"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Hans Demmel gerne eines Tages Skilehrer werden möchte

 

Der 61-jährige n-tv-Geschäftsführer ist das, was man ein TV-Urgestein nennen könnte. Geboren im oberbayerischen Wagrain machte Hans Demmel beim BR, später beim Privatfernsehen bei Sat.1 Karriere. 1994 wechselte er in die RTL-Welt, war Vox-Chefredakteur, seit 2007 ist er Geschäftsführer von n-tv. Und dann hat er sich 2016 noch den Chefposten beim VPRT aufgehalst. Warum eigentlich? Und wie organisiert man all das?

kress.de: Herr Demmel, es ist ja höchstwahrscheinlich nicht so, dass man als erfolgreicher n-tv-Geschäftsführer nicht entsprechend ausgelastet wäre. Wie lang musste man Sie denn innerhalb der RTL-Gruppe dazu überreden, sich für Ihren VPRT-Posten aufstellen zu lassen. 

Hans Demmel: Offen gestanden gar nicht. Ich bin ja schon seit Jahren im Verband aktiv. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, wie schnell sich unsere Branche bewegt, und dass der Erfolg dessen, was wir tun, nicht nur von der Güte unserer Arbeit, sondern auch immer mehr von den Rahmenbedingungen abhängt. Außerdem kenne ich das Team beim VPRT und die Vorstandskollegen schon lange und wusste, dass ich mich auf eine sehr professionelle Zusammenarbeit freuen kann. Und ein bisschen Ehrgeiz und Eitelkeit  ;-)  war bei mir auch dabei, also zusammengefasst: Ich mach's richtig gerne. 

kress.de: Was reizt Sie an der Verbandsarbeit konkret? Und wie unterscheidet Sie sich von der gewohnten Senderchef-Routine?

Hans Demmel: Das tiefe Eintauchen in komplexe Themen, das Verständnis und das Teilhaben demokratischer Meinungsbildungs-Strukturen. Das ist ab und an aufwändig, aber es ist die Garantie für eine offene, pluralistische Gesellschaft. Der Unterschied zur Senderchef-Routine? Es macht schon einen Unterschied, ob sie mit angestellten Mitarbeitern zu tun haben, die sie gut kennen und selbst eingestellt haben, oder mit selbstbewussten Geschäftsführern, die ihre Unternehmen oft seit langen Jahren erfolgreich führen. Anordnen par ordre de mufti geht heutzutage nirgends mehr. Nicht im Sender, und schon gar nicht in einem Verband. Sie müssen deutlich mehr Abstimmungs- und Überzeugungsarbeit leisten.   

kress.de: Auch mit viel Berufserfahrung kann man ja nur eine bestimmte Anzahl von Wochenarbeitsstunden unterbringen. Und der Tag wird auch für Sie nur 24 Stunden haben. Wie teilen Sie die Verantwortung für die n-tv- und die VPRT-Aufgaben auf?

Hans Demmel: Insgesamt ist es natürlich mehr geworden, und wenn dann drei Termine in drei verschiedenen Städten gleichzeitig anstehen, dann lernt man, Prioritäten zu setzen. Einiges überschneidet sich auch, insgesamt sind vielleicht 25 Prozent dazu gekommen. Zeitmanagement hilft, konzentriertes Arbeiten hilft, aber ohne mein Team bei n-tv ließe sich das sicherlich nicht machen. Hier kann ich wirklich viel delegieren, nicht nur Arbeit, vor allem Vertrauen. 

kress.de: Wie oft haben Sie bereits bereuet, was Sie sich durch die zusätzlichen Politik- und Lobby-Arbeiten aufgehalst haben?

Hans Demmel: Ach: Es gibt schon Freitagabende, an denen man mit seinem Wochenpensum noch nicht durch ist, und überlegt, wann man denn am Wochenende nacharbeiten kann. Das löst dann nicht nur Glücksgefühle aus. Aber wirklich bereut? Nein, dafür ist unter dem Strich einfach die Herausforderung zu groß und zu reizvoll.  

kress.de: Die TV-Landschaft fragmentiert sich weiter, immer neue Player und Wettbewerber drängen auf den Markt. Wie können Sie den Verbandsmitgliedern Mut machen, dass Fernsehen zu veranstalten weiterhin profitabel sein kann - und bestenfalls auch noch Freude macht?

