Warum Chefredakteur Christian Lindner bei der "Rhein-Zeitung" gehen musste

12.04.2017
 

Ende März meldete kress.de den Rauswurf Christian Lindners, den die Branche völlig verdutzt zur Kenntnis nahm. Lindner war immerhin 37 Jahre bei der "Rhein-Zeitung", 2004 hatte er die Chefredaktion übernommen und seitdem den Journalismus in Deutschland mitgeprägt. Was Verleger Walterpeter Twer (Foto) veranlasst hat, Christian Lindner fristlos zu kündigen.

Wie "kress pro" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, ließ sich Verleger Walterpeter Twer bei der Entlassung von "Rhein-Zeitung"-Chefredakteur Christian Lindner von Emotionen leiten - und vermutlich von seiner Frau.

Das "Fass zum Überlaufen" hat Twer zufolge ein offener Brief gebracht, der jüngst in der "Rhein-Zeitung" erschienen war. Lindner hatte darin auf der Titelseite die "lieben türkischen Mitbürger" im weit verzweigten Verbreitungsgebiet aufgerufen, gegen das neue Präsidial-System in der Türkei abzustimmen: "Ich schreibe Ihnen heute im Namen dieser Zeitung", lautet der erste Satz. "Wer er, Lindner, denn sei? Etwa der Verleger? Nein, dass sei ja wohl immer noch er! Der offene Brief sei nicht mit ihm abgesprochen gewesen, sagt Twer. "Er hat da eine Grenze überschritten", so der Verleger zu "kress pro". "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Chefredakteur einen offenen Brief schreibt. Wir sind unabhängig und überparteilich, wir greifen nicht in den Wahlausgang ein", schimpft Twer. Und berichtet zudem, dass er am selben Tag des Erscheinens des Artikels in der Früh am Telefon bedroht worden sei. Von einem Mann, der mit dem offenen Brief überhaupt nicht einverstanden gewesen sei. Der Anrufer habe gesagt, er wisse, wo Twer und die anderen Gesellschafter wohnen. Deswegen habe er das Wochenende nicht zu Hause verbracht, erzählt Twer.

Aber auch schon davor habe es Probleme gegeben, so der Vorwurf des Verlegers. Er spricht konkret von Unterlassungserklärungen, von der Zusammenarbeit mit anderen Führungskräften und einer Bloßstellung auf dem Verlagsparkplatz.

Allerdings bergen auch die Familienangelegenheiten von Twer Konfliktpotenzial und gewisse Interessenskollisionen. Der "Rhein-Zeitung"-Verleger ist in zweiter Ehe mit Manuela verheiratet, eine geborene Lewentz, heute Lewentz-Twer. Sie ist die jüngere Schwester des SPD-Politikers Roger Lewentz, Innenminister und SPD-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz. Die Verbindungen zur Landespolitik sind aber noch enger: Manuela Lewentz-Twer ist die Ex-Frau von Hendrik Hering, ebenfalls SPD und seit Mai 2016 Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags. Hering ist einer der maßgeblichen SPD-Persönlichkeiten im Land, er war Staatssekretär, Wirtschaftsminister, Fraktionsvorsitzender der SPD und jetzt Parlamentspräsident. 

kress.de-Tipp: Welche Rolle die Verlegergattin Manuela Lewentz-Twer bei dem Rauswurf von "Rhein-Zeitung"-Chefredakteur Christian Lindner spielte, lesen Sie im aktuellen "kress pro" (3/2017). In der Exklusiv-Story von kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük verrät Verleger Walterpeter Twer auch, wann er sich vom Verlagsgeschäft zurückziehen will. Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

Hintergrund: "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer"Zum "kress pro"-Abo.

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