"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Zee.One-Chefin Friederike Behrends von Indern das Improvisieren gelernt hat

 

Bollywood - in München: Seit Juli 2016 verfolgt Friederike Behrends, Geschäftsführerin von Zee.One, leidenschaftlich das Ziel, deutsche Free-TV-Zuschauer für indische Kinohits, Tanzfilme und Serien zu begeistern. Passion braucht sie im Tagesgeschäft, immerhin muss sie über Kontinente und Zeitzonen hinweg Kontakt zum indischen Medienriesen halten. Im kressköpfe-Interview zieht sie eine erste Ein-Jahres-Bilanz.

kress.de: Frau Behrends, im Juli feiert Ihr Sender Zee.One den ersten Geburtstag. Wie kam Ihnen im Rückblick das erste Jahr als Senderchefin vor - mehr Bolly-Action oder Bolly-Love?

Friederike Behrends: Es war sowohl Bolly.Action als auch Bolly.Love - genau wie unser Programm. Im ersten Jahr eines Senders gibt es naturgemäß viel Arbeit, kein Tag ist wie der andere. All dies ist aber sicherlich normal. Bei uns kam aber noch das internationale Zusammenarbeiten mit all seinen Herausforderungen dazu: von Mumbai oder Noida bis zu London oder Dubai, von Kalkutta bis zu Los Angeles und alles dann wieder zusammengeführt in München. Überall sitzen Mitarbeiter verschiedenster Kulturen, die dazu beitragen, das bei uns Zee.One für den deutschsprachigen Raum zu Verfügung gestellt werden kann. Das bedarf vieler Verständigungen, die manchmal aufgrund von Kulturunterschieden, Sprachbarrieren oder völlig unterschiedlicher Workflows nicht einfach zu bewerkstelligen sind. Das Schöne ist, das wir alle bei allen Schwierigkeiten ein gemeinsames Ziel haben: Zee.One einen festen Platz in den Herzen der Zuschauer einzuräumen. Und es gilt das Motto von Zee TV: The world is one family.

kress.de: Was hatte Sie an der spannenden Aufgabe, ursprünglich gereizt und in wie weit konnten Sie Ihre Ziele umsetzen?

Friederike Behrends: Zee.One zu starten und zu leiten ist eine einmalige Aufgabe. Noch nie hat eines der größten indischen Medienunternehmen in der Art in den deutschen Medienmarkt investiert - eine solche Chance zu haben, ist ein Glücksfall. Gereizt hat mich das internationale Arbeiten, die Chance und Herausforderung, etwas völlig Neues im deutschen TV Markt mit all seinen doch sehr festgefügten Gegebenheiten aufzubauen und zu etablieren. Helfen tut hier auch mein digitaler Hintergrund, da wir mit den sehr gut laufenden digitalen Produkten wie z.B. der Bolly.Thek, Vorbildprojekte auch für die Zee Gruppe aufgebaut haben und aufbauen werden. Es war von Anfang an klar, dass es nicht einfach sein wird, einen ganz neuen Free-TV-Fernsehsender mit einer völlig neuen Programmfarbe auf einem nicht gelernten Sendeplatz in Deutschland zu etablieren. Und wir wissen alle, was es bedeutet, wenn erst einmal ein Sendersuchlauf gestartet werden muss, ehe ich einen Sender empfangen kann. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das von uns meist erstmalig in Deutschland gezeigte Programm mit all seinen - in anderen Ländern Mega-Stars - und den wunderbaren Geschichten und Hintergründen muss erst gelernt werden und in der Masse ankommen. Wir haben eine treue und sehr engagierte Fangemeinde, worauf wir sehr stolz sind. Und wir hatten einen super Start. Jetzt gilt es, das Programm weiter auszubauen und unsere Bekanntheit noch zu steigern. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser einzigartiges Programm, im wahrsten Wort für alle Sinne, ein fester Bestandteil in den deutschen Haushalten sein wird. Wir arbeiten sowohl am Ausbau der Marke, dem Programm und werden bald auch wieder mit einer größeren Marketingkampagne in den deutschen Markt gehen.

kress.de: Sie arbeiten eng mit indischen Eignern und Lizenzgebern zusammen. Wie viel haben Sie in der Zwischenzeit über interkulturelle Managementstile gelernt?

