Mit Tränen in den Augen: Wie Kai Diekmann sich von seiner Redaktion verabschiedete

 

Mit Tränen in den Augen hat sich Kai Diekmann am Freitagvormittag um kurz nach 11 Uhr vor seiner Redaktion erklärt. Der gerade einmal eine Stunde zuvor verschickte Bitte, sich im Newsroom, der Herzkammer der Redaktion, zu treffen, folgten 100 Mitarbeiter von "Bild". Er wolle etwas sagen, schrieb Diekmann.

Kai Diekmann saß im Newsroom am Balken, als er die Nachricht verkündete, dass er Axel Springer bereits Ende Januar 2017 verlassen werde (kress.de berichtete). Diekmann hatte Tränen in den Augen, als er sich bei Havva Cam, seiner langjährigen persönlichen Assistentin, bedankte. Und Diekmann entschuldigte sich für den Fall, dass er jemanden schlecht behandelt habe. Was für eine menschliche Geste von einem Mann, für den eine mittelmäßige Story, eine Geschichte, die auf Kompromissen bestand, nie in Frage kam. Für fast alle im Raum war die Nachricht, dass er Springer verlässt, ein Schock. Viele bei "Bild" sagen, sie hätten von niemanden so viel gelernt wie von Kai Diekmann. Sie achten und respektieren ihn, sie mögen ihn als charismatischen und menschlichen Chef.  

Diekmann, obwohl schon über ein Jahr aus dem tatsächlichen Redaktionsalltag raus, verlässt Axel Springer aus einer Position der Stärke. Diekmann hat bei "Bild" alles erreicht, er hat "Bild" noch viel mehr Kraft gegeben, das Image gedreht. Mit dem "Spiegel" ist "Bild" das wohl wichtigste Medium in Deutschland. In Europa gilt "Bild" als Leitmedium, auf dem ganzen Kontinent gibt es kein Medium, dass Online so massiv gestärkt und zeitgleich Print so gepflegt hat. Diekmann ist ein Visionär, für manche bei Axel Springer sogar fast eine Ikone.

London scheint Diekmann sehr gut zu gefallen

Ob die "Bild"-Gruppe einen neuen Herausgeber bekommt oder das Führungs-Quartett um "Bild-am-Sonntag"-Chefredakteurin Marion Horn, "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch, Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt oder "BZ-Berlin"-Chefredakteur Peter Huth neu aufgestellt wird, steht noch nicht fest. Was klar ist - einen solch mächtigen Herausgeber wie Diekmann wird Springer-Vorstands-Chef Mathias Döpfner ein zweites Mal kaum zulassen. Diekmann selbst wollte sich selbst in seine Redaktion nicht dazu äußern, welche Aufgabe er zukünftig anstrebt. London scheint Diekmann zumindest sehr zu gefallen, als Aufsichtsrat kennt er die Entwicklung bei der "Times" bereits gut.

"Gute Reise zum Mond"

Die Nachricht von Kai Diekmanns Abgang sorgte am Freitag für viel Wirbel in Deutschlands Redaktionen. Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur vom "Spiegel", wünscht "für die kommenden Jahre viel Glück und alles Beste", "Freitag"-Herausgeber Jakob Augstein erklärte: "Oje! Noch eine krasse Nachricht aus 2016. 'Bild' will never be the same again!" und bei Tagesspiegel.de-Chefredakteur Markus Hesselmann bleibt es schlicht bei "Good luck". Sabine Ingwersen, Chefredakteurin von "tina", scherzte: "Ok, Kai. Jetzt ist klar, warum du 2017 Zeit hast, auf den Mond zu fliegen! Gute Reise!" und Karin Schlautmann, Sprecherin von Bertelsmann, sagte schlicht: "Glückwunsch zu einer absolut beeindruckenden Zeit."

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