"FAZ"-Korrespondent Michael Martens: "Können 'Türken' nur über die Türkei schreiben?"

 

Die Verhaftung von "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel nimmt der "FAZ"-Journalist Michael Martens (Foto) zum Anlass, über die generelle Entsendungspolitik auf die begehrten Korrespondentenposten nachzudenken. Martens wirft die Frage auf: Trauen deutsche Medien türkischstämmigen Journalisten nur Türkei-Themen zu?

Martens schreibt in einem Kommentar in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Vielleicht sollte man auch darauf hoffen, dass deutsche Verlage ihre Entsendungspolitik überdenken und neu überlegen, welche Korrespondenten sie in welches Land schicken." Und ergänzt: "Denn gerade im Fall der Türkei beugen sich manche Häuser indirekt dem Nationalismus des türkischen Präsidenten", so Martens: "Einmal Türke, immer Türke."

"FAZ"-Korrespondent Martens, der seit 2015 aus Athen und davor aus Istanbul berichtete, nennt dabei zwei Beispiele "von vielen". Zuerst den "Welt"-Korrespondenten Yücel, dann die "Zeit"-Redakteurin Özlem Topcu, die "über und oft aus der Türkei" berichte. Für Martens wirft sich diese Frage auf: "Warum reduzieren deutsche Verlage die Kinder oder Enkel türkischer "Gastarbeiter" so oft auf die Rolle von Türkei-Erklärern?" - und hofft, dass es nicht daran liege, das sie Türkisch beherrschen. Viele Menschen, die die Sprache eines Landes gut beherrschten, würden es aus seiner Sicht dennoch "oder just deshalb fließend" missverstehen. Auch müsse eine enge emotionale oder gar familiäre Verbundenheit mit einem Land kein Vorteil sein, wenn man darüber berichte.

Für Michael Martens ist es ein Zeichen des Misstrauens, einen "Journalisten aufgrund der Herkunft der Eltern aus dem Land x oder y auch als Berichterstatter diesem Land" zuzuordnen: "Können 'Türken' nur über die Türkei schreiben? Warum hat die "Welt" Deniz Yücel nicht nach Russland geschickt, damit er den Lesern Putin erklärt? Warum berichtet eine deutsche Journalistin mit türkischen Wurzeln nicht über Südamerika? Warum diese Herkunftsgettoisierung im deutschen Journalismus?", möchte Michael Martens wissen. Fragen, die sich die Führungskräfte - von Auslandschef bis Chefredakteur und Verleger - in den Medien stellen sollten.

kress.de-Debatte: Hat Michael Martens recht? Wird Journalisten, die oder deren Eltern nicht aus Deutschland stammen, in der großen Politik nur Expertise über ihr Herkunftsland zugetraut? Oder geht er zu hart mit deutschen Verlagen ins Gericht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an post@kress.de.

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Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

19.02.2017
!

Korrespondenten sollten verstehen, wie das Land funktioniert, seine Kultur begreifen, seine Geschichte kennen, seine Sprache sprechen. Journalisten mit familiären Beziehungen in dieses Land haben einen Startvorteil bei der Bewerbung, es ist eine Win-win-Situation. Niemand wird gezwungen ("geschickt"). Es gibt längst viele Migrantenkinder im Journalismus, die ganz "normale" Themen bearbeiten (wie etwa bei kress). Die FAZ mag hier vielleicht noch Nachholbedarf haben.


Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

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19.02.2017
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Korrespondenten sollten verstehen, wie das Land funktioniert, seine Kultur begreifen, seine Geschichte kennen, seine Sprache sprechen. Journalisten mit familiären Beziehungen in dieses Land haben einen Startvorteil bei der Bewerbung, es ist eine Win-win-Situation. Niemand wird gezwungen ("geschickt"). Es gibt längst viele Migrantenkinder im Journalismus, die ganz "normale" Themen bearbeiten (wie etwa bei kress). Die FAZ mag hier vielleicht noch Nachholbedarf haben.


Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

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Freier Journalist

19.02.2017
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