Friederike Behrends: Indische Manager improvisieren mehr, wir Deutschen planen ja sehr gerne sehr lange im Voraus und sind sehr strukturiert. Die Kommunikation mit unseren indischen Kollegen ist viel beziehungsintensiver. Das heißt es ist wichtig, viel öfter zum Telefon zu greifen und sich mündlich zu verständigen als Mails zu schreiben. Die persönliche Ansprache ist wichtig, gerade auch um die unterschiedlichen Herangehensweisen zu verstehen und darauf reagieren zu können. Nicht alle Workflows, die Zee TV in ihrem großen schon 172 Länder umfassenden Fernsehimperium hat, lassen sich auf Deutschland übertragen. Das ist manchmal nicht ganz einfach, da für Deutschland dann extra Workflows eingerichtet werden müssen. Dabei kann man gut erkennen, wie automatisiert und durchstrukturiert bei uns die einzelnen Schritte sind. Das ist für die indischen Kollegen nicht immer einfach. Es wird viel mehr noch mit Excel-Listen oder händisch gearbeitet. Das Schöne daran ist, dass wir alle viel voneinander lernen, manche Dinge dauern dabei allerdings auch länger.

kress.de: Auch mit viel Berufserfahrung kann man ja nur eine bestimmte Anzahl von Wochenarbeitsstunden unterbringen. Woher nehmen Sie Ihre Energie für die herausfordernde Arbeit im überschaubaren deutschen Team?

Friederike Behrends: Ich liebe meine Arbeit, ich arbeite unglaublich gerne mit meinem Team zusammen und es ist für mich bereichernd, interkulturell arbeiten zu können. All das gibt mir Energie.

kress.de: Sie sind in der Medien-, vor allem der TV-Landschaft seit Jahren gut vernetzt. Wenn Sie einmal zurückblicken: Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Lebenslauf haben sich besonders für die Arbeit bei Zee.One bewährt gemacht?

Friederike Behrends: Ich habe in unterschiedlichen Branchen und in verschiedenen Unternehmensgrößen, vor allem bei Axel Springer und der WDR Mediagroup, auch immer im digitalen Bereich, mit unterschiedlichen Menschen zusammengearbeitet. Das half mir, mich schnell auf die neue Situation einstellen zu können. Mit dem Start des schwedischen Startup Anbieters Magine hatte ich darüber hinaus auch Erfahrung, wie man ein Unternehmen von Grund auf neu aufbaut und einen völlig neuen Player nach Deutschland bringt. Wichtig ist die Erfahrung, dass man immer auch eine Lernende ist und man sich den Mut und die Kraft bewahren sollte, vermeintlich feste Strukturen oder Überzeugungen noch einmal neu zu denken. Auch Fehler zu machen gehört dazu. Kreativität, Überzeugungsstärke, Durchsetzungskraft und nicht zu vergessen, ein starkes Team- das alles gehört natürlich auch dazu.

kress.de: Sie haben schon länger ein kress.de-"Köpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Friederike Behrends: Nützlich: Ich kann meine Kontakte nachverfolgen, sehen wer inzwischen wo arbeitet. Außerdem ist ersichtlich, wer wohin wechselt. Vor allem die Verknüpfung mit Artikeln finde ich sehr gut.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfen würden Sie sich - idealerweise über die kress.de-"Köpfe" - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Friederike Behrends: Da gibt es sehr viele und zwar immer zu unterschiedlichen Themen und Bereichen. Wird das ein neues Feature auf kressköpfe? Insofern wäre es wünschenswert, hier mehr Interaktionsflächen zu schaffen.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Friederike Behrends: Ich bin ein großer Fan der "Cases": Hier bekomme ich sehr übersichtlich aufbereitet, wie Unternehmen - auch jenseits der TV-Branche - an bestimmte Themen herangehen. Der Blick über den Tellerrand ist mir, und das gilt grundsätzlich, enorm wichtig. Nur so kann man erfolgreich im Geschäft sein.

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Ihre Kommentare
Kopf

Irene Reindl

16.08.2017
!

Mein Eindruck: Es wird in erster Linie gestümpert. Man bekommt seit Monaten in Endlosschleife dieselben Filme zu sehen (wovon die meisten schon alle in Deutschland gelaufen sind) und Serien wie Jodha Akbar werden bis zur kompletten Unkenntlichkeit verstümmelt und zusammengeschnitten und immer wird der "Jugendschutz" als Begründung für das Herausschneiden völlig harmloser aber wichtiger Dialoge und Handlungen bemüht. Auf diese Weise verliert man die Zuschauer, die sich wirklich gefreut hatten.


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