Daimler-PR-Chef Jörg Howe: "Dass wir Sascha Pallenberg holen, ist ein Statement"

03.02.2017
 

Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe will seine Abteilung zu einem digitalen Medienhaus umbauen. "Wir werden verstärkt in Inhalte für unsere eigenen Medien investieren", sagt Howe im Interview mit dem "PR Report". Vor einigen Wochen wechselte Blogger Sascha Pallenberg zu Daimler. Weitere Digitalexperten sollen folgen. Was Jörg Howe mit ihnen vorhat...

"PR Report": Nicht nur den klassischen Medien kaufen Sie Leute weg, sondern nun auch den digitalen Medien. Beispiel ist der bekannte Blogger Sascha Pallenberg. Schwächen Sie dadurch den Journalismus?

Jörg Howe: Klares Nein. Wir kaufen auch niemanden weg. Pallenberg geht zu uns, andere kommen nach. Im Gegenteil: Wir verbreitern unsere Basis von Ansprechpartnern für Medien. Mit Pallenberg haben wir jemanden, der genau weiß, was in der Szene verlangt wird. Da geht es auch um Schnelligkeit. Das ist ja mein Credo: Wir müssen schneller, schneller, schneller werden.

Das heißt konkret?

Geschichten migrieren unglaublich schnell von Print zu Online und wieder zurück. Dafür müssen wir uns wappnen. Beim Troubleshooting haben wir beispielsweise seit etwa einem Jahr ein weltweites 24/7-Monitoring an 365 Tagen im Jahr, um schnell reagieren zu können.

Halten jetzt die Nerds und Geeks Einzug in der Unternehmenskommunikation von Daimler?

Ja.

Pallenberg ist nur der Erste?

Davon gehe ich aus.

Pallenberg hat von einer fundamental neuen Strategie in der Unternehmenskommunikation gesprochen. Wie wird die aussehen?

Wir wollen einen anderen Blickwinkel einnehmen und Onliner anders bedienen. Es gibt bislang keinen Hersteller, der einen wie Pallenberg mit einer völlig anderen Perspektive eingestellt hat. Ich will ungern große Stücke ankündigen, aber in der Szene, aus der Pallenberg kommt, ist angekommen, dass der Laden sich verändert. Dass wir den holen, ist ein Statement.

Was soll Pallenberg genau machen?

Er wird sich bei uns um Inhalte für unsere konzerneigenen digitalen Medien kümmern und zusammen mit dem Team an der Weiterentwicklung unserer Medien und Plattformen arbeiten.

Sie wollen mehr auf eigene Medien setzen. Warum?

Weil sich das Mediennutzungsverhalten verschiebt. Deswegen lege ich Wert darauf, dass in der Unternehmenskommunikation jüngere Leute andocken. Ich kann halt meine "FAZ" schlecht in die Tonne werfen, weil die mir so wertvoll erscheint. Typisches Messie-Phänomen. Die jungen Leute verstehen das natürlich nicht. Die gucken mich mit großen Kulleraugen an, weil sich in meinem Büro die Zeitungen stapeln. Mittlerweile haben wir hier einen guten Mix aus alter und neuer Denke.

In welchem Jahr braucht Daimler keine Journalisten mehr und kommuniziert nur noch über eigene Medien?

Ich hoffe nie. Aber ich bin hier nicht als Seher angestellt.


kress.de-Tipp: Dieser Auszug stammt aus einem großen Interview, das "PR Report"-Chefredakteur Daniel Neuen mit Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe geführt hat. Darin beantwortet Howe auch die Fragen, von welchen Medien er sich in der Diesel-Krise hintergangen fühlt und wer ihn zu Twitter gezwungen hat.   

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