20 Streetart-Künstler gestalten "Berliner Morgenpost" - Honorar: eine Ladung Pizza

 

Mit einem ungewöhnlichen Projekt überrascht die "Berliner Morgenpost" am Sonntag ihre Leser. Die Wochenend-Beilage "Berliner Illustrirte Zeitung" haben 20 Streetart-Künstler gestaltet. Diese Maler und Zeichner präsentieren ihre Werke derzeit in der Ausstellung "The Haus" - in einem Gebäude, das bald samt der Kunst abgerissen wird. Im kress.de-Interview erklärt "Morgenpost"-Chefredakteur Carsten Erdmann, wie es zu der ungewöhnlichen Kooperation und "The Zeitung" kam.

kress.de: Wie schwierig war es, Streetart und Journalismus unter einen Hut zu bekommen?

Carsten Erdmann: Gar nicht. Es war eine ganz spontane Idee, als ich mir mit einem Kollegen vor drei Wochen die Ausstellung "The Haus" angeschaut habe. Wir kamen mit den Machern ins Gespräch. Plötzlich entstand die Frage, ob die Künstler nicht Lust hätten, unsere Sonntags-Beilage "Berliner Illustrirte" zu gestalten.

kress.de: Und wie haben die reagiert? Kostete es viel Überzeugungsarbeit, die Künstler für das Projekt zu gewinnen?

Carsten Erdmann: Nein, die Streetart-Künstler waren sehr offen. Wir haben uns für einen Tag, am 24. April, in "The Haus" verabredet. Am Abend waren dann bereits fast alle Bilder fertig, es mussten nur noch einige Nacharbeiten gemacht werden.

kress.de: Zeigen Sie auch Bilder aus der Ausstellung "The Haus" oder sind die Werke exklusiv für Ihre Sonntagsbeilage entstanden?

Carsten Erdmann: Nein, die Werke sind alle neu und exklusiv für unser gemeinsames Projekt entstanden. In der Ausstellung selbst darf niemand fotografieren. Handys werden am Eingang in Plastiktüten gepackt. Nach dem Rundgang können Besucher einen Katalog kaufen, er heißt "The Buch". So lag es auf der Hand, unser Projekt "The Zeitung" zu nennen.

kress.de: Sie haben das Thema "Mein Berlin" vorgegeben. Wie haben die Künstler das bearbeitet? Welche neuen Blickwinkel auf die Stadt präsentiert "The Zeitung"?

Carsten Erdmann: Erwarten Sie jetzt nicht, dass die Bilder den Fernsehturm oder das Brandenburger Tor zeigen. Den Künstlern ging es vor allem darum, ihre ganz persönliche Sicht darzustellen, was sie mit Berlin verbindet. Sie zeigen neue Perspektiven. Eine Künstlerin hat sich beispielsweise der berühmten Berliner Schnauze gewidmet. Es sind spannende Werke entstanden.

kress.de: Und wie? Auf Leinwand oder Papier?

Carsten Erdmann: Ganz unterschiedlich. Manche haben mit Öl auf Leinwand gemalt, andere mit Tusche auf Papier und wieder andere haben auf dem iPad gezeichnet. Sie sehen also, dass es auch hier eine große Vielfalt gibt, die unsere Leser überraschen wird.

kress.de: Das Haus, in dem die Streetart derzeit gezeigt wird, soll mitsamt der Ausstellung am Monatsende abgerissen werden. Alles, was letztlich von diesem Projekt übrigbleibt, ist dann die "Berliner Illustrirte Zeitung". Könnte das ein Longseller werden?

Carsten Erdmann: Ende des Monats gibt es eine große Abrissparty, und viele Künstler werden ihre Werke dabei selber zerstören. Es war von Anfang an klar, dass die Werke nicht für die Ewigkeit bestimmt sind. Es gibt ein Buch zur Ausstellung. Wir sind eine Tageszeitung und machen mit "The Haus" nun dieses einmalige Projekt, das heute unserer Zeitung beiliegt. Wir wollen diesen Künstlern vor allem eine Bühne bieten.

kress.de: Wie haben Sie die Künstler honoriert?

Carsten Erdmann: Mit einer Ladung Pizza sowie viel Cola und Bier. Es stand wirklich der Spaß im Vordergrund und die Lust, gemeinsam etwas zu entwickeln. Insgesamt haben mehr als 20 Künstler für uns gearbeitet.

kress.de: Wie kombinieren Sie die Bilder mit Text? Haben Ihre Redakteure und die Künstler daran gemeinsam gesessen?

Carsten Erdmann: Wir arbeiten mit wenig Text. Die "Berliner Illustrirte Zeitung" haben wir diesmal von acht auf 16 Seiten erweitert. Auf der Seite 2 beschreiben wir unseren Lesern das Making-of, und zum Schluss gibt es eine Legende. Dort erklären wir, was der Künstler mit seinem Bild sagen möchte.

kress.de: Hoffen Sie, mit dem Projekt "The Zeitung" für die "Berliner Morgenpost" neue Leser erschließen?

Carsten Erdmann: Das stand nicht im Vordergrund. Wir wollen unserem Publikum etwas Neues zeigen. Denn zum guten Regionaljournalismus gehören nicht nur Information, Hintergrund und Analyse, sondern auch Unterhaltung und Überraschendes.

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