DJV-Vorsitzender Frank Überall: "Text von Michael Martens zutiefst irritierend"

20.02.2017
 
 

Der Kommentar von "FAZ"-Korrespondent Michael Martens sorgt seit Sonntag für viele Diskussionen: Trauen deutsche Medien türkischstämmigen Journalisten nur Türkei-Themen zu? Frank Überall, Vorsitzender vom Deutschen Journalisten-Verband, empfindet den Text als "zutiefst irritierend".

Die "Ghettoisierung" von Journalisten mit türkischen Wurzeln nimmt Michael Martens doch selber vor: Wenn man seine Argumente zu Ende denkt, dürfte Martens auch nicht über Journalismus und Verlage schreiben. Schließlich ist er selbst Journalist und Mitarbeiter eines Verlages. Was ist denn das für eine krude Logik?

Korrespondentinnen und Korrespondenten werden nicht ausgewählt, weil sie biographische Wurzeln in einem Land haben - sondern obwohl das der Fall ist.

Martens' Unterstellung, dass deutsche Medienhäuser allesamt Menschen mit türkischen Wurzeln zur Berichterstattung in die Türkei schicken, entbehrt im Übrigen jeder Grundlage. So hat die Berliner "tageszeitung" (taz) seit Jahren mit Jürgen Gottschlich einen Korrespondenten in der Türkei, der das im "FAS"-Kommentar bediente Klischee so gar nicht erfüllt.

Und Michael Martens war doch selbst lange Zeit für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Korrespondent in Istanbul, berichtet jetzt noch aus Athen auch über die Türkei.

Im Übrigen finden sich in deutschen Medien zum Glück viele Menschen mit türkischem Hintergrund, die über ganz andere Themen berichten als bloß über die Türkei.

Autor: Frank Überall

Zur Person: Frank Überall ist freier Journalist und Professor in Köln. Er ist Vorsitzender vom Deutschen Journalisten-Verband.

kress.de-Debatte: Hat Michael Martens recht? Wird Journalisten, die oder deren Eltern nicht aus Deutschland stammen, in der großen Politik nur Expertise über ihr Herkunftsland zugetraut? Oder geht er zu hart mit deutschen Verlagen ins Gericht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an post@kress.de.

 

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