"Laura"-Chefin Sabine Ingwersen über "echte Frauen" auf dem Cover: "Für unsere Leserinnen sind wir eine gute Freundin"

 

Das wöchentliche Magazin "Laura" (Bauer Media) will zukünftig auf professionelle Models verzichten. Mit diesem Wechsel möchte Chefredakteurin Sabine Ingwersen ihre Leserinnen noch stärker in den Mittelpunkt rücken: "Für unsere Leserinnen sind wir eine gute Freundin."

Sabine Ingwersen hat im vergangenen September die Chefredaktion von "Laura" zusätzlich zu "Tina" übernommen. Das Magazin verkauft aktuell wöchentlich 121.938 Hefte (laut IVW, 4/2016) - vor zehn Jahren waren es noch 315.992 Exemplare. Wöchentlich erreicht das Magazin 840.000 Frauen, die Ingwersen so charakterisiert: "Unsere Leserinnen stehen mit beiden Beinen im Leben. Sie wollen alles vom Leben, und wir machen ihnen mit den Geschichten und Themen im Heft das Leben leichter. Sie bringen Job, Kinder, Partner, Familie, Freunde und Freizeit unter einen Hut, echte Rushhour-Frauen."

Wie andere Magazine will Ingwersen ihre Leserinnen dort abholen, wo sie sind. Ungewöhnlich für ein Frauenmagazin ist beispielsweise ein eigener WhatsApp-Newsletter, "über den wir Sprüche, Life-Hacks oder Rezepte teilen", so Ingwersen. Der erreicht im Moment 1500 Leserinnen. Für Ingwersen funktioniert der Kanal vor allem als direkter Zugang, als Austausch: "Wir bekommen täglich viele Rückmeldungen, Fragen, Kommentare oder Anregungen unserer Leserinnen per Whatsapp". Auf Facebook sind es derweil 11.300 Fans, die sich mit "Laura" vernetzt haben.

Als erste "Weekly-Soap" kündigt die Bauer Media Group die Aktion an, dass Laura zukünftig ganz auf Leserinnen auf der Titelseite setzt. Die sollen aber nicht nur prominent auf dem Cover präsentiert werden, sondern im Heft ihre persönlichen Lebensgeschichten verraten. Neben Chefredakteurin Sabine Ingwersen bilden dabei die Fotografin Margaretha Olschewski und Photo Director Petra Meerjansen die Jury. Ein Gespräch mit Sabine Ingwersen über Jurys, Leserinnen und Heidi Klum. 

kress.de: Frau Ingwersen, wie war eigentlich das erste Mal, als Sie sich vor einer Jury vorstellen mussten?

Sabine Ingwersen: Das ist schon ganz schön lange her: Das war 1990 in Berlin bei der Axel Springer Journalistenschule. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass ich nach einem außerordentlichen Hobby gefragt wurde. Meine Antwort "Käsespätzle" hat sie wohl überzeugt.

kress.de: Was haben Sie davor gegen Lampenfieber unternommen?

Sabine Ingwersen: Ich habe ein paar Mal ganz tief durchgeatmet. Heute weiß ich, dass ein bisschen Lampenfieber gar nicht so schlecht ist. Es hilft dabei, auf den Punkt konzentriert zu sein. Und wenn man erst einmal losgelegt hat, verfliegt auch das Lampenfieber sofort.

kress.de: "Laura", das Sie neben "tina" auch verantworten, will zukünftig "echte Leserinnen" auf die Titelseite und ins Heft heben. Was haben Leserinnen, was Models nicht haben?

Sabine Ingwersen: Sie sind authentisch und echt. Weil sie keine Rolle spielen, sondern einfach sie selbst sind. Der Spaß-Faktor ist viel größer, als bei anderen Cover-Shootings, weil unsere Titel-Frauen sich extra für die Aktion beworben haben und unbedingt dabei sein wollten. Wir haben bei den Shootings sehr viel gelacht. Und kleine "Schönheitsmakel" - wie Sommersprossen, Zahnlücken oder eine große Nase - sehen auf den Bildern total sympathisch aus.

kress.de: Aber wenn wir zu Magazinen greifen, wollen wir dann nicht in eine andere Welt tauchen, die uns ablenkt vom Stress, die schöner oder zumindest anders ist, als die Welt, in der wir leben?

Sabine Ingwersen: Das kommt natürlich auch auf das Magazin an. Die Leserinnen von "Laura" wollen - neben Unterhaltung - vor allem lebensnahe, leicht adaptierbare Trends und Tipps sowie kompetente Information. Und durch unsere repräsentative Umfrage von YouGov wissen wir, dass 48 Prozent der Frauen sich mehr Realität in den Medien und in der Werbung wünschen.

kress.de: Will ich als "Laura"-Leserin dann aber wirklich eine Frau sehen, die womöglich ähnliche Probleme hat wie ich?

Sabine Ingwersen: "Laura" versteht sich als gute Freundin der Leserin, stellt diese in den Mittelpunkt - und zeigt sie jetzt sogar auf dem Cover. Unser Magazin strahlt pure Lebenslust aus und gibt den Leserinnen inspirierend mit auf den Weg: Du bist gut, so wie du bist.

kress.de: Wie haben sich die Leserinnen für die Aktion beworben? 

Sabine Ingwersen: Die Resonanz war toll - das bestätigt uns darin, dass wir mit der Aktion den Nerv der Zeit treffen. Die Leserinnen konnten sich direkt bei uns mit einem Foto und ihrer Lebensgeschichte bewerben. Aufgerufen haben wir über unser Heft und über unsere Social Media Kanäle.

kress.de: Sie haben mit Margaretha Olschewski und Petra Meerjanssen im Stile von Heidi Klum Models unter ihren Leserinnen gesucht. Wie war die Arbeit in der Jury?

Sabine Ingwersen: Heidi Klum sucht aktuell wieder "Germany's next Topmodel". Mit unserem Foto wollten wir zeigen: Das können wir schon lange - wir suchen "Lauras next Topmodel". Natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern. Margaretha Olschewski ist eine tolle Fotografin, mit der ich seit vielen Jahren gerne zusammenarbeite - genauso wie mit unserer Photo Director Petra Meerjanssen. Ich schätze die Professionalität und die Meinungen der Beiden sehr. Deswegen hat die gemeinsame Arbeit auch unglaublich viel Spaß gemacht.

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