"Es sollte nicht sein": Chefredakteur Christian Lindner verlässt "Rhein-Zeitung"

 

Die "Rhein-Zeitung" verliert ihren langjährigen Chefredakteur. Christian Lindner, einer der Vordenker des modernen Journalismus bei Regionalzeitungen, verlässt nach kress.de-Infos die Zeitung aus Koblenz. Zur Stunde erklärt sich der 57-Jährige seiner Redaktion. Warum Christian Lindners Abschied plötzlich kommt...

In einer Mail an seine Redaktion, die kress.de vorliegt, schreibt Christian Lindner: "Ich mache es kurz - auch wenn nach über 37 Jahren RZ viel zu schreiben wäre: Mit dem heutigen Tag endet mein Wirken für diese Zeitung und dieses Unternehmen."

Offenbar ist es im Unternehmen zu Streitigkeiten über die Ausrichtung der "Rhein-Zeitung" gekommen. Nur kryptisch notiert Lindner in seiner Abschieds-Mail: "Ich hätte unsere gemeinsame Arbeit gerne mit Ihnen in der Redaktion und den Kollegen im Verlag fortgesetzt. Es sollte aber nicht sein." Lindner betont in dem Schreiben (lesen Sie es komplett am Ende dieses Artikels): "Die Gattung der Regionalzeitung mit einem engagierten Online-Portal, zudem noch in einem ausgesprochen heterogenen Flächenland, ist für die Macher das komplexeste aller Medien. Wir alle haben unsere Zeitung und unseren Webauftritt in den letzten Jahren ganz bemerkenswert weiterentwickelt. Das ist Ihr Verdienst – und ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass ich diesen Weg längere Zeit mit Ihnen gemeinsam gehen durfte.

Die Nachricht hat bereits für viel Wirbel gesorgt. "Mit großem Bedauern" nimmt beispielsweise Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz, Lindners Abgang zur Kenntnis und dankt ihm im Namen der Kammer "für die gute Zusammenarbeit". Für Andrea Bähner, Sprecherin der rheinland-pfälzischen Landesregierung und bis Sommer 2016 Moderatorin des Politmagazins "Zur Sache Rheinland-Pfalz" beim SWR, steht fest: "Lindner war als Chefredakteur ein wichtiger Taktgeber für neue Nachrichtenstrukturen!"

Hintergrund "Rhein-Zeitung"

Verleger der "Rhein-Zeitung" ist Walterpeter Twer. Am Dienstag war er zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch Verleger Olaf Theisen, Mit-Gesellschafter des Mittelrhein-Verlags, wollte sich zu den Entwicklungen bei der "Rhein-Zeitung", am Nachmittag nicht äußern.

Die "Rhein-Zeitung" in Koblenz erschien das erste Mal am 20. April 1946. Das Blatt, das im gesamten ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz erscheint, hat eine verkaufte Auflage von 180.004 Exemplaren (laut IVW 4/2016). 

Christian Lindner ist ein klassisches Eigengewächs der "Rhein-Zeitung". Von 1979 bis 1981 absolvierte er in Koblenz ein Volontariat. Danach durchlief er bei der Zeitung mehrere Stationen in den Lokalausgaben sowie in der Zentralredaktion. Von 1992 bis 1998 war Lindner Lokalchef der "Rhein-Zeitungs"-Ausgabe "Westerwälder Zeitung". 1997 stieg er zum stellvertretenden Chefredakteur auf, seit 2004 ist er Chefredakteur, bis 2011 in einer Doppelspitze gemeinsam mit Joachim Türk. Seit 2012 lenkt er die Geschicke der "Rhein-Zeitung" alleine. Unter seiner Führung hat die "Rhein-Zeitung" massiv an Renommee gewonnen. Seit 2015 setzt die Zeitung im Internet auf eine harte Paywall. Lindner gehört seit Sommer 2013 dem Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis an.

Stellvertretende Chefredakteure der "Rhein-Zeitung" sind Peter Burger (Lokales) und Manfred Ruch (Zentralredaktion), Marcus Schwarze, der die Leitung Digitale Inhalte innehat, ist Mitglied der Chefredaktion. Verleger Walterpeter Twer ist auch Geschäftsführer der Zeitung.

Christian Lindners Brief an seine Redaktion im Wortlaut

"Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich mache es kurz – auch wenn nach über 37 Jahren RZ viel zu schreiben wäre: Mit dem heutigen Tag endet mein Wirken für diese Zeitung und dieses Unternehmen.

Ich hätte unsere gemeinsame Arbeit gerne mit Ihnen in der Redaktion und den Kollegen im Verlag fortgesetzt. Es sollte aber nicht sein.

Ich danke Ihnen allen sehr für eine intensive, gute und fruchtbare Zusammenarbeit auf vielen Ebenen, bei unzähligen Projekten, in fordernden Sonderlagen und ebenso im nicht minder anspruchsvollen Redaktionsalltag für Print und Online.

Die Gattung der Regionalzeitung mit einem engagierten Online-Portal, zudem noch in einem ausgesprochen heterogenen Flächenland, ist für die Macher das komplexeste aller Medien. Wir alle haben unsere Zeitung und unseren Webauftritt in den letzten Jahren ganz bemerkenswert weiterentwickelt. Das ist Ihr Verdienst – und ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass ich diesen Weg längere Zeit mit Ihnen gemeinsam gehen durfte.

Wir alle merken: Die RZ genießt Respekt und Achtung. So soll es bleiben.

Ihnen alles Gute!"

Christian Lindner

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