Neuerscheinungen von Melanie Amann, Justus Bender, Andreas Püttmann: Drei Journalisten über die AfD

 

In diesen Tagen erscheinen zwei Bücher prominenter Journalisten über die AfD: Die "Spiegel"-Journalistin Melanie Amann titelt "Angst für Deutschland - Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert", der "FAZ"-Journalist Justus Bender schreibt "Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland". Vor kurzem ist zudem das Werk "AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion?" herausgekommen, in dem der katholische Publizist Andreas Püttmann einen Aufsatz "Was ist die AfD?" geschrieben hat. Kress.de hat die Bücher vorab lesen können und beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Neuerscheinungen.

 

1. Wer sind die Autoren?

- Melanie Amann, geboren 1978, Juristin, beobachtet die AfD seit ihrer Gründung für den "Spiegel". Sie ist in der Partei vernetzt und bekommt immer wieder Material zugespielt. Mehrfach wurde sie in Talkshows zur AfD befragt. Ihre These: "Die AfD ist eine echte Volkspartei, weil sie von Gefühlen lebt und Stimmungen schürt, die in allen Gruppen der deutschen Gesellschaft existieren."

- Justus Bender, geboren 1981, Amerikanist und Philosoph, bis 2011 bei der ZEIT, seitdem politischer Redakteur bei der FAZ, wo er für die AfD und Rechtsextremismus zuständig ist. Seine These: "Wir haben  es bei der AfD mit einer Partei zu tun, die nicht deshalb gefährlich für die Demokratie ist, weil sie rechtskonservativ ist, sondern weil sie populistische und autoritäre Konzepte predigt."

- Andreas Püttmann, geboren 1964, Politikwissenschaftler, früher Redakteur des "Rheinischen Merkur", heute freier katholischer Publizist. Sein Buch "Gesellschaft ohne Gott. Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands" (2010) fand große Beachtung in säkularen wie kirchlichen Medien. Seine These: "Als Christ kann man diese Partei nicht mehr wählen".

2. Wie gut kennen sie sich in der AfD aus?

Sehr gut, nach Meinung mancher in der Partei sogar zu gut. Beim Treffen rechtspopulistischer Parteien aus ganz Europa im Januar in Koblenz wurde sowohl Amann als auch Bender die Akkreditierung verweigert - andere Journalisten durften anreisen. Der AfD-Europabgeordnete Marcus Pretzell, Ehemann der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, begründete diese Diskriminierung mit Kritik an der Berichterstattung über die AfD.

Die ARD-Chefredakteurinnen und Chefredakteure verurteilten damals in einer gemeinsamen Erklärung einen "massiven Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung". Sie erklärten: "Den Schaden hat damit unser Publikum, das wir nicht über das Treffen rechtspopulistischer Parteien in Europa informieren können. Diese Zusammenkunft ist für den künftigen politischen Kurs dieser Strömungen von großer Bedeutung." Der Deutsche Journalistenverband (DJV) forderte die ENF auf, alle interessierten Journalisten zu akkreditieren. "Wenn die Parteiengruppe ,Europa der Nationen und der Freiheit' des Europaparlaments eine Konferenz durchführt, ist das kein privates Treffen im Wohnzimmer", sagte der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall.

Melanie Amann sagt: "Ich wurde auf Parteitagen und Kundgebungen von der Bühne herab angefeindet, Parteivorstände wie Frauke Petry verweigern jeden Kontakt mit mir. Man lernt, damit zu leben, aber angenehm ist es wirklich nicht."

Von anderen Parteien würden ihre Kollegen und sie so etwas überhaupt nicht kennen.

3. Was schreibt der konservative Katholik Püttmann über die AfD?

Interessant ist auch, was der eher als konservativ und papsttreu geltende Katholik Andreas Püttmann schreibt:

"Ideologisch ist die AfD eine in erheblichen Teilen völkisch-nationalistische bis offen rassistische, die parlamentarische Demokratie mit Diktaturvergleichen diffamierende politische Gruppierung. Ihre Anhänger wabern in Verschwörungstheorien, Widerstandspathos, Ressentiment und Gewaltverharmlosung. Sie sind damit von anderem Kaliber als die Grünen es je waren."

4. Was empfehlen die Autoren den kress.de-Lesern?

Amann:

"Wenn man über die Wähler nachdenkt, sollte man wissen, dass die prägende Gruppe nicht frustrierte Abgehängte sind, sondern bürgerliche Wähler, die sich aus falsch verstandenem Liberalismus und Wut auf Multikulti, Globalisierung und den linksgrünen Mainstream radikalisiert haben."

Bender:

"Die allermeisten Deutschen schrecken zusammen, wenn jemand von einer "jüdischen Weltverschwörung" spricht, manche sind aber nicht irritiert, wenn jemand das Gleiche über Muslime sagt. In den Parolen der AfD einfach mal die Wörter "Muslim" durch "Jude" zu ersetzen, scheint ein guter Test zu sein. Ich empfehle jedem, das AfD-Programm einmal mit dieser Methode zu lesen."

Püttmann:

"Christen können "unmöglich schweigen" (Apg 4,20) zu einem wieder um sich greifenden Denken, das nicht die gottgegebene Würde jeder einzelnen Person ins Zentrum stellt, sondern das Pathos der 'Volksgemeinschaft' oder das Kalkül des Wohlstandsegoismus." 

5. Ihre Prognose: Wie viel Prozent bekommt die AfD bei den Bundestagswahlen im Herbst?

AMANN: 16 Prozent.

BENDER: 12,5 Prozent.

PÜTTMANN: 14 Prozent.

kress.de-Tipp: 

Melanie Amann: Angst für Deutschland, 320 Seiten, Verlag Droemer, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-426-27723-2.

Justus Bender: Was will die AfD?, 208 Seiten, Pantheon Verlag, 14,99 Euro, 978-3-570-55353-4.

Andreas Püttmann: Was ist die AfD? Und wie als Kirche mit ihr umgehen?, in: Stefan Orth / Volker Resing (Hrsg.): AfD, Pegida und Co. - Angriff auf die Religion?, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-451-27466-4.

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