Kommentar zur Lohngerechtigkeit: Gute Kräfte in der Lohnlücke hängen zu lassen, ergibt keinen Sinn

 

Mit ihrer Klage gegen das Zweite Deutsche Fernsehen wegen Entgeltdiskriminierung ist eine "Frontal 21"-Reporterin in erster Instanz gescheitert. Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung. Ein Kommentar von Anna von Garmissen.

Zusammen mit einem Kollegen drehte sie die preisgekrönte Dokumentation "Die große Samwer-Show". Sie deckte den "Rent-a-Sozi"-Skandal auf. Nun ist die Reporterin, die für das ZDF-Magazin "Frontal 21" arbeitet, selbst im Fokus der Medien - als Kämpferin für mehr Lohngerechtigkeit.

Auch wenn ihre Klage in der ersten Instanz vom Berliner Arbeitsgericht abgewiesen worden ist: Von dem Fall der Klägerin geht ein starkes Signal aus. Ein Signal, das etliche Medien deutschlandweit aufgegriffen und in die öffentliche Debatte gebracht haben. Es lautet: Kämpft für Eure Rechte - auch wenn es alles andere als einfach ist. Die Abweisung der Klage beruht übrigens darauf, dass das Gericht die geringere Bezahlung der Klägerin nicht auf ihre Eigenschaft als Frau zurückführen konnte. Stattdessen wies es darauf hin, dass die Klägerin "anders" beschäftigt sei als viele ihrer Kollegen - nämlich als "feste Freie".

Was sollen wir daraus lernen: Dass "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" zwar für das Verhältnis von Frauen und Männern gilt, nicht aber für das von Fest-frei-Beschäftigten und Festangestellten? Und seien wir mal ehrlich:  Es sind es doch vor allem Frauen, die mit solchen "fest-freien" Verträgen abgespeist werden. Wie war das noch mal: 50 Prozent der Volontäre an Zeitungen sind Frauen, aber bei den Redakteursstellen beträgt der Anteil nur noch 30 Prozent.

Dabei sollte - nicht nur im Fall der renommierten Fernsehjournalistin - klar sein: Wer als Arbeitgeber solche Kräfte auf Dauer hinhält und benachteiligt, schadet sich letztlich selbst. Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir hervorragende Journalistinnen und Journalisten, die ihre Zeit darauf verwenden können, zu recherchieren, zu veröffentlichen, ihren Anteil zum gesellschaftlichen Diskurs beizutragen. Gute Kräfte in der Lohnlücke hängen und um ihre Rechte ringen zu lassen, ergibt keinen Sinn. Weder moralisch noch ökonomisch.

 

Und auch juristisch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Anwalt der "Frontal 21"-Reporterin hat angekündigt, in die Berufung zu gehen. Der Weg zu mehr Lohngerechtigkeit - er scheint steinig und kurvenreich. Darauf kann und muss man sich einstellen. Die ursprüngliche Klage wegen Entgeltdiskriminierung hat die Klägerin inzwischen um eine Klage auf Festanstellung erweitert.

Ausgewählte Links zum Fall und zur Berichterstattung

http://www.spiegel.de/karriere/streit-ueber-gehaelter-zdf-reporterin-legt-berufung-ein-a-1132778.html

http://www.spiegel.de/karriere/gehaltsklage-gegen-zdf-wenn-es-doch-so-einfach-waer-kommentar-a-1132695.html

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Entgeltdiskriminierung-Klage-von-Journalistin-abgewiesen,lohngerechtigkeit108.html

http://www.berliner-zeitung.de/kultur/fall-birte-meier-darum-darf-das-zdf-eine-frau-schlechter-bezahlen-als-maenner-25660522

http://www.taz.de/Klage-gegen-Lohnungleichheit-beim-ZDF/!5376381/

http://www.sueddeutsche.de/karriere/lohnungleichheit-reporterin-verliert-gegen-zdf-das-problem-bleibt-1.3359109

https://editionf.com/Lohnungleichheit-Birte-Meier-verklagt-das-ZDF

http://uebermedien.de/12429/als-frau-schlechter-bezahlt-gericht-weist-klage-von-zdf-reporterin-ab/

 

https://www.roettgen-kluge-hund.de/hintergruende-zur-entgeltdiskriminierungsklage-gegen-das-zdf/

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