Hans Demmel: Ich sehe nicht, dass ich jemand Mut machen müsste. Natürlich wird's nicht einfacher, das wissen wir alle, aber neue Herausforderungen sind auch neue Chancen, und das Glas ist immer noch mehr als halbvoll. Und Freude machen? Da mache ich mir auch keine Sorgen. Zuhause auf der Couch sitzen, auf einen Kopf drücken, die Früchte seiner Arbeit sehen, mit dem Gefühl, dass Millionen anderer gleichzeitig daran teilhaben, das ist doch unübertroffen.  

kress.de: Wie schwer fällt es eigentlich, sich in der VPRT-Rolle auch für Mitbewerber stark zu machen, die Ihnen im täglichen Kampf um Quoten und Werbemarktanteile bei n-tv das Leben schwer machen?

Hans Demmel: Natürlich haben wir auch unterschiedliche Interessen, aber ich sehe meine Aufgabe im Verband darin, am gemeinsamen Nenner zu arbeiten, der in Zeiten wie diesen kein kleiner ist. Dabei muss man unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen auf die Dinge aushalten können, am Ende des Tages sitzen wir in unserer Branche bei den meisten Themen im gleichen Boot. 

kress.de: Sie sind in der Medien-, vor allem der TV-Landschaft seit Jahren bestens vernetzt. Wenn Sie einmal zurück blicken: Welche Stationen und Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Lebenslauf sind für Ihre Tätigkeit heute noch am wichtigsten?

Hans Demmel: Auch wenn der ein oder andere in der großen weiten Welt des Journalismus das "Oberbayrische Volksblatt", wo ich volontiert habe, als Heimatzeitung oder Provinzblatt abtun würde, dort habe ich die Essentials mitbekommen. Schreiben und Verantwortung für das Geschriebene zu übernehmen. Dann die Faszination bewegter Bilder beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen in München, gerade da lernt man schnell, dass TV für Teamwork steht. Und natürlich die Freiheit zu experimentieren, und die Freiheit auch Fehler machen zu dürfen, in meinen ersten Jahren bei RTL. Das erste Mal live vor dem Weißen Haus, wo man sich gleichzeitig ziemlich groß und ziemlich klein vorkommt.  

kress.de: Sie leben als gebürtiger Bayer schon lange im Flachland. Wie groß sind Anwandlungen von Heimweh, wenn Sie wieder in Bergnähe kommen?

Hans Demmel: In den letzten zwei, drei Jahren ist's schon schwerer geworden. Jedes Mal wenn ich in den Flieger steige, aus München weg, werde ich etwas wehmütig. Berge, Biergarten, Brezn - und wir sind erst im zweiten Buchstaben des Alphabets. So offen und liberal Köln, so spannend Berlin ist: Heimat ist ein Gefühl, von dem ich nie dachte, dass es mich packen könnte. Jetzt aber wird es immer stärker. 

kress.de: Wie könnte - einmal vorausgesetzt, dass Sie das wirklich wollen - das Leben eines Hans Demmels aussehen, der beruflich kürzer tritt?

Hans Demmel: Im Moment ist eher Gas geben der Modus, und die nächste Kurve ist schon noch ein Stück weg. Und dann? Von einer Sekunde zur anderen aufhören wird's nicht werden. Vielleicht ein bisschen Beratung, gerne auch als One-Dollar-Job für eine Hilfsorganisation, um etwas zurück zu geben, und ziemlich sicher: ein Nebenjob als Skilehrer, aber nur Kinderkurse, sechs bis acht Wochen im Schnee, und glückliche Kiddies, diese Vorstellung hat für mich schon einen immensen Reiz. 

kress.de: Trotz Ihres prall gefüllten Adressbuchs: Sie haben schon lange ein kressköpfe-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Hans Demmel: Dem einen oder anderen, der erstmals mit mir zu tun hat, bietet es schnelle Orientierung. Und wohl auch so mancher Geburtstagsgratulant dürfte auf das Konto von kress gehen. 

kress.de: Mit welchem Querdenkern, jungen Influencern oder Anstoß-Gebern würden Sie sich - idealerweise über die kressköpfe - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Hans Demmel: Der Austausch mit jungen Querdenkern ist für "alte Hasen" der Branche wie mich immer ein Inspiration, die ich schätze. Ich möchte mich da nicht auf jemanden Konkreten festlegen.  

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Hans Demmel: Als Nachrichtenmann weiß ich insbesondere spannende Hintergrundinformationen und natürlich "Breaking News" aus der Branche zu schätzen.

 

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