Vom Tischherrn zum Freund: Die besondere Nähe von Roman Herzog und Liz Mohn

 

Es gibt viele Politiker, die sich ihrer Kontakte zu Journalisten und Verlegern rühmen. Nur selten sind diese Verbindungen aber tatsächlich Freundschaften. Ausnahmen gibt es, wie bei der Freundschaft von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn und dem jetzt verstorbenen Altbundespräsidenten Roman Herzog.

Vielleicht liegt es auch an Liz Mohn, dass Roman Herzog überhaupt 82 Jahre alt wurde. In ihrer Autobiographie "Liebe öffnet Herzen", erschienen 2001, erinnert sich Mohn, wie sie Roman Herzog kennengelernt hat. Herzog war damals noch Präsident des Bundesverfassungsgerichts und "anlässlich einer Konferenz mit zwanzig anderen Herren bei mir zu einem Abendessen zu Gast", schreibt Mohn. Und erinnert sich: "Er war mein Tischherr, und wir verstanden uns sehr gut. In vielen Themen stimmten wir überein, zum Beispiel wie wichtig ehrenamtliches Engagement oder auch die Tätigkeit von Stiftungen für unsere Gesellschaft ist. Nie werde ich vergessen, mit welcher Wärme und Aufrichtigkeit er an diesem Abend über die Beziehung zu seiner Frau sprach", erinnert sich Liz Mohn: "Seine offene, ehrliche Menschlichkeit nahm mich an diesem Abend sehr für ihn ein."

Als Herzog Bundespräsident wurde, lernte Liz Mohn auch seine Frau Christiane kennen und schätzen, es entstand ein "freundschaftlicher Kontakt". Der dafür sorgte, dass Roman Herzog sogar einmal scherzte, dass er jeden Morgen an Liz Mohn denken würde: "Einmal unterhielten wir uns darüber, wie wichtig die Einnahme von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen für Menschen ist, die hohen Belastungen ausgesetzt sind. Ich legte Roman Herzog dies dringend ans Herz. Später sagte seine Frau mir, sie selbst hätte ihren Mann bisher nicht dazu bewegen können, regelmäßig Vitamine und Mikronährstoffe einzunehmen, doch mir war es offensichtlich gelungen, ihn zu überzeugen."

Roman Herzog, von 1994 bis 1999 Staatsoberhaupt und damit der siebte Präsident der Bundesrepublik Deutschland, ist im Alter von 82 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Mit "tiefer Trauer" habe ihn die Nachricht vom Tod Roman Herzogs erfüllt, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. Im Kondolenzschreiben heißt es: "Er war eine markante Persönlichkeit, die das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet hat. Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat er für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein."

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