"Spiegel"-Chef Brinkbäumer zur Michael-Martens-Debatte: "Wenn ein Journalist in Haft sitzt, sollten andere Medien Zurückhaltung wahren"

 

"Infam". Von "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer gab es in der Diskussion um den Kommentar von Michael Martens in der "FAS" zur Festnahme des Türkei-Korrespondenten der "Welt", Deniz Yücel, bisher nur einen Tweet. kress.de hat mit dem 50-jährigen Chefredakteur des Nachrichtenmagazins über den Streit, über Solidarität unter konkurrierenden Blättern, aber auch über Journalismus in der Türkei gesprochen.

kress.de: Sie bezeichnen den "FAS"-Kommentar von Michael Martens als "infam". Warum?

Klaus Brinkbäumer: Ich mache keine Blattkritik auf dem Umweg über Mediendienste. Der von mir hochgeschätzte Kollege Martens kennt, diesen einen Text betreffend, meine Argumente. Darum nur ganz generell: Wenn ein Journalist in Haft sitzt, sollten andere Medien Zurückhaltung wahren und womöglich an Begriffe wie Solidarität denken, so wie wir es auch bei Geiselnahmen tun.

kress.de: Gibt es nicht auch gute Gründe zu kritisieren, dass zahlreiche Verlage vor allem türkischstämmige Journalisten als Korrespondenten in die Türkei schicken?

Klaus Brinkbäumer: Nein, das stimmt nämlich nicht. Und wiederum ganz allgemein: Sachkenntnis kann auf vielen Dingen beruhen, natürlich auch auf Sprachkenntnis und Herkunft.

kress.de: Was ist mit der vielgepriesenen journalistischen Distanz?

Klaus Brinkbäumer: Die ist wichtig. Aber unsere München-Korrespondentin Conny Neumann, die Bayerin ist, lässt Distanz genauso wenig vermissen wie Özlem Gezer, die bei uns das Ressort Gesellschaft leitet und hin und wieder über Migration schreibt, oder Frau Topcu, die bei der "Zeit" viele Themen aufgreift, unter anderem die Lage der Türkei.

kress.de: Sie mussten ja auch Hasnain Kazim aus Istanbul abziehen. Sehen Sie Parallelen zum Fall Yücel?

Klaus Brinkbäumer: Ja, allerdings nur in Bezug auf die Türkei. Hasnain ist ein im niedersächsischen Oldenburg geborener Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer und wie Herr Yücel vor allem ein exzellenter Journalist.

kress.de: "Spiegel"-Mann in Istanbul ist seit Anfang November 2016 Maximilian Popp. Ist der Posten des Türkei-Korrespondenten inzwischen ein Risiko-Job?

Klaus Brinkbäumer: Ich möchte keine eskalierenden Begriffe verwenden: Einfach ist's nicht.

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