Die künftige "WiWo"-Herausgeberin Miriam Meckel: "In zehn Jahren ist der Kiosk tot"

09.03.2017
 

Miriam Meckel gibt zum 1. April die Chefredaktion der "Wirtschaftswoche" ab und wird Herausgeberin des Magazins. Wie soll die Zusammenarbeit mit dem neuen Chefredakteur aussehen? Und wird das die Probleme der "WiWo" lösen?

"Unser Verleger Dieter von Holtzbrinck und ich haben immer wieder darüber nachgedacht, wie wir für die 'WiWo' noch mehr Kraft auf die Straße bringen können", so erklärt Miriam Meckel den Hintergrund für ihren Positionswechsel. Damit dementiert sie alle Gerüchte, die nach Bekanntwerden der Personalie aufkamen: Meckel sei weggelobt worden auf einen Repräsentationsposten. Auf Dauer ließen sich die Aufgaben in dieser Transformationsphase nicht auf eine Person bündeln," sagte Meckel dem "Wirtschaftsjournalist" in ihrem ersten großen Interview zur neuen Aufgabe.

2014 war Miriam Meckel als neue Chefredakteurin der "WiWo" angetreten, um das Wirtschaftsmagazin in die digitale Zukunft zu führen. Auf diesem Weg sind Meckel einige Erfolge gelungen, so konnte die "WiWo" etwa mit der Einführung des "WiWo"-Clubs für Abonnenten die Kündigerquote reduzieren und erhält bereits zum zweiten Mal eine Förderung des Digital News Initiative von Google für die Entwicklung neuer Tools. Mit Nebengeschäften wie Konferenzen und Live-Events versucht man mit Erfolg, neue Erlöse zu erzielen.

Die Auflagenentwicklung der Printausgabe allerdings sieht schlecht aus. Die Einzelverkäufe sind im letzten Quartal auf ein Rekordtief von 6351 Exemplaren gesunken. Die Zahl der Abos beläuft sich nur noch auf gut 77.300. Zu Meckels Antritt lagen sie noch bei gut 84.800. Auch an Relevanz hat die "WiWo" verloren: Im Media Tenor Ranking ist sie nicht mehr unter den ersten 20 vertreten. Unter den Wirtschaftsmedien ist sie von rang 2 auf 4 gefallen. Der Markenkern sei verwässert, so lautet der Vorwurf. Zu weiche Themen statt harter Finanz- und Nutzwert-Berichterstattung.

Die Kritik unterschreibt Meckel gegenüber "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteurin Susanne Lang nur bedingt. Schließlich habe man sich vor allem von der unrentablen Auflage verabschiedet und das Media Tenor Ranking sei aus einer alten Zeit, in der Printmedienzitate die Währung gewesen seien. "Meine These ist. In zehn Jahren wird der Kiosk tot sein - außer an Bahnhöfen und Flughäfen vielleicht", sagte Meckel dem WJ. "Wir investieren lieber in die digitale Transformation."

Ob die Redaktion diesen Weg geschlossen mitgehen wird, bezweifeln viele. Zu groß ist der Unmut über vergangene Führungs- und Blattmacherschwächen.

kress.de-Tipp: Wie es mit der "WiWo" weitergeht und ob das neue Duo an der Spitze, Meckel und Beat Balzli harmonieren wird, lesen Sie in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist". Die Zeitschrift gibt es im Newsroom-Shop, oder auch digital - als E-Paper im iKiosk.

Hintergrund: Der "Wirtschaftsjournalist" (Chefredakteurin: Susanne Lang, Herausgeber: Johann Oberauer) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

 

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