SPD-Vize-Vorsitzender Ralf Stegner: "Medien lassen Populisten zu viel durchgehen"

 

Deutsche Medienmacher sollten sich im Umgang mit Populisten ein Vorbild an ihren amerikanischen Kollegen nehmen, sagt Ralf Stegner. Der Politiker ist stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Sein großer Wunsch im kress.de-Kurz-Interview - dass Berichte von Kommentaren klar getrennt und nicht vermischt werden. 

kress.de: Herr Stegner, haben Sie das Gefühl, dass Sie von Medien missverstanden werden? 

Ralf Stegner: Das Auge schlägt das Ohr, heißt eine Medienweisheit. Wer also eher auf den Gegenüber und die Inhalte konzentriert, statt mit der Kamera in den Orbit flirtend und dann auch noch mit klarer, manchmal polarisierender Sprache seinen politischen Standpunkt deutlich und konsequent vertritt, kommt leicht als unsympathischer Griesgram rüber. Ist das Klischee erst zugeteilt, erfolgen die immer beschaffbaren optischen Belege, so dass ich dieses karikierende Image kaum noch loswerden kann. That's the game!

kress.de: Wie bewerten Sie die aktuellen politischen Debatten in den Medien? 

Ralf Stegner: Viele Debatten sind grob vereinfachend und holzschnittartig, oftmals sehr oberflächlich und auf Dramatisierung, Personalisierung und Theatralik ausgerichtet. Der Umgang mit den Populisten ist oft wenig professionell oder selbstbewusst - nicht selten allzu wenig konsequent bei der journalistischen Zurückweisung des Postfaktischen. Vorbildlich scheint mir der Spitzenjournalismus, allerdings wirklich auch nur dieser, in den elektronischen Medien der USA.

kress.de: Was wünschen Sie sich von den Journalisten? 

Ralf Stegner: Professionalität bei Recherche und Berichterstattung, politische Meinungsstärke bei der - davon bitte getrennten - Kommentarsparte, Unabhängigkeit vom Strom der Lemminge, knackige und moderne Form der Kommunikation - Respekt gegenüber und Mitverantwortung für parlamentarische Demokratie und bei all dem den erforderlichen wirtschaftlichen Erfolg.

Die Fragen an Ralf Stegner, seit 2014 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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