Nach öffentlicher Demütigung: Digital-Chef Marcus Schwarze verlässt "Rhein-Zeitung"

 

Nach der öffentlichen Demütigung folgt nun die komplette Trennung: Digital-Chef Marcus Schwarze verlässt die "Rhein-Zeitung" in Koblenz, deren Redaktion und Verlag sich seit dem Rausschmiss von Chefredakteur Christian Lindner in Aufruhr befindet. Von einst vier Mitgliedern der Chefredaktion sind nach Schwarzes Ausscheiden nur noch zwei in Amt und Würden.

"Es wird Zeit, neue Wege zu gehen. Nach sechseinhalb Jahren verlasse ich die Rhein-Zeitung. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung! Infos und Lebenslauf unter marcus@schwarze.info und mobil: +4916097829699", schreibt Marcus Schwarze am Mittwochabend auf seiner Facebook-Seite. Die wenigen Zeilen hat Schwarze mit einem Foto veröffentlicht, die ihn am Straßenschild "Zur Wegscheide" zeigt.

Marcus Schwarz kam Anfang 2011 als Digital-Chef und Mitglied der Chefredaktion von der "Hannoverschen Allgemeinen" nach Koblenz zur "Rhein-Zeitung". Völlig überraschend musste die Redaktion auf kress.de erfahren, dass Schwarze am 20. April 2017 nicht mehr als Mitglied der Chefredaktion im Impressum der Zeitung aufgeführt wurde. Bis heute fehlt eine offizielle Begründung, warum nach Chefredakteur Christian Lindner auch der erfahrene Digitalkopf das Blatt verlassen soll.

Zumindest mit Verleger Walterpeter Twer habe die Entscheidung aber überhaupt nichts zu tun, dass Schwarze kein Mitglied der Chefredaktion mehr sei, hatte Hans Kary, Anzeigenchef und Mitglied der Geschäftsleitung der "Rhein-Zeitung", in einem Brief an kress.de betont: "Es ist Sache der Chefredaktion sich in ihrer Leitungsfunktion eine eigene Geschäftsordnung zu geben. Dies bezieht die Funktionen und Positionen innerhalb dieser Verantwortung ausdrücklich mit ein. Verleger Walterpeter Twer hat sich in keinster Weise in diese Personalentscheidung eingemischt noch diese angewiesen, er befindet sich im Urlaub. Insofern sind alle von Ihnen aufgestellten Behauptungen aus "dem Reich der Fantasie". Auch der von Ihnen als Grund benannte Abschieds-Post zu Christian Lindner von Marcus Schwarze war bis zu Ihrer Veröffentlichung in der Führungsetage unseres Hauses nicht bekannt, selbst wenn, hätte dies zu keinerlei Konsequenzen geführt", so Hans Kary.

Wohin es Marcus Schwarze jetzt zieht - unklar, auch, zu wann er die Koblenzer Zeitung verlässt. Eine Anfrage von kress.de blieb am Abend unbeantwortet.

Hintergrund: Die "Rhein-Zeitung" (Erstausgabe: 20. April 1946) erscheint in einer verkauften Auflage von 178.566 Exemplaren (laut IVW 4/2016). Kommissarischer Chefredakteur ist Peter Burger, stellvertretender Chefredakteur Manfred Ruch (Zentralredaktion). Verleger Walterpeter Twer ist auch Geschäftsführer der Zeitung; Verlagsleiter ist Siegmund Radtke, für die Finanzen verantwortlich Manfred Wyrwoll. Chef vom Dienst sind Dirk Kurz und Jörg Peter Herrmann, Nachrichtenchefin Birgit Pielen, Regionales führt Markus Kuhlen. Das Ressort Journal, Leben, Reise verantwortet Michael Defrancesco, Kultur Claus Ambrosius, Sport Jochen Dick, Recherche Angela Kauer, die Optik Jens Weber. Chefreporter sind Ursula Samary, Nicole Mieding und Hartmut Wagner. Korrespondent der Zeitung in Mainz ist Dietmar Brück, in Berlin Rena Lehmann.

Das Anzeigengeschäft bei der rz-Media GmbH führt als Geschäftsführer Hans Kary, den Druck leistet die Industrie Dienstleistungsgesellschaft mbH in Koblenz mit Ulrike Schröder an der Spitze.

kress.de-Tipp: Welche Rolle die Verlegergattin Manuela Lewentz-Twer bei dem Rauswurf von "Rhein-Zeitung"-Chefredakteur Christian Lindner spielte, lesen Sie im aktuellen "kress pro" (3/2017). In dem exklusiven Hintergrund-Stück verrät Verleger Walterpeter Twer auch, wann er sich vom Verlagsgeschäft zurückziehen will. Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.Hintergrund: "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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