Negative TV-Berichte über Landwirtschaft: Bauern fühlen sich von Tim Mälzer & Co. ausgetrickst

09.01.2017
 

Bauern fühlen sich von Tim Mälzer und seinem Rechercheteam des ARD-"Lebensmittel-Checks" reingelegt. Und sind im Allgemeinen mit der TV-Berichterstattung zu Agrarthemen nicht einverstanden.

Wenn über die Landwirtschaft im Fernsehen berichtet wird, dann überwiegen Negativmeldungen, und als Gesprächspartner kommen fast ausschließlich Agrar-Kritiker zu Wort. Das bestätigen wissenschaftliche Medien-Analysen.

Der "Food&Agrarjournalist" berichtet von einer Untersuchung der Kommunikationsberatung Engel & Zimmermann (Vorstand: Sybille Geitel), bei der die relevanten Fernsehsendungen des Jahres 2015 analysiert wurden. Danach waren bei den über 500 untersuchten Fernsehbeiträgen zwar Qualitätschecks mit einem Anteil von 29 Prozent die häufigste Themenrubrik. Mit 11 Prozent hatten aber Sendungen über vermeintliche Werbelügen bereits den zweiten und Themen zu Belastungen von Lebensmitteln mit 9,5 Prozent den dritten Platz belegt. Nach den Untersuchungserhebungen wurden 2015 vor allem die Fleisch-und Milchwirtschaft kritisch beäugt. In den meisten TV-Beiträgen über diese beiden Branchen standen Themen der Tierhaltung und Erzeugung im Mittelpunkt, aber auch Probleme von multiresistenten Keimen und die Abschaffung der Milchquote waren besondere Schwerpunktthemen.

"Generell lässt sich beobachten, dass die landwirtschaftliche Nutztierhaltung noch stärker in die Schusslinie der Medien gerückt ist, dazu haben im Jahr 2016 besonders auch gesendete TV-Beiträge mit illegal beschafftem Filmmaterial beigetragen" heißt es im "Food&Agrarjournalist". So fühlte sich u.a. Karl Schweisfurth, Geschäftsführer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten bei München, vom Reportage-Team des ARD-Magazins "Fakt" hintergangen. "Wir haben es hier mit einem ganz aggressiven Gegner zu tun", wird Schweissfurth zitiert. Weiter heißt es: "Die Medien beziehen sich in ihren Berichten auf jüngste Anschuldigungen und Vorwürfe der 'Soko Tierschutz', einer Organisation, die die gesamte Tierhaltung abschaffen und die Gesellschaft zur veganen Lebensweise umerziehen will. Dafür scheint ihnen jedes Mittel recht: Einbruch, einseitige und verfälschende Bilder und haltlose Anschuldigungen."

Weil Bauern sich der öffentlichen Diskussion stellen wollen - wie der "Food&Agrarjournalist" berichtet - hatte auch Familie Kleinbielen aus Schwalmtal (Kreis Viersen) sich im November 2015 bereit erklärt, die Stalltüren ihres Mast- und Milcherzeugerbetriebes für Fernsehkoch Tim Mälzer und seinen ARD-"Lebensmittel-Check" zu öffnen. Bei den Dreharbeiten sei alles harmonisch gelaufen, wird Familie Kleinbielen zitiert. Aber mit dem Ergebnis, also dem später gesendeten Fernsehbeitrag, waren die Rheinländer überhaupt nicht einverstanden. Mälzer habe die konventionelle Bullenmast "in ein schlechtes Licht gestellt". Auch die Zusage, das Filmmaterial vor dem Sendetermin zu "begutachten", sei nicht eingehalten worden."Hätten wir die Aufzeichnung vorab einsehen dürfen, wie es mit dem Team der ARD besprochen wurde, hätten wir der Ausstrahlung (ARD-Themenabend: Was ist uns unser gutes Fleisch noch wert?) so nicht zugestimmt. Leider waren wir so naiv und haben den Verantwortlichen vertraut", so die Familie Kleinbielen. Sie sind der Meinung, der Sender habe die Tatsachen nicht richtig dargestellt. "Und da wundert sich Tim Mälzer, weshalb kein Bauer sich mehr in die Ställe schauen lässt." Sie hätten dem Zuschauer ein besseres und realistischeres Bild vermitteln wollen, als es beispielsweise die Redaktion von "Bauer sucht Frau" macht. Und dann komme ein respektloses Fernsehteam und würde sie "als Blödmann der Bauern" darstellen.

kress.de-Tipp: Die Titelgeschichte "TV-Berichterstattung: Bauer, Tiere und Skandale" des "Food&Agrarjournalist" nennt weitere umstrittene Beiträge, mit denen sich sogar der Bundestag in einer Aktuellen Stunde befasst hat. Aber es gibt auch positive Beispiele in der TV-Berichterstattung über Landwirtschaft. Der "Food&Agrarjournalist 2016" kann hier als E-Paper erworben werden.

Hintergrund: Der "Food&Agrarjournalist" (Herausgeber: Johann Oberauer, Chefredakteur Georg H. Taitl) ist eine Sonderproduktion des "Wirtschaftsjournalist", der wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer erscheint. 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.