Ein eigenes Magazin für Patricia Riekel? "Eine verführerische Idee"

 

Kehrt Patricia Riekel, Deutschlands beste People-Chefredakteurin, für eine neue Promi-Zeitschrift zurück ins Tagesgeschäft? Als Vorbild könnte dabei Gruner+Jahrs-Erfolgsstory "Barbara" dienen - das Magazin beweise, "dass eine Zeitschrift über eine einzige Person funktionieren kann. Darin liegt eine Zukunftsperspektive für Verlage", sagt Patricia Riekel.

Riekel war von 1997 bis Sommer 2016 Chefredakteurin von Hubert Burdas "Bunte"; als Herausgeberin von "Bunte" und allen Titeln von "Burda Style" bleibt sie dem Verlag weiterhin verbunden. Für sie ein "schöner Ehrentitel. Ich sehe mich als Botschafterin dieser Magazine und würde gerne noch viel von meiner Erfahrung weitergeben."

Ein eigenes, neues Magazin wie "Barbara" kann sich Riekel, Lebensgefährtin von "Focus"-Gründer Helmut Markwort, aber durchaus vorstellen: "Leser sind mit zu vielen Informationen gefüttert. Sie sehen sich nach einer Leitfigur, einer Persönlichkeit", ist Riekel überzeugt und verweist auf den "Focus", "der die freie, liberale und konservative Meinung von Helmut Markwort widerspiegelte".

Der "Fast-Ruhestand" habe ihr neue Perspektiven eröffnen: "Ich kann mich intensiv mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen. Ich interessiere mich zum Beispiel überraschenderweise für Naturwissenschaften", gesteht Riekel in dem lesenswerten Gespräch, das der frühere "FAZ"-Lokalchef Peter Lückemeier für das aktuelle "FAZ"-Magazin geführt hat.

Dabei gibt Riekel, die stets als fleißig galt, auch Einblicke in ihre Arbeitsweise: "Ich war eigentlich immer in der Redaktion. Ich bin auch selten in die Kantine und nur ungern auswärts zum Essen gegangen, denn dann ist man erst wieder um halb drei am Schreibtisch und verfällt dort in Verdauungsagonie." Für Riekel steht fest: "Ein Chef hat immer da zu sein. Und wenn ich auswärts übernachtete, habe ich die Frühmaschine genommen, um bei der täglichen Morgenkonferenz um halb elf dabei zu sein."

"Aufgeopfert" habe sie sich allerdings nicht, betont sie: "Ich habe gearbeitet, weil es mir irren Spaß bereitete. "Bunte" zu gestalten war für mich der schönste Job der Welt. Es gab natürlich auch schwierige Zeiten, manchmal war ich nah an den Tränen. Aber 70 oder 80 Prozent meiner Arbeit habe ich geliebt."

"Klein, vollbusig, Freundin vom Markwort"

Patricia Riekel erinnert sich auch noch an die schwierigen ersten Jahre als Chefredakteurin von "Bunte", die sie als Nachfolgerin von Franz Josef Wagner übernahm: "Da kam also ich. Klein, vollbusig und auch noch die Freundin vom Markwort. Alle nahmen an, in Wirklichkeit sei Markwort der "Bunte"-Chef. Wobei ich schwöre, dass ich ihm nicht ein einziges Mal in 20 Jahren vorab einen Titel gezeigt habe, never ever. Ich war am Anfang wahnsinnig schüchtern, ich hatte totales Lampenfieber. Aber ich habe mir gesagt: Ich muss das machen, was ich kann."

Nicht einfach gestaltete sich für Patricia Riekel auch die Zusammenarbeit mit dem legendären Klatschreporter Michael Graeter. Der hatte gleich am Anfang gesagt, "wir kämen gut miteinander aus, wenn er vollkommen selbständig arbeiten könne." Ein "Heft im Heft" kam für Riekel aber nicht in Frage, sie habe ihm sinngemäß gesagt: "Eine Zeitschrift muss ein Gesicht haben, sie muss eine überzeugende Gesamtpersönlichkeit sein, aus einem Guss. Und wenn Sie, Herr Graeter, über Prominente schreiben, muss ich wissen, was Sie schreiben. Ich muss auch sagen könne: "So nicht!", so Riekel. Sie sei dann auch hart geblieben: "Im Laufe der Jahre, nachdem einige Wichtigheimer gegangen waren, hatte ich ein tolles Team."

Mit Verleger Hubert Burda, der selbst einmal Chefredakteur von "Bunte" war, sei die Zusammenarbeit aber "eine besondere Freude" gewesen: "Der Verleger interessiert sich für die Gesellschaft, wie sie funktioniert, was sie zusammenhält", so Riekel. Fast jeden Dienstag hätten sie sich zum Gespräch getroffen: "Dr. Burda hat seine Gedanken dargelegt, über seine Erlebnisse, seine Begegnungen, seine Lektüre gesprochen." Bei den Treffen "habe ich immer mitgeschrieben, ganze Hefte voll. Dr. Burda hat mich unglaublich inspiriert."

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