Chefredakteur Bülend Ürük: In Sachen Diekmann

 

Eine bislang noch unbekannte Springer-Mitarbeiterin hat bei der Staatsanwaltschaft Potsdam angezeigt, dass sie von "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann sexuell belästigt worden sei. Die Staatsanwaltschaft prüft noch die Vorwürfe. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat die Nachricht heute zuerst verbreitet - und damit die Büchse der Pandora für jede Form der Verdachtsberichterstattung jetzt und in Zukunft geöffnet, schreibt kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Ja, er hat "Bild" geprägt wie kein anderer Journalist vor ihm, vielleicht hat er sogar dem Medienhaus Axel Springer seinen Stempel aufgedrückt wie sonst kein anderer Medienmacher jemals vor ihm (außer Axel Springer persönlich). Kai Diekmann ist eine Macht in Deutschland. Er hat Menschen gefördert und Karrieren zerstört. Und ja, "Bild" recherchiert hart und geht auch dahin, wo es richtig schmerzt. Und macht immer wieder jeden Fehler, für den der Boulevard steht.

Der "Spiegel" meldet nun in der aktuellen Ausgabe, dass eine Mitarbeiterin von Axel Springer gegen Diekmann den Vorwurf des sexuellen Übergriffs erhebt. Die Nachricht ist lediglich mit dem Redaktionskürzel "red" gezeichnet. Nach einer Klausurtagung der "Bild"-Führungsmannschaft soll er sie beim Baden sexuell belästigt haben.

Die Mitarbeiterin hat sich einige Tage nach der vermeintlichen Tat an den Verlag gewandt, der sofort weitere Schritte eingeleitet und mehrere externe Rechtsexperten eingesetzt hat. Als die Fachleute kein strafbares Verhalten feststellen konnten, soll die Mitarbeiterin nunmehr auch Vorwürfe und finanzielle Forderungen gegenüber dem Verlag erhoben haben. Daraufhin hat Axel Springer den Fall mit dem Einverständnis von Kai Diekmann an die Staatsanwaltschaft zur Klärung übergeben. Erst danach, drei Monate nach der angeblichen Tat, habe die Mitarbeiterin Anzeige erstattet.

Mit der Meldung über die Vorwürfe hat der "Spiegel", der sich sonst eigentlich immer seiner besonders ethisch-moralischen Berichterstattung rühmt, seinen weitgehend integren Ruf beschädigt. Dabei können wir es nicht gelten lassen, dass hier ja schließlich über den Kai Diekmann berichtet wird und für den Macher der "Bild" andere Gesetze gelten. Dies ist nicht der Fall.

Kai Diekmann bestreitet den Vorwurf. Sein Rechtsanwalt Otmar Kury sagt: "Der gegen Herrn Diekmann erhobene Vorwurf ist haltlos und wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Ermittlungsbehörden."

Im Jubiläumsjahr zeigt sich der "Spiegel" von seiner hässlichen Seite.

Ihre Kommentare
Kopf

Tobias Oswald

07.01.2017
!

Vielleicht lasst Ihr hier lieber ne Frau kommentieren.


S. Tadic

09.01.2017
!

Ich wundere mich etwas, Herr Ürük - der Spiegel berichtet nicht im Stadium von "Vorwürfen", sondern über laufende Ermittlungen. Somit hat sich die Sache ja zumindest dahingehend manifestiert, dass die Staatsanwaltschaft genug Anhaltspunkte hat gegen Herrn Diekmann zu ermitteln. Was genau ist denn daran moralisch so verwerflich?
Wenn ich mir den Onlineartikel dazu anschaue, wünschte ich, die BILD, mit ihren vernichtenden Hetzkampagnen gegen Einzelne, würde sich davon mal ne Schnitte abschneiden


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.