Mathias Döpfner auf dem DLD: "Die Debatte um Fake News ist hilfreich"

 

Es war einer der Höhepunkte des diesjährigen Burda-Kongresses DLD in München: Erstmalig trafen in der Öffentlichkeit Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, und Paul-Bernhard Kallen im Talk aufeinander. "Das ist nicht der Wilde Westen", sagte der Burda-Chef beim Feuergefecht, das kein Shoot-Out wurde. Stattdessen griff man gemeinsam Facebook an. Im Zentrum des Duells: die berüchtigten Fake-News.

Dominik Wichmann, scheidender Chefredakteur und neben Steffi Czerny Co-Geschäftsführer des DLD, moderierte das Kräftemessen angemessen unparteiisch. Es war mit Frotzeleien gegen seinen Chef Kallen gespickt und wurde durch eine Sorge angeheizt: "Der Wert der Wahrheit scheint zu sinken", sagte der Burda-Vorstandsvorsitzende über das neue Misstrauen, aber auch die Gleichgültigkeit vieler Mediennutzer. "Die Menschen reagieren nicht mehr, wenn sie heraus finden, dass eine Nachricht falsch ist."

Damit kreiste das Gespräch schnell um die sogenannte Fake-News-Debatte, die durch den Wahlsieg von Donald Trump und die unheilvolle Rolle der sozialen Medien für viele Kritiker an Brisanz gewonnen hat. "Die Debatte um Fake News ist ein bisschen ein Buzz, den ich nicht ganz verstehe", sagte allerdings Mathias Döpfner. "Seit es Journalismus gibt, gibt es Fake News - und davor wurden sie eben auf dem Marktplatz oder in der Kneipe ausgetauscht."

Dennoch sei die nun voll entbrannte Debatte "hilfreich und gut", so der Springer-Chef. Immerhin kann sie den etablierten Medien in die Karten spielen, weil eine vertrauensvolle Quelle als Wert an sich wahrgenommen und geschätzt werde. Umso wichtiger sei es, Facebook in die Verantwortung zu nehmen.

Ein Punkt, über den es kaum Uneinigkeit geben kann - und auf den der Social-Media-Riese auch hierzulande durch die Kooperation mit den Faktencheckern von Correctiv bereits zu reagieren beginnt. "Facebook braucht mehr Plattform-Verantwortung", sagte Paul-Bernhard Kallen.

"Facebook ist ein Unternehmen, das Werbung verkaufen will und deswegen Inhalte braucht. Aber das ist nicht der Wilde Westen." Auch der Plattform-Betreiber müsse sich an Regeln halten und Verantwortung für alle Inhalte auf seiner Plattform übernehmen. "Wir als Verlage sind für unsere Inhalte selbst verantwortlich", zog Kallen eine Parallele.

Ob damit Facebook schon selbst nicht nur eine Technologie- und Medien-Unternehmen, sondern selbst so etwas wie ein Verlag ist? In diesem Punkt wollten sich Kallen und Döpfner nicht ganz einig werden. Jedenfalls würde der Springer-Chef den Punkt, an dem Facebook etwa einen Chefredakteur einstellt, als Startschuss zur Gegenwehr sehen. "Verlage sind dafür verantwortlich, dass die Wahrheit berichtet wird. Facebook verteilt sie nur", sagt er in München.

Ohnehin kamen Kallen und Döpfner nicht einmal bei der Bewertung ihrer eigenen Häuser überein. "Wir halten uns für ein Technologie- und Medienunternehmen", beschrieb der Burda-Chef das Gesamtgeschäft. Dem widersprach Döpfner, unter dessen Führung bekanntlich Traditionszeitschriften wie "Bild der Frau" und "Hörzu" verkauft und im großen Stil in Digitalunternehmen investiert wurde, dann doch. "Wir werden nie ein Tech-Unternehmen werden", sagte er über Springer.

Was sein Haus antreibt, ist allerdings natürlich der digitale Wandel. Eine Zeitung oder Zeitung vom Papier zu "emanzipieren", dass sei die Herausforderung eines modernen Medienhauses. Auf Dominik Wichmanns Nachfrage, ob dann auch ein Content-Lieferant wie das Red Bull Media House des österreichischen Brause-Unternehmens schon eine Art Verlag sei, sagte Döpfner: "Einfach nur zu publizieren, macht Sie noch nicht zu einem Verlagshaus." Auch dabei spiele wieder die Verantwortung für die Inhalte eine Rolle.

Ein Ansatz, den Bernd-Paul Kallen, in dessen Haus neben den traditionsreichen Burda-Publikationen auch Reisen oder Tierfutter verkauft wird, teilt. "Wir machen nicht das Publishing-Geschäft, um etwas anderes zu verkaufen", sagte er in Richtung Red Bull. 

Tatsächlich zeigte sein Groß-Investment (kolportierte 300 Mio Euro!) beim britischen Medienunternehmen Immediate Media mit Sitz in London in eine andere Richtung - klassisches Print-Geschäft. "Es gibt hier einen soliden Cash Flow, mit dem ich arbeiten kann", sagt der Burda-Chef über den Zukauf. Dennoch werde man sich auch in Großbritannien stark digital engagieren. "Wir können weiteres digitales Geschäft oben auf die Special-Interest-Magazine in Großbritannien aufbauen."

Bleibt zum Schluss doch noch so etwas wie Neid. Kallens besondere Stellung gegenüber dem Verleger Hubert Burda und dessen Erben neidete ihm Mathias Döpfner auf dem DLD-Podium augenzwinkernd. Kallen muss sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit für seine Zahlen rechtfertigen - quasi im Privatgespräch mit dem Verleger. Döpfner scherzte, dass er dagegen auf Bilanzpressekonferenzen von Börsenjournalisten mit exakten Vorhersagen zu winzigen Details gegrillt werde. Bei Burda-Jahrespressekonferenzen höre man dann angeblich jeweils nur den Satz, dass man mit der Wachstumsperspektive sehr zufrieden sein. Details? Fehlanzeige.

Trotzdem musste Kallen natürlich noch einen Gegenschuss platzieren. "Ich bin sehr transparent gegenüber meinen Eigentümern - viele mehr als Mathias das gegenüber seinen Shareholdern ist." Und dann ging's für Döpfner auch schon weiter nach Davos. Die Kongresse tanzen. 

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