Apple-Chef Tim Cook im Interview: "Keine Frauenquote, sondern gleiche Bezahlung"

 

Da ist dem Online-Magazin Refinery29 der Scoop der Woche gelungen. Nicht "Bild" oder "Spiegel" besucht Apple-Boss Tim Cook in Berlin, sondern er trifft die Refinery29-Macherinnen um Nora Beckershaus, die von den kress-Lesern zur Newcomerin des Jahres gewählt wurde. Tim Cook kam sogar mit einer Botschaft, die den Macherinnen und Leserinnen von Refinery29 viel Stoff für Diskussionen gibt.

Plötzlich stand er also im Backstein-Loft in Berlin-Kreuzberg: Tim Cook, CEO von Apple, legte bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch einen wichtigen Zwischenstop bei Mengting Gao und Verena Hubertz, Gründerinnen der App Kitchen Stories, ein. Und das sollte auch ein Signal sein - für mehr Gleichberechtigung in Unternehmen. Und auch als Appell, eine Unternehmenskultur der Offenheit und Vielfalt einzuführen, wie sie Apple vorlebt.

Seit 2014 stieg der Frauenanteil unter Apple-Beschäftigten von 30 auf 32%. Bei Neueinstellungen soll er derzeit sogar 37% betragen. Doch damit will sich Tim Cook nicht zufrieden geben: Im Sommer 2016 verkündete er, dass es in dem von ihm geführten Weltkonzern keinen sogenannten "Gender Pay Gap" mehr geben soll. Frauen dasselbe wie Männer in vergleichbaren Positionen.

Von einer fixen Frauenquote hält Tim Cook dagegen wenig, wie er im Interview mit Refinery29 betonte: "Das muss man mit einer Arbeitsumgebung schaffen, die Frauen fordert und dazu motiviert, sich einzubringen. Man muss es früher angehen. Schon in den Schulen muss man beispielsweise anfangen, auch den Mädchen und jungen Frauen die STEM-Fächer schmackhafter zu machen und sie nicht abzuschrecken", so der Apple-Boss. "Es kommt auf den gesamten Prozess an, von der anfänglichen Förderung bis hin zur Einstellung, das ist mehr als nur eine Frauenquote. Man muss die Arbeit an sich attraktiver machen. Frauen müssen sich ermutigt fühlen und brauchen Rollenvorbilder, die zeigen, dass es nicht nur wichtig ist, sondern auch Spaß macht."

Sein eigenes Haus sieht er bei der Bezahlgerechtigkeit durchaus als Vorbild für andere. "Wir sind da wahrscheinlich ein Außenseiter, aber wir zahlen gut und wir zahlen zu 100% gleich", so Cook im Interview mit dem Online-Magazin. "Wir machen jedes Jahr eine langwierige Evaluation durch, um das auch beizubehalten. Und wenn wir auch nur einmal bemerken, dass jemand nur 99,8% des Gehalts eines anderen verdient, dann tun wir alles dafür, dass wir das ausgleichen. Ich finde, dass jedes Unternehmen sich darum bemühen sollte. Es ist einfach nicht richtig und nicht fair, dass Frauen noch immer so viel weniger verdienen als Männer."

Für das Online-Magazin war das exklusive Gespräch ein Paukenschlag. "Refinery29 berichtet immer aus der Perspektive junger Frauen. Für unsere Leserinnen ist Tech ein Lifestyle und Tim Cook ein großartiger Vorreiter für Diversität in Unternehmen", berichtet Nora Beckershaus zu den Hintergründen des Gesprächs. "Verena und Mengteng von Kitchen Stories haben genauso ihr Unternehmen geschaffene: frisch, design-affin und aus eigener Kraft. Ihr Erfolg ist auch Tim Cook nicht entgangen. Ihre Geschichte schafft Inspiration für unsere Leserinnen. Uns für die Berichterstattung auszuwählen, ist konsequent. Denn Kitchen Stories, Apple und Refinery29 möchten alle dazu beitragen, dass diese Geschichten erzählt werden", sagte sie zu kress.de.

Vom Apple-Boss, der sich beim Besuch viel Zeit nahm, war Beckershaus sehr angetan. "Tim Cook ist charmant, aufmerksam und aussergewöhnlich höflich. Er hat sich viel Zeit genommen und sich von der Startup-Atmosphäre mitreißen lassen", so die Refinery29-Journalistin. 

kress.de-Hinweis: Nora Beckershaus kommt zum European Newspaper Congress 2017 nach Wien (21. bis 23. Mai 2017). Bis zum 28. Februar gibt es noch vergünstigte Early Bird-Tickets. Wer die Zukunft der Medienwelt kennenlernen möchte - hier entlang.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.