Langjähriger DJU-Vorsitzender: Ulrich Janßen ist tot

 

Zuletzt hatten wir Kontakt, als ich ihm unser "Jahrbuch für Journalisten" zugeschickt hatte. Ulrich Janßen hatte meine Fragen zur Pressefreiheit in Deutschland beantwortet, im Buch hatten wir einen Auszug erneut veröffentlicht. Janßen war ein großer Freund des Journalismus. In der Nacht auf den 31. März starb der langjährige Bundesvorsitzende der Deutschen Journalisten-Union, hat Verdi vorhin mitgeteilt. Janßen wurde 61 Jahre.

Als die Redaktion der "Westfälischen Rundschau" in Dortmund demonstrierte, um für ihre Zeitung zu kämpfen, war Janßen natürlich dabei, wie so oft, wenn Journalisten für ihre Rechte und in diesem Fall gegen die Einstellung ihres Blattes auf die Straßen gingen. Janßen hatte den Vorsitz der DJU 2008 übernommen, Lohngerechtigkeit im Mediengeschäft war sein großes Thema.

"Eine Redaktion muss unabhängig von äußeren Einflüssen ihre Arbeit tun können. Um diese Unabhängigkeit sicher zu stellen, müssen nicht nur die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen stimmen, sondern es müssen auch genug Menschen an Bord sein, die recherchieren, analysieren, kommentieren. Wir erleben oft, dass Material aus Pressestellen da in den Medien unhinterfragt übernommen wird, wo Stellen abgebaut wurden und die Kolleginnen und Kollegen mit weniger Personal mehr Vertriebswege bespielen müssen. Dem müssen die Verlage entgegen wirken, damit sie das Pfund, mit dem sie wuchern können, das Vertrauen in die Arbeit der Redaktion, nicht gefährden. Das heißt: Mehr Menschen in den Redaktionen, bessere Bedingungen für Freie sowie regelmäßige Weiterbildungsangebote schützen", sagte Janßen in seinem letzten Interview mit kress.de.

Janßen war wirklich ein ganz besonderer Mensch. Offen, verlässlich, empathisch, großzügig und humorvoll. Und er war unermüdlich im Einsatz, "als Betriebsratsvorsitzender in seinem Verlag der Nordwest-Zeitung in Oldenburg, als Referent bei Schulungen, als inspirierender Gesprächspartner und Ratgeber für Medienschaffende in der gesamten Branche", schreibt Frank Werneke, der stellvertretende Vorsitzende von Verdi, in seinem Nachruf.

"Als Vorsitzender setzte er seine engagierte Mitarbeit in der Tarifkommission der dju in ver.di in verantwortlicher Position fort, begleitete bundesweit die notwendigen und oft harten tariflichen Arbeitskämpfe der Journalistinnen und Journalisten, war präsent, kollegial, aufmunternd, hilfreich und herzlich. Wir konnten mit ihm kämpfen, wir konnten mit ihm lachen und uns mit ihm auch über Themen jenseits der aktuellen ver.di-Politik austauschen: Persönlich, kulturell oder - für ihn als Sportredakteur besonders naheliegend - über Sport, möglichst einen mit Bällen.Weit über den journalistischen Bereich hinaus galt sein Interesse und sein Engagement der politischen Gewerkschaftsarbeit in ver.di. Mit breiter Zustimmung hat er deshalb viele weitere Aufgaben übernommen. So wurde er 2015 zum Vorsitzenden des Bundesvorstandes des Fachbereiches Medien, Kunst und Industrie gewählt.

Wir trauern um ihn, mit seiner Lebensgefährtin, seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden, seinen Kolleginnen und Kollegen. Der Platz an ihrer und unserer Seite ist leer, es bleibt eine unfassbare Lücke", so Frank Werneke.

Die Gewerkschaft will in der kommenden Woche eine Kondolenzseite für ihren langjährigen Vorsitzenden einrichten.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.