"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum sich Oliver Sturz mit Joko Winterscheidt und Kai Diekmann vernetzen will

 

Eigener Herr: Seit 2011 war Oliver Sturz als Country Manager Germany Chef der Münchner Niederlassung der Agentur Harvard, die zu Chime Communications gehörte. Im Frühjahr 2016 nahm der PR-Profi, der zuvor schon unter anderem in Diensten von Avantgarde und Yahoo stand, seinen Mut zusammen und kaufte die Agentur aus dem Netzwerk heraus. Im kress-Gespräch zieht er eine Ein-Jahres-Bilanz.

kress.de: Herr Sturz, Sie haben sich im vergangenen Jahr nach längerer Zeit im Chime Communications-Netzwerk aus der von Ihnen geführten Münchner Niederlassung herausgekauft und sich mit einer neuen Agentur Harvard Engage! Communications selbstständig gemacht. Wie sehr haben Sie die Entscheidung bislang bereut?

Oliver Sturz: 100% gar nicht! Auch nach einem guten Jahr Selbständigkeit macht uns die neue Harvard Engage viel Spaß - mit neuen Kunden und einem super Team. Mit der 20-jährigen Harvard-Historie als Fundament, viel frischem Wind und einer guten, gesunden Agenturkultur.

kress.de: Wenn Sie auf den Wechsel zurückblicken: Was macht für Sie den großen Reiz einer inhabergeführten Agentur aus?

Oliver Sturz: Die Verantwortung als Geschäftsführer einer Netzwerkagentur hat sich nicht anders angefühlt als heute. Aber die Motivation war eine andere. Wir tun nicht etwas, was einem Headquarter irgendwo auf der Welt gefällt, sondern fokussieren uns auf "unser Ding" - auf unsere Aufgaben und unsere Weiterentwicklung. Die Unabhängigkeit hat bisher überhaupt nicht zu qualitativen Einschränkungen unserer Arbeit geführt. Eher kommt die Flexibilität und schlankeren Strukturen unseren Kunden zu gute.

kress.de: In wie fern können Sie jetzt anders arbeiten, als das im internationalen Netzwerk der Fall war?

Oliver Sturz: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir weiterhin sehr eng mit Chime-Netzwerkpartnern als auch in anderen Kooperationen international arbeiten. Der Name ist ja geblieben, Harvard in London - einer der wachstumsstärksten PR-Agenturen in Europa - und wir werden nach wie vor als Schwesteragenturen gesehen. Zugleich waren wir schon immer lokaler, als man denkt: Mehr als 80% unserer Kunden sind direkte Kontakte aus der DACH-Region.

kress.de: Wie sehr motiviert es Sie und Ihr Team, unabhängiger auf dem Markt auftreten zu können?

Oliver Sturz: Wir haben aus Harvard nicht etwas völlig anderes gemacht, als es war, aber wir können mehr experimentieren. Wir sind heute eher im Start-up-Modus, das bezieht alle mit ein. Jeder Mitarbeiter spürt eine Mitverantwortung und hat Lust, mitzugestalten. Die Motivation ist eher intrinsich, nicht von außen auferlegt oder ferngesteuert.

kress.de: Wie sehr hat sich Ihr Nachtschlaf verändert - als eigener Unternehmer und Arbeitgeber?

Oliver Sturz: Ich kann das gut trennen, wache aber noch fröhlicher auf, wenn gerade etwas gut läuft oder eine wertvolle Idee entstanden ist. Bei uns hängt ein Spruch an der Wand: "Do more of what makes you happy". Das verstehe ich als Antrieb. Wir arbeiten intensiv, wir haben ein gutes Team, liefern gute Ergebnisse und das wird anerkannt. Das ist die Basis für eine gesunde Entwicklung, gern auch solides Wachstum.

kress.de: Für Ihr neues Büro haben Sie schöne historische Räume in einer ehemaligen Nähmaschinen-Fabrik gefunden. Wie sehr beflügelt ein originelles Umfeld kreatives Arbeiten?

Oliver Sturz: Unser Haus ist sehr authentisch - da ist nichts aufgesetzt, nicht stylisch-gewollt renoviert, sondern es weht noch ein Hauch des Kontorhauses der Fünfziger Jahre durch das Münchner Westend. Das passt sehr gut zu uns PR-Leuten mit Bodenhaftung. Es ist eher die Authentizität und Ruhe, die die Kreativität fördert, als ein schrilles Mobilar, auf dem ThinkTank drauf steht. Zudem ist die Arbeit für Hightech-Kunden in einem doch stilvollen "Old School"-Ambiente smart und ein schöner Gegensatz.

kress.de: Sie sind in der PR-Branche bestens vernetzt. Wie sehr helfen diese Kontakte, die Sie aus der Westentasche ziehen können? 

