Bernhard Remmers von der katholischen Journalistenschule ifp: "Wir brauchen gerade heute mutige Journalisten"

 

Hätte eigentlich eine Muslima mit Kopftuch Chancen, an der Katholischen Journalistenschule ifp als Volontärin angenommen zu werden? Nachgefragt bei Bernhard Remmers, Journalistischer Direktor vom Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp). Ein Gespräch über journalistisches Feuer für Geschichten und was die Ausbildung in München so besonders macht.

kress.de: Herr Remmers, bis zum 1. März können sich angehende Journalisten noch bei Ihnen für ein Volontariat bewerben. Was müssen sie mitbringen?

Bernhard Remmers: Von unseren Bewerberinnen und Bewerbern erwarten wir zuerst und vor allem journalistisches Feuer für Geschichten, dazu erste journalistische Erfahrungen, die etwa in einem Redaktionspraktikum oder in Medienprojekten an der Schule oder in der Uni gemacht wurden. Und dann braucht es das Abitur oder den Realschulabschluss zusammen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

kress.de: Im Netz und auf der Straße werden Journalisten immer stärker angefeindet, es vergeht kein Tag, an dem US-Präsident Donald Trump nicht über Journalisten herzieht. Können Sie jungen Leute da noch fromm und frei empfehlen, Journalist zu werden?

Bernhard Remmers: Eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft braucht gerade heute mutige und verantwortungsbewusste Journalistinnen und Journalisten. Wer sich auf diesen Beruf einlässt, der sollte es nicht auf eine möglichst bequeme Berufsausübung abgesehen haben. Ausgestattet aber mit einer guten Ausbildung zum Beispiel im ifp kann er oder sie einen spannenden und zutiefst befriedigenden Beruf ausüben und damit einen wichtigen Dienst tun, dass die Menschen friedlich und in Freiheit miteinander leben. Und übrigens: Die meisten unserer Absolventen finden nach ihrem Abschluss auch einen Arbeitsplatz in den Medien.

kress.de: Und was sollen Journalisten ihren Kritikern antworten, die ihnen den Tod und jede erdenkliche Krankheit an den Hals wünschen?

Bernhard Remmers: Wer Journalisten mit dem Tod oder bösen Krankheiten bedroht, der verdient nur eine Antwort: die Strafanzeige bei der Polizei. Mit allen anderen Kritikern, die es nicht zuerst auf Beleidigungen und Herabsetzungen abgesehen haben, gilt es zu diskutieren und zu streiten. Journalisten müssen heraus aus den geschützten Redaktionsräumen und mit den Menschen reden. Vielleicht haben wir das in der Vergangenheit zu wenig getan.

kress.de: Was unterscheidet das multimediale Volontariat an der katholischen Journalistenschule mit einem Volontariat bei einer Tageszeitung?

Bernhard Remmers: In der katholischen Journalistenschule ifp erleben die jungen Leute neben der Mitarbeit in der jeweiligen Ausbildungsredaktion über insgesamt zwei Monate eine multimediale überbetriebliche Ausbildung in praxisnahen Seminaren. Neben den journalistischen Grundlagen lernen die Volontäre hier zum Beispiel die Arbeit in Hörfunkstudios kennen, sie produzieren TV-Beiträge und Videos, versuchen sich in datenjournalistischen Projekten und trainieren für Onlineprodukte. Außerdem haben alle ifp-Volontäre das Privileg, zusätzlich zu ihrer Ausbildungsredaktion in Praktika weitere Redaktionen namhafter Medienhäuser kennenzulernen. Dafür sind drei Monate vorgesehen. Das gibt es so vermutlich in keiner Tageszeitung!

kress.de: Welche Rolle spielt das Thema Religion im Volontariat?

Bernhard Remmers: Unsere Partner im Volontariat sind die katholischen Medien, das sind Zeitungen, die Katholische Nachrichten-Agentur (kna) oder auch Online-Plattformen der Kirche. In den allermeisten dieser Ausbildungsredaktionen spielt Religion eine ganz selbstverständliche Rolle. Außerdem bieten wir unseren jungen Leuten während der Ausbildung eine geistliche Begleitung an und laden sie ein zu Gottesdienst und Besinnungstagen.

kress.de: Hätte eigentlich auch eine junge Frau mit Kopftuch eine Chance, ein Volontariat an der katholischen Journalistenschule zu absolvieren?

Bernhard Remmers: Die meisten unserer Volontärinnen und Volontäre sind katholisch getaufte Christen. Aber wir freuen uns auch über Bewerbungen von jungen Menschen aus anderen Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Wir laden die angehenden Journalisten ein, während ihrer Zeit im ifp den christlichen Glauben in seiner Tradition der katholischen Kirche kennenzulernen. Wer sich darauf einlassen möchte, der ist uns herzlich willkommen!

Das Interview mit Bernhard Remmers, Journalistischer Direktor vom Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V. (ifp) in München, führte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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