"Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen: "Bei vielen jungen Leuten ist Journalismus unten durch"

10.04.2017
 

Verbraucherjournalismus ist gefragt wie nie. Alleine das unabhängige Portal "Finanztip.de" zählt mittlerweile um die vier Millionen Besucher monatlich. Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen verrät, warum es so gut ankommt - und trotzdem Nachwuchsprobleme hat.

Einkaufen, Versicherungen abschließen, Geld anlegen - all das passiert mittlerweile online. Der Verbraucheralltag hat sich digitalisiert und mit ihm auch das journalistische Angebot rund um Konsum und Anlagethemen. Auf Portalen gibt es Aufklärung, Beratung und Tipps, wie Verbraucher Geld sparen können. Für die Kollegen in den Verbraucherredaktionen wird die Arbeit dadurch nicht leichter. Die Geschwindigkeit hat zugenommen und der journalistische Werkzeugkasten hat sich vergrößert: Daten interpretieren und Inhalte veranschaulichen gehört seit je her zu Qualitätsmerkmalen von Verbrauchermedien, nun sollen zusätzlich die digitalen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

All das führt zu einer großen Attraktivität gerade von unabhängigen Portalen wie Finanztip.de, das 2013 gestartet ist. Ende 2016 lagen sowohl Reichweite als auch Umsatz um rund ein Drittel höher als die Macher zum Start erwartet hatten, wie Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen in der aktuellen Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist" bekannt gibt. "Das Schöne ist, dass wir kontinuierlich zulegen und kein Ende des Wachstums zu erkennen ist", sagt Tenhagen. Die Nutzer schätzten, dass sich das Portal allein dem Verbraucher verpflichtet fühle, den die Redaktion "informieren, unterstützen und schlauer machen" wolle. Aufgrund des großen Erfolgs konnte aufgestockt werden. Mit insgesamt 30 Mitarbeitern, davon gut die Hälfte in der Redaktion, habe "Finanztip" die Planzahl von 20 deutlich übertroffen, so Tenhagen.

Dennoch sei es nicht einfach, die Stellen zu besetzen. Es herrsche kein "Überangebot für dieses Jobprofil", berichtet Tenhagen "Wirtschaftsjournalist"-Autor Roland Karle . "Ganz ehrlich: Bei vielen jungen Leuten ist Journalismus unten durch." Medien hätten ein Loser-Image und das spiegle sich auch bei den Bewerbungen für Volontariate und Journalistenschulen.

kress.de-Tipp: Wie die Verlage dagegen steuern könnten und wie sich der Alltag von Verbraucherjournalisten durch das Internet konkret verändert hat, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist" (1/2107). Die Zeitschrift gibt es im Newsroom-Shop, oder auch digital - als E-Paper im iKiosk.

Der "Wirtschaftsjournalist" (Chefredakteurin: Susanne Lang, Herausgeber: Johann Oberauer) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

Zur Person: Im Oktober 2014 wurde Hermann-Josef Tenhagen Chefredakteur von "Finanztip". Zuvor hatte er lange Jahre die gleiche Position beim Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf starteten 2013 das Onlineportal. Zuvor waren die Unternehmer durch Gründung, Aufbau und Verkauf des Immobilienkreditvermittlers Interhyp zu Vermögen gekommen. Mit "Finanztip" sind die beiden nicht auf Gewinnmaximierung aus, sondern wollen Verbrauchern beim Geldsparen helfen. Folgerichtig wird die Firma als gemeinnützige Organisation geführt.

 

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

13.04.2017
!

ich danke den jungen Leuten für ihre Weitsicht. Nur so kann irgendwann einmal der Siff gesunden.......


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