer wieder Leser gibt, die gute Ideen für bezahlte Werbung außerhalb der klassischen Medien haben. Und ich erwähne es, weil die letzten Bücher, für die ja auch nicht geworben werden durfte, alle auf die "Spiegel"-Bestsellerliste kamen. Da müsste einem halbwegs intelligenten Journalisten doch irgendwann mal ein Licht aufgehen, dass er sich in einer Sackgasse befindet.

Hintergrund: Udo Ulfkotte, Volkspädagogen; Kopp-Verlag, gebunden, 272 Seiten, ISBN: 9783864453885, Preis: 19,95 Euro

Ihre Kommentare
Kopf

Gerhard Hofmann

12.12.2016
!

Unsäglich - warum macht kress so ein Interview?


Mimai

12.12.2016
!

Sorry, aber diesem Verschwörungstheoretiker eine Plattform zu geben, halte ich für mehr als grenzwertig. Herr Ulfkotte liest die Quellen nicht mal richtig, aus denen er dann Handlungsanweisungen der Eliten konstruiert - siehe ein zehn Jahre altes UN-Papier zu möglichen Maßnahmen gegen das Schrumpfen der Bevölkerung, das er zur Anweisung zum Bevölkerungsaustausch stilisiert hat.


Sonia Spengler

12.12.2016
!

Ulfkotte hat Recht. "Rechts" ist mittlerweile schon jeder, wenn er nur die Beachtung des Rechtsstaates verlangt.


Heiner Sieger

12.12.2016
!

Na prima - das kommt dann dabei raus, wenn ein "Medienberater" einen Systemkritiker interviewt anstatt ein gestandener Journalist. Die Vorurteile gegenüber dem Interviewpartner quellen ja aus nahezu jeder Frage und sind damit ein hübscher Beleg dafür, dass Herr Ulfkotte den Buchtitel nicht von ungefähr gewählt hat.


Stefan Westphal

12.12.2016
!

Und hiermit zeigt uns Kress, wie man mit einem Text seine Reputation zerstört. Die Betietelung dieser Person als "Kritiker" ist eine Beleidigung für alle, die sich frei von verwirrten Verschwörungstheorien ernsthaft (und ohne Buch Verkaufsintetessen) mit dem Thema Medienkritik beschäftigen. Diese ist natürlich nötig. Aber solche verirrten Ansichten helfen niemandem. Außer vielleicht auch der PR Agentur, die dieses Gefälligkeitsinterview hier platziert hat.


Wolf Larsen

12.12.2016
!

Herr Ulfkotte hätte sich schon längst das Bundesverdienstkreuz für Journalismus verdient, genau wie Herr Sarazin.

Unsere MM, von BILD bis FAZ sind einfach nur noch erbärmlich.


Martin Busche

12.12.2016
!

Sorry,,was für ein katastrophales Interview. Das fehlt es leider an Handwerk. Interviewfragen sind doch deutlich mehr als Stichworte für das absurde Geschwätz eines neurechten Demagogen. In diversen Medien ist belegt, wie Ulfkotte genau das tut, was er anderen vorwirft. Er lügt. Das muss doch in solchen Interviews zur Sprache kommen. Allein schon der Verlag in dem der publiziert, spricht Bände. Das muss man doch ansprechen. Die Hälfte seiner Thesen sind Behauptungen absurder Qualität. Sorry.


Umlandt Gerhard

13.12.2016
!

Ich hätte bereits nach der ersten (unverschämten) Frage gesagt:
"Das Interview ist beendet."


Lutz Luzern

13.12.2016
!

Als Journalist, der für die ARD arbeitet, muß ich Herrn Ulfkotte zustimmen: leider hat sich schleichend eine mentale "Gleichschaltung" in den Köpfen der Kollegen vollzogen. Selbst im täglichen Arbeitsleben und in den Redaktionskonferenzen telle ich immer stärker eine sofortige Verortung von kritischen Kollegen in die "rechte Ecke" fest. Logischerweise führt das dauerhaft zur Selbstbeschneidung der eigenen Meinung. Im Klartext: die kritischen Kollegen halten "die Klappe". Das ist eindeutig Zensur


Seba

15.12.2016
!

Gutes Interview. Kritische Fragen, klare Antworten, so muss dat.


Jens Giebelmann

15.12.2016
!

Rechts ist genau so menschenverachtend wie links.

Nämlich gar nicht.

Wer "rechts" mit "rechtsextrem" gleichsetzt, ist als seriöser Journalist kaum ernstzunehmen.

Schlimmer: Wer ein ganzes demokratisches Spektrum bekämpfen will, zeigt sein antidemokratisches Gedankengut.

Dass laut mehrerer Studien die Journalisten in Deutschland mehrheitlich rotgrün bevorzugen, ist natürlich bedenklich.

Aber nicht rechts oder links ist das, was gefährlich ist, sondern Extremismus bishin zur Gewalt.


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