Bundesliga-Verhandlungen mit Sky stocken: Eurosport holt Friesinger-Postma, Hambüchen und Ortlepp an Bord

 

Ein wenig getrieben wirken Susanne Aigner-Drews, deutsche Discovery-Chefin, und der Eurosport-CEO Peter Hutton angesichts der logistisch-redaktionellen Herausforderungen, die zwei der attraktivsten Sportrechte mit sich bringen - Olympia und die Fußball-Bundesliga. Für das PeyongChang-Team kommen nun die Olympia-Experten Anni Friesinger-Postma und Fabian Hambüchen an Bord. Probleme gibt's beim Fußball - wegen Sky.

Die dreifache Gewinnerin von olympischem Gold, die bislang lediglich im niederländischen Fernsehen als Expertin tätig war, soll für Eurosport die Eisschnelllauf-Wettbewerbe begleiten und analysieren. Als ehemalige Spitzenathletin und vierfache Olympia-Teilnehmerin kann Anni Friesinger-Potsma das Geschehen im Rampenlicht und im Sportler-Backstage-Bereich aus eigenen Erfahrungen gut einfangen. "Ich will den Menschen den Weg dahin und die Geschichte dahinter erzählen", sagt sie über ihre Olympia-Mission.

Auf den ersten Blick etwas überraschend wirkt dagegen die Verpflichtung des Kunstturners Fabian Hambüchen, der zuletzt in Rio Gold gewann, kommt er doch ebenfalls als Experte bei den Winterspielen zum Einsatz. Auch er soll aber unter anderem den "Olympic Spirit" den Fans näher bringen.

Beide ergänzen die bestehende Olympia- und Wintersport-Expertenriege, zu der bei Eurosport in Deutschland unter anderem Martin Schmitt, Sven Hannawald, Frank Wörndl, Jochen Behle und Michael Greis zählen. Bereits bekannt wurde, dass die Südtiroler Ex-Skirennläuferin Birgit Nössing als sogenannte Anchorwoman durch die PyeongChang-Berichte führen wird - mit Jan Henkel als Moderator an ihrer Seite. 

Nun verriet Susanne Aigner-Drews, die als Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland, auch Eurosport hierzulande führt, erste Details, wie man die Berichterstattung konkret stemmen möchte. Dabei werden neben dem frei empfangbaren Eurosport 1, wo ein 24-Stunden-Olympia-Programm laufen wird, die beiden Schwestersender der Discovery-Gruppe zeitweise umformatiert: Der Free-TV-Männersender DMAX nimmt ebenfalls viele Live-Berichte aus Südkorea ins Programm - als Anlaufpunkt vor allem für die Fans der Olympia-Disziplinen Bob- und Rennrodeln. Der Frauensender TLC soll zur Heimat für den Eiskunstlauf werden.

Inhaltlich setzt Aigner-Drews auf viel Personalisierung, Heldengeschichten, deutsche Lokalisierung mit bekannten Gesichtern und "die umfangreichste TV-Berichterstattung, die es je aus einer Hand gab", wie sie sagt. Eine wichtige Rolle vor allem beim individuell gestaltbaren Programm, das auch "jeden olympischen Moment live einfangen" will, spielt dabei der digitale Eurosport Player mit seinen diversen Streams. Er ist allerdings genauso kostenpflichtig wie das Pay-Angebot Eurosport 2, wo spezielle Olympia-Highlights laufen sollen. "Digital First" soll eine neue Maxime werden, wie auch Peter Hutton betont.

Der Eurosport Player könnte in der Discovery-Gesamtstrategie in Deutschland - quasi wider Willen - noch eine deutlich wichtigere Rolle in Zukunft zukommen. Etwa als Plan-B-Abspielort für die 45 Bundesliga-Spiele, die sich die Gruppe ab der Saison 2017/2018 pro Spielzeit gesichert hat. Wie Susanne Aigner-Drews eingestehen musste, sind die Verhandlungen mit Sky ins Stocken geraten. Somit ist unklar, wie das Angebot hinsichtlich künftiger Abo-Preise und Paketierung aussieht. Offensichtlich sind die gesamten Kooperationskonditionen wenige Monate vor dem Wiederanpfiff der Bundesliga nicht geklärt.

"Wir betrachten Verhandlungen immer als Dialog", sagte die deutsche Discovery- und Eurosport-Geschäftsführerin aktuell über mögliche Vereinbarungen mit Sky. Auf Feedback auf die Angebote, die sie und ihre Kollegen der Pay-Plattform unterbreitet haben, wartet sie jetzt offenbar schon längere Zeit. Ausgang: offen. Als Notnagel möchte sie den Eurosport Player zwar nicht verstanden wissen, er könnte in der Vermarktung aber zum Plan B werden, falls Sky kein alternatives Bundesliga-Angebot zu dem eigenen zulassen möchte.

Abschlüsse mit weiteren Plattform-Partnern für das künftige Eurosport-Bundesliga-Angebot wollte (oder konnte) sie aktuell ebenfalls nicht bestätigen. Man befinde sich eben in einem unruhigen Markt - und gehe disruptiv vor, heißt es bei Eurosport. Kein Wunder, dass man sich da keine Freunde macht. 

Trotzdem müssen natürlich auch für die Bundesliga-Übertragungen Strukturen geschaffen werden, die jetzt ebenfalls etwas klarer wurden: Alle Sendungen stehen unter der neuem Motto "Eurosport Matchday". Ein Teil davon wird neben dem Pay-Angebot Eurosport 2 auch frei empfangbar bei Eurosport 1 zu sehen sein - darunter Highlight-Zusammenfassungen. Außerdem wird auch auf Eurosport 1 die Nachberichterstattung zu den Spiel zu sehen sein.

Nun wurden die Kommentatoren für die Partien bekannt: Diese besetzt Eurosport mit Marco Hagemann und Matthias Stach aus den eigenen Reihen. Im Januar wurde bereits die Verpflichtung von Matthias Sammer bekannt, der als Experte mit Jan Henkel ein Team bilden soll. 

Neu an Bord kommt Christian Ortlepp: Der 44-jährige Bundesliga-Experte, der über ein gutes Netzwerk verfügen soll, berichtet seit 1993 für Radio Gong, Premiere, den ehemaligen Frauensender tm3 sowie zuletzt Sport1 vom Rasen. Er soll bei Eurosport plattformübergreifend als Reporter eingesetzt werden - auch abseits der Spieltage. Zudem wird er eigene redaktionelle Inhalte entwickeln und erstellen. 

Hintergrund: Eurosport versteht sich nicht nur als führende europaweite Sport-Plattform, sondern darf sich offiziell ab sofort "Home oft the Olympics" nennen, weil sich die Sendermutter Discovery die weltweiten Olympia-Übertragungsrechte ab 2018 gesichert hatte. In Deutschland ist Eurosport mit dem frei empfangbaren Sportsender Eurosport 1 sowie dem Pay-Angebot Eurosport 2 vertreten, das über Sky vertrieben wird, und dem digitalen Eurosport Player vertreten. Geschäftsführerin in Deutschland ist Susanne Aigner-Drews. Der frühere Presse-Chef Werner Starz ist Director Product Development für Eurosport bei Discovery.

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