Sascha Lehnartz ("Welt") zur Michael-Martens-Debatte: "Deniz Yücel ist der bestmögliche Türkei-Korrespondent"

 

In die Debatte um den "FAS"-Kommentar von "FAZ-Korrespondent Michael Martens hat sich Sascha Lehnartz eingeschaltet. Lehnartz, heute Außenpolitik-Chef bei der "Welt" und davor Paris-Korrespondent der Springer-Zeitung, schreibt: "In dieser Lage einen solchen Kommentar abzusetzen ist, milde formuliert, eine erhebliche Taktlosigkeit gegenüber dem Betroffenen, gegenüber denen, die ihm nahestehen und mit ihm bangen, und gegenüber allen, die sich seit Wochen um eine Lösung in diesem Fall bemühen."

Den Kommentar "Einmal Türke, immer Türke?" von Martens bezeichnet Lehnartz in einem eigenen Kommentar, der aktuell auf welt.de nachzulesen ist, als einen "moralischen Auffahrunfall". Die Argumentation des "FAZ"-Korrespondenten, der selbst schon aus der Türkei berichtet hat, bezeichnet Lehnartz als "bizarre Privatlogik". 

Dabei hält er schon allein den Zeitpunkt der Veröffentlichung in der "FAS" vom vergangenen Sonntag für äußerst unglücklich. Wenn man meine, "die Meinung vertreten zu müssen, das Beispiel unseres in der Türkei inhaftierten Korrespondenten Deniz Yücel eigne sich, um zuerst und vor allem eine Debatte über die Auswahlkriterien deutscher Medien bei der Entsendung ihrer Korrespondenten loszutreten", so Sascha Lehnartz, "hätte man wenigstens anstandshalber so lange warten können, bis der betroffene Kollege wieder frei ist."

In der Kernfrage, ob die vermeintliche Entsendung von Yücel als "Türken vom Dienst", so ein Zitat aus dem Martens-Text, durch den Springer-Verlag falsch gewesen sein, widerspricht Sachsa Lehnartz dem "FAZ"-Kollegen entschieden. Es sei ohnehin eine "derbe Fehleinschätzung der Persönlichkeit Deniz Yücels", so Lehnartz, "wenn man glaubt, dieser ließe sich von einem Arbeitgeber irgendwo hinschicken, wo er vielleicht nicht hinwill, wenn er eigentlich lieber woanders hinwill".

"Denn der Einzige, der hier versucht, zwei Kollegen über die Migrationsvorgeschichte ihrer Ahnen zu definieren und darauf zu reduzieren - ist Michael Martens", schreibt Sascha Lehnartz. "Wer auch nur ansatzweise vertraut ist mit dem journalistischen Oeuvre von Deniz Yücel, gelangt relativ rasch zu der Erkenntnis, dass dieser sich kaum auf die Rolle des 'Türkei-Erklärers' und 'Türken vom Dienst' beschränken lässt - auch wenn er in den vergangenen zwei Jahren für die 'Welt' aus der Türkei berichtet hat."

Tatsächlich habe man bei Springer den ehemaligen "taz"- und "Jungle World"-Mitarbeiter (Herkunft: Flörsheim am Main) bewusst geholt - eben weil Yücel ein "engagierte, leidenschaftlicher Journalist mit ausgeprägtem polemische Talent" ist, so Sascha Lehnartz.

"Weil wir von diesen Texten begeistert waren, haben wir uns damals bemüht, Deniz Yücel für die 'Welt' zu gewinnen. Und wir sind bis heute sehr froh und stolz, dass es uns gelungen ist. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Deniz Yücel ist beste Türkei-Korrespondent wo gibt. Nicht weil er zufällig neben dem deutschen auch noch einen türkischen Pass hat. Sondern weil er Deniz ist", schreibt Sascha Lehnartz.

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