Lernen im hohen Norden: Warum Zeitungen täglich erscheinen müssen

 

Norwegen gilt als einer der fortschrittlichsten Medienmärkte Europas. Die Macher wagen mutige Experimente, die oft gelingen, aber nicht immer. Die Zeitung "ØB" zum Beispiel halbierte den Erscheinungsrhythmus - und scheiterte.

Es klang wie eine richtig gute Idee: Vor fünf Jahren entschied die norwegische Zeitung "Østlandets Blad", künftig nur noch drei statt sechsmal in der Woche zu erscheinen. "Die laufende Berichterstattung sollte ins Netz gehen, während sich die Papierzeitung auf Hintergrundberichte und andere Themen konzentrieren sollte, die klassischerweise mehr zu einer Wochenzeitung passen", erklärt Martin Gray, heute Chefredakteur und Geschäftsführer, gegenüber "kress pro".

Mit der Idee liebäugeln viele Zeitungsmanager. Wenn Zeitungen nicht mehr täglich erscheinen, lassen sich erhebliche Kosten für den Druck und Vertrieb einsparen. Gleichzeitig können die Nutzer digital viel schneller bedient werden, so die Überlegung.

"ØB" gewährte den mehr als 13.000 Abonnenten sogar einen Preisreduzierung um 25 Prozent. "Das günstigere Abo aber half nicht, die Leser verließen das Blatt in Scharen", so Gray in der aktuellen Ausgabe von "kress pro".

Im Jahr nach der Frequenzreduzierung 2013 verlor "ÖB" mehr als ein Drittel der Vertriebserlöse und ein Fünftel der Anzeigenerlöse und rutschte tief in die Verlustzone. 2014 korrigierte das Management den Fehler. Seitdem erscheint das Blatt, das 25 Kilometer südöstlich von Oslo beheimatet ist, wieder fünfmal die Woche. Die Abozahlen konnten so stabilisiert werden, seit 2015 ist das Blatt wieder in der Gewinnzone.

kress.de-Tipp 1: Welche Fehler das "Østlandets Blad" bei der Umstellung der Erscheinungsweise gemacht hat und wie eine Umstellung dennoch gelingen könnte, lesen Sie in "kress pro" (3/17). Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Die Story "Eine falsche Entscheidung" hat "kress pro"-Autor Clemens Bomsdorf aufgeschrieben. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

kress.de-Tipp 2: kresstour in Norwegen - wie Schibsted digital erfolgreich ist

Welche Erfahrungen das "Østlandets Blad" mit der Umstellung seiner Erscheinungsweise gesammelt hat, ist nur eine Station der kresstour, die am 15. und 16. Mai in Oslo stattfindet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf Schibsted, einem Medienunternehmen, das in Europa zu den digitalen Vorreitern zählt. Eine Auswahl der Themen:

Wie wir uns mit Kleinanzeigen gerettet haben - Wie Schibsted sich mit Classified zuerst selbst kannibalisierte und dann dennoch die Wende schaffte

Google ist nicht unser Freund - Warum es besser ist, mit Google zu konkurrieren, als zu kooperieren

Nicht mehr allein - Warum auch andere Medienhäuser sich Schibsteds Partnerschaft mit AppNexus ganz genau anschauen sollten

Der Fall Justin Bieber - Wie Facebook und Snapchat VGTV ein Millionenpublikum bescheren und warum das nicht genug ist

Roboter nicht nur im Fußball - Wie die norwegische Presseagentur Sportberichte und bald auch Politik vom Computer schreiben lässt

Die Teilnahmegebühr beträgt 1.600,- Euro/Person zzgl. 19 Prozent MwSt. Für "kress pro"-Abonnenten gilt ein Sonderpreis von 1.400,- Euro/Person zzgl. 19 Prozent MwSt.

Mehr Infos (auch zur Anmeldung) gibt es hier. E-Mail-Kontakt: Dagny Oberauer.

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