Oliver Sturz: Wir können auf größere Anfragen, beispielsweise von großen Marken, schnell reagieren, in dem wir verlässliche freie Mitarbeiter oder befreundete Agenturen hinzuziehen. Den Kunden interessiert nicht was drauf steht, sondern was drin ist. Auf der Medienseite oder im Kontakt zu Influencern sehen wir uns lieber als Partner, als gern genutzte Quelle für relevante Informationen oder Zugang zu Produkten und Unternehmen. Das geht nur mit einem guten persönlichen Netzwerk.

kress.de: An welchen Stellen haben Sie sich vorgenommen, Ihr persönliches Adressbuch rasch weiter ausbauen?

Oliver Sturz: Zuallererst arbeiten wir Richtung Medien und da erneuern sich tagtäglich Kontakte zu Journalisten oder Bloggern. Spannend finde ich auch die gesellschaftlich relevanten Themen und Unternehmen, die sich sozial engagieren, also z.B. CSR- und Public Affairs-Verantwortliche. Wir haben da selbst ein Projekt, die Initiative FutureBrains, die sich mit der Thematik Hochbegabung und Intelligenz in einer neuen, klischee-befreiten Weise auseinandersetzt. Für unsere Portfolio-Erweiterung helfen uns gute feste-freie Partner für digitale Kommunikation, Bewegtbild und Tech-Trends.

kress.de: Welche Stationen und Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Lebenslauf und aus Ihrem Ausbildungsweg sind für Ihre Tätigkeit besonders wichtig?

Oliver Sturz: Der rote Faden meines PR-Weges zieht sich durch das Digital Entertainment-Thema - das kommunizieren, was den Menschen Spaß und Technologie möglich macht: Innovative Technik, Film, Games, Unterhaltungselektronik, Internet, Streaming. Die sechs Jahre bei Avantgarde haben den 360 Grad-Blick auf Kommunikation geschärft und das Faible für PR Stunts begründet. Die Internationalität einer Netzwerkagentur und eines Global Players hat mich sicherlich auch geprägt, im Board der Chime Specialist Group, aber auch auf Unternehmensseite bei Yahoo. Der Internet-Dino mit amerikanischen Unternehmensstrukturen war eine tolle Erfahrung.

kress.de: Welche Ziele haben Sie sich mittelfristig in Ihrer persönlichen Berufslaufbahn gesetzt?

Oliver Sturz: Auf Kurs halten, mit spannenden Kunden arbeiten, tolle Highlight-Projekte kreieren und umsetzen, empfohlen werden - auch gern weiterhin als spezialisierte Boutique für PR und Markenkommunikation.

kress.de: In Ihrem Aufgabenbereich sind Kreativität, originelle Lösungen und gutes Verhandlungsgeschick gefragt. In wie weit kann man das trainieren und wo schöpfen Sie Kraft für pfiffige Ideen, die den Unterschied machen?

Oliver Sturz: Es ist eher andersrum: Ideen geben die Motivation und setzen Energie frei. Häufig entsteht eine Idee im gemeinsamen Brainstorming durch einen Mix aus Neugierde, Empathie und Erfahrung. Für gute Verhandlungen braucht man in erster Linie eine ehrliche, aufrichtige, verlässliche, ja, und idealerweise auch inspirierende Art.

kress.de: Warum haben Sie sich ein kress.de-"Köpfe"-Profil angelegt und wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Oliver Sturz: kressköpfe ist eine gute Quelle für Kontaktdaten und schnelle Recherchen, das nutze ich immer wieder gern.

kress.de: Mit welchem Kollegen würden Sie sich - idealerweise über die kressköpfe - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden? Und warum?

Oliver Sturz: Spannend wäre ein Gespräch mit Joko Winterscheidt über seine Agentur. Vielleicht auch ein Kai Diekmann, mit dem ich mich gleichzeit über Uber und wie Bild tickt unterhalten könnte. Da es gerade losgeht auch gern mit einem Bundestagswahlkampf-Werber, zum Beispiel den Jungs von Heimat aus Berlin, die gerade eine ungewöhnliche FDP-Kampagne gestartet haben.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Oliver Sturz: Mir gefällt einerseits das breite Spektrum von Medien bis Marketing, sehr praxisnah durch Case Studies und viele Zahlen und Fakten. Die frische Aufbereitung mit Infografiken ist sehr eingängig. Zugleich schätze ich das kurze tägliche Update über den Newsletter.

 

kress.de-Tipp: Sie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.