Statista-Chef Friedrich Schwandt: "Wir gehen einen ähnlichen Weg wie Netflix, das immer stärker selbst produziert"

07.06.2017
 

Seit zehn Jahren verkauft Statista erfolgreich Statistiken und Studien und wächst und wächst. Inzwischen wird das weltweit expandierende Unternehmen immer mehr selbst zum Marktforscher.

Die Idee des 2007 gegründeten Dienstes Statista ist einfach: Youtube verdient Geld, indem es Videos sammelt und kategorisiert. Eine Agentur wie iStock überträgt das Prinzip auf Fotos und Aggregatoren von Informationen wie Genios auf Texte. Warum sollte sich das Geschäftsmodell nicht auch auf Studien- und Marktforschungsergebnisse übertragen lassen? "Uns fiel damals auf, dass sich niemand um die Aggregation von Statistiken kümmerte", erinnert sich Statista-Geschäftsführer und -Mitgründer Friedrich Schwandt in "kress pro". Geschäftskunden, Privatleuten und Forschern die Möglichkeit zu bieten, zentral auf einer Onlineplattform verstreut existierende Statistiken zu unterschiedlichen Themen gegen Gebühr einzusehen, entpuppte sich als Marktlücke. 

Heute erzielt Statista einen Umsatz von jährlich rund 20 Millionen Euro und wuchs im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent. Es verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über mehr als eine Million Statistiken plus Studien und Dossiers zu 80.000 verschiedenen Themen aus mehr als 18.000 Quellen. 93 Prozent der Inhalte sind kostenpflichtig.

Statista ist bestrebt, den Anteil eigenständig erhobener Daten deutlich zu erhöhen. Eigene Befragungen werden insbesondere in den Bereichen Digitale Märkte und Konsumentenmärkte unternommen. Das Vorgehen vergleicht Schwandt mit der Strategie der Online-Videothek Netflix. Die Hamburger analysieren, welche Themen besonders nachgefragt werden, ob dazu genügend Informationen aus Drittquellen zur Verfügung stehen oder ob es sinnvoll ist, zu diesen Themen eigene Daten zu erheben. Schwandt: "Wir gehen einen ähnlichen Weg wie Netflix, das immer stärker selber produziert, entweder weil nicht ausreichend gute Inhalte vorhanden sind oder weil die vorhandenen zu teuer sind, um sie günstig zu lizenzieren." Optimal sind Auswertungen, wenn sie sowohl relevante Ergebnisse in Bezug