Deutsche Presse-Agentur protestiert gegen AfD-Entscheid: Chefredakteur Sven Gösmann fordert Zulassung aller Medien bei ENF-Konferenz

 

Die AfD organisiert eine ENF-Konferenz und schließt munter zahlreiche Medien von der Berichterstattung aus. Die Deutsche Presse-Agentur gehört zu den wenigen Medien, die aus Koblenz berichten dürfen. Am kress.de-Telefon fordert dpa-Chefredakteur Sven Gösmann den AfD-Europapolitiker Marcus Pretzell auf, allen interessierten Journalisten und Medien Zugang zu der Tagung zu geben.

Laut den Organisatoren werden in Koblenz 1000 Teilnehmer erwartet, unter anderem die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry, die französische Präsidentschaftskandidatin des Front National, Marine Le Pen, und der Vorsitzende der rechten niederländischen Partei PVV, Geert Wilders.

Nicht erwünscht sind laut Pretzell unter anderem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, "Handelsblatt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" oder "Der Spiegel". "Spiegel"-Reporterin Melanie Amann bezeichnet die Entscheidung der AfD als "feige": "Wird ein kuscheliges rechtes Familientreffen in Koblenz, ohne lästige Medien. Statt "Mut zur Wahrheit" ist AfD-Motto wohl "Mut zur Feigheit"."

Warum die Deutsche Presse-Agentur an der Berichterstattung aus Koblenz festhält, erklärt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann im Gespräch mit kress.de.

kress.de: Herr Gösmann, während die AfD "Spiegel", "Handelsblatt", "Frankfurter Allgemeine" oder die öffentlich-rechtlichen Sender von einer ENF-Konferenz ausschließt, haben Ihre Reporter eine Akkreditierung für Koblenz erhalten. Was steckt hinter dem Spiel des AfD-Europapolitikers Marcus Pretzell?

Sven Gösmann: Das kann ich nur vermuten: Die Deutsche Presse-Agentur ist die Gemeinschaftsredaktion aller deutschen Medien. So ist Berichterstattung über die Veranstaltung trotz der Aussperrung anderer Medien gesichert, gleichzeitig erreicht der Veranstalter aber sein Ziel: Er provoziert und schafft so Aufmerksamkeit für das Ereignis.

kress.de: Können Sie verstehen, warum eine Partei Journalisten überhaupt von einer Tagung ausschließt?

Sven Gösmann: Es ist der durchsichtige Versuch einer Zensur und Provokation. Wir als dpa missbilligen ausdrücklich den Ausschluss unserer Kollegen. Dieser Beschluss ist ein eklatanter Eingriff in die vom Grundgesetz gewährte Freiheit der Berichterstattung. Wir fordern, dass dieser Beschluss aufgehoben wird und allen Medien die Akkreditierung zu dieser Veranstaltung ermöglicht wird.

kress.de: Im Netz gibt es erste Forderungen, dass über die Konferenz in Koblenz kein einziges Medium berichten soll, aus Solidarität mit den nicht akkreditierten Medien. Sollte dpa den Termin ignorieren?

Sven Gösmann: Gegen Ignoranz und Intoleranz hilft Aufklärung. Deshalb wollen wir keinen Boykott des Boykotts. Sondern wir berichten in jedem Fall über diese Tagung: kritisch, aber fair. Als Gemeinschaftsredaktion der Medien ist es unsere Aufgabe, die Grundversorgung mit Informationen zu gewährleisten - auch und gerade dann, wenn einige Medien nicht zugelassen sein sollten.

Mit Sven Gösmann, Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur, sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Ihre Kommentare
Kopf

Leumek

13.01.2017
!

Entschuldigung. Solange sich Medien/Sender nicht von der langjährig eingerissenen Meinungsmache verabschieden und ausschließlich - jenseits gekennzeichneter Kommentare - nur über Fakten berichten, braucht die "deutsche Presse" nicht "Pressefreiheit" plärren! Ihr bleibt sowieso an keinem Missstand dran sondern kungelt mit dem Establishment. Und behumst damit die Leute. Alternativ "neutrale" zulassen - die anderen zurück auf die Schulbank: WAS IST NEUTRALE BERICHTERSTATTUNG?


Jens Spahn

13.01.2017
!

Mmmhhh! Wenn ich mir die doch sehr tendenziöse Berichterstattung vieler Medien über die AFD anschaue - man bedenke das viele Medien immer noch konsequent das Attribut "rechtspopulistisch" in Bezug auf die AFD verwenden, ist der AFD-Entscheid nachvollziehbar. Merke: Journalismus ist keine Einbahnstraße!


Ralph Thomas

14.01.2017
!

Irgendwie komisch in Wildbad Kreuth
stand die Journalie im Schneetreiben vor`m
Kloster und durfte nicht hinein, das war ok?
fragt
Ralph Thomas


Dr. Rudolf Mengersen

15.01.2017
!

Wenn DPA die Teilnahmemöglichkeit aller Journalisten und Medien fordert, wirkt das wie eine unterwürfige Bitte um absolut Selbstverständliches. Die AfD spielt genüsslich mit den Medien zeigt damit ihre Macht, wohl wissend, dass sie derzeitig fast ausschließlich durch die mediale Präsenz wirkt. Dort sollte man sie packen. Und das geht nur durch solidarischen Boykott des geplanten Treffens. Es wäre zu schön: Die AfD versucht zu provozieren, aber niemand ist da, der sich provozieren läßt.


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