Geschäftsführer Clemens Pig: "Der Entwicklungsraum der APA ist der deutschsprachige Raum"

18.05.2017
 

Die Nachrichtenagentur Austria Presse Agentur expandiert als IT-Dienstleister nach Deutschland und in die Schweiz, bestätigt Geschäftsführer Clemens Pig. Angelpunkte sind ein Joint Venture mit der dpa und der 50-Prozent-Anteil an der Bildagentur Keystone.

Im Interview mit dem "Österreichischen Journalist" (Ausgabe 4/5 2017) spricht Clemens Pig, Chef der Austria Presse Agentur, über die Technologie-Offensive bei zwei Nachbarn.

Der "Österreichische Journalist": Die APA ist mit 50 Prozent an der schweizerischen Bildagentur Keystone beteiligt. Diese spielt dem APA-Konzern mit 15,1 Millionen Euro ein Fünftel des Umsatzes ein. Hat Österreichs nationale Presseagentur internationale Ambitionen?

Clemens Pig: Die Diversifizierungs- und Internationalisierungsstrategie der APA adressiert aktuell und mittelfristig ganz klar die Märkte Deutschland und Schweiz.

DÖJ": Zusammen mit Österreich also die drei deutschsprachigen Staaten Mitteleuropas.

Clemens Pig: "Ja. Die APA will, was ihre bestehenden Geschäftsfelder betrifft, als Technologiedienstleister noch mehr in die genannten Märkte expandieren. Der Entwicklungsraum der APA ist der deutschsprachige Raum. Das macht vieles einfacher. Außerdem bewirkt der gemeinsame Sprachraum für unseren Forschungsraum Technologie einen Vorsprung gegenüber den US-amerikanischen Unternehmen. Diese fokussieren auf die großen Weltsprachen. Im Forschungsbereich hinkt die deutsche Sprache bei diesen Unternehmen immer etwas hinterher. Da entsteht für uns eine Nische, die wir mit unseren Forschungsaktivitäten in der Technologie, wenn es um Trending Topics oder Automatic Abstracting von Nachrichteninhalten geht, gut besetzen können. In Summe thematisiert die Internationalisierung der APA die Technologie im deutschen Sprachraum.

"DÖJ": Nur "thematisieren“ oder im Sinn der Diversifizierung ein neues Geschäft anbahnen?

Clemens Pig: Bei der Umsetzung dieses Zieles liegen die Möglichkeiten mehr in Kooperationen und Joint Ventures als im Aufbau von teuren Vertriebsbüros in der Schweiz und in Deutschland. Da kooperieren wir in erster Linie mit den jeweiligen nationalen führenden Nachrichtenagenturen dpa und der Schweizerischen Depeschenagentur SDA. Diese verfügen über die Marktzugänge in den jeweiligen Heimatmärkten. Das ist für alle Beteiligten eine Win-win-Situation.

"DÖJ": Die Möglichkeit, technologische Produkte, also beispielsweise Software für Medien, dort zu verkaufen, macht sich jetzt schon bezahlt?

Clemens Pig: Wir haben vor wenigen Jahren mit der dpa das Joint Venture dpa-digital services gegründet, das wir paritätisch führen. Dieses konzentriert sich auf den Vertrieb und die Lizenzierung von Apps für Medienkunden in Deutschland auf Basis der Mobile-Publishing-Suite der APA. In unserem Fokus sind mittelständische Verlagshäuser in Deutschland, von denen wir derzeit 20 Verlage als Vertragspartner haben. Die Mobile-Publishing-Suite steht mittlerweile hinter rund 100 Medienpublikationen. Der Bedarf ist also gegeben, und wir werden diese Produktlinie der Apps durch weitere Services ergänzen, beispielsweise um Videoplayer-Technologie, aber auch um unsere hochentwickelte Informationsplattform APA-Onlinemanager, den wir in Österreich im Einsatz haben.

"DÖJ": Da gewinnen Sie Dauerkunden, denen Sie in der Folge immer auch Updates oder überhaupt Neues nachliefern?

Clemens Pig: Ja. Vor einigen Jahren hat die Reise damit begonnen, dass wir schlichtweg das E-Paper über Apps und mobile Endgeräte ausspielten. In der Zwischenzeit wurde das durch laufende Feeds und Features angereichert. Die Verlage haben z. B. die Möglichkeit, mit der App eigene Fachbeilagen durch digitale Produkte zu refinanzieren

"DÖJ": In der Jahresbilanz 2015 ist zu lesen, dass das APA-Wachstum zu 75 Prozent auf die Erträge der schweizerischen Gesellschaften Keystone und deren 100-Prozent-Tochter PPR Media Relations zurückzuführen sei. Ist der Einstieg bei Keystone zum Asset geworden?

Clemens Pig: 2015 war das Wachstum aus Sicht der Schweiz durchaus in guter Größenordnung. Derzeit ist es so, dass rund 20 Prozent des APA-Konzernumsatzes bereits im Ausland erwirtschaftet werden.

"DÖJ": Keystone ist in dieser Gruppe offenbar der größte Brocken?

Clemens Pig: Keystone ist in der Schweiz ein sehr renommiertes Unternehmen mit einem Umsatz von 15,1 Millionen Euro. Die dpa-digital services ist bei einem Eigentümerverhältnis 50 zu 50 dahingehend ein neu gegründetes Unternehmen. Das erklärt die Größenunterschiede. 

kress.de-Tipp: Das Interview ist ein Auszug aus dem "Östereichischen Journalist". Was APA-Chef Clemens Pig über Kostensparprogramme und Gehälter in der Schweiz sagt, lesen Sie in der Ausgabe 4/5 2017, die in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt und im iKiosk erworben werden kann.

"Der Österreichische Journalist" (Chefredakteur: Georg Taitl, Herausgeber: Johann Oberauer, Georg Taitl) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Der hier zitierte Artikel "APA-Technologie-Offensive bei zwei Nachbarn" stammt von "DÖJ"-Autor Engelbert Washietl.

 

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