Roger Negri - der erste Ausländer in einem Rundfunkrat

 

Premiere im Saarland: Mit dem luxemburgischen Abgeordneten Roger Negri sitzt nun erstmals ein Ausländer in einem deutschen Rundfunkrat. Im Gespräch mit kress.de erklärt Negri, warum ihm der Saarländische Rundfunk (SR) am Herzen liegt.

"Ich habe mich im SR-Rundfunkrat sofort wohlgefühlt", berichtet Roger Negri, Abgeordneter der Sozialistischen Partei im luxemburgischen Parlament.

Der begeisterte Hörer des SR-Radios hat, wie jeder Luxemburger, in seiner Schulzeit neben Luxemburgisch und Französisch auch Deutsch gelernt. Im Rundfunkrat will er nun erreichen, dass der SR in seiner Berichterstattung verstärkt auf Themen der Großregion setzt. Damit wird die Region Luxemburg, Lothringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien bezeichnet - auch bei Wikipedia unter dem Stichwort "Großregion".

Im neuen Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks (Vorsitzender: Wolfgang Krause, Stellvertreterin: Gisela Rink) ist auch der sogenannte Interregionale Parlamentarierrat (IPR) vertreten.

Die Mitglieder des IPR kommen jährlich zweimal zu Plenarsitzungen zusammen, um über Themen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu beraten und um Empfehlungen anzunehmen, die von den Arbeitsausschüssen vorgelegt und anschließend an die Exekutiven weitergeleitet werden.

Eine bundesweit einmalige Regelung - im Sinne Europas

Vertreten im IPR sind Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, das Saarland, die Wallonie, die Französische Gemeinschaft Belgiens und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Der IPR darf ein Mitglied in den Rundfunkrat des SR senden, und dieses Mitglied soll explizit nicht aus dem Saarland kommen. In Paragraph 56 Absatz 1 Nr.1 des Saarländischen Mediengesetzes heißt es sogar, dass das vom IPR entsandte Mitglied kein Deutscher sein darf. "Dass es im saarländischen Rundfunkrat ein nichtdeutsches Mitglied geben muss, ist bundesweit einmalig", berichtete vor einigen Tagen das Luxemburger Wort (Chefredakteur: Jean-Lou Siweck). In der Berichterstattung schwang etwas Stolz über den ersten Landsmann in einem deutschen Rundfunkrat mit.

"Die grenzüberschreitende Zusammensetzung stellt das Europa der Regionen dar", meint Roger Negri: "Wer mit seinem Landesnachbarn keinen guten Kontakt und keine gute Zusammenarbeit pflegt, wird sich mit der Zeit auseinanderleben, und die Probleme und Wünsche des anderen nicht mehr verstehen und respektieren." Auf die Frage, ob er sich im Rundfunkrat als Parlamentarier, Sozialist oder Bewohner der Großregion fühlt, antwortet Negri im Kress.de-Gespräch: "Man kann sich in allen drei Funktionen gleichzeitig einbringen. Ich will dies mit gesundem Menschenverstand im Interesse der Großregion tun."

Luxemburg bietet Medien finanzielle Hilfen

Ob Deutschland etwas vom luxemburgischen Mediensystem lernen könnte - darüber will sich Negri noch kein Urteil erlauben, da erst eine Sitzung stattfand, seitdem er nominiert wurde. Was ist in Luxemburg (550.000 Einwohner) positiv für Journalisten? Hier gibt es eine umfangreiche Pressehilfe, die sechs Tageszeitungen und ebenso viele landesweit ausstrahlende Radiostationen ermöglicht.

Der Fernsehsender RTL wird zudem ab dem Jahr 2020 als öffentlich-rechtliches Fernsehen fungieren. Vor wenigen Wochen wurde verkündet, dass der luxemburgische Staat das luxemburgische TV-Programm von RTL im Rahmen des neuen Konzessionsvertrags mit einem Betrag von maximal zehn Millionen Euro pro Jahr mitfinanziert.

Im Verwaltungsrat von Clt - UFA, einer Beteiligung der RTL Gruppe, sitzen die Fraktionspräsidenten der drei größten luxemburgischen Parteien und erhalten dort nach Angaben der Oppositionspartei ADR jährlich je 5800 Euro an Präsenzgeldern. Dagegen sind die 375 Euro, die der Saarländische Rundfunk im Jahr zahlt, zu vernachlässigen.  

Zum Hintergrund: Roger Negri, 1954 in Luxemburg geboren, ist seit 2004 Mitglied des luxemburgischen Parlaments und seit 2000 Beigeordneter (luxemburgisch: Schöffe) der Stadt Mamer. Negris sozialistische Partei ist an der luxemburgischen Mitte-Links-Regierung beteiligt (mit Liberalen und Grünen). Im Saarland regiert eine Große Koalition, die jüngst vom Wähler bestätigt wurde. Der Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks tagt fünf Mal im Jahr und hat seit neuestem 40 Mitglieder (früher: 35). Das Sitzungsgeld beträgt pro Sitzung 75 Euro. Intendant des SR ist Thomas Kleist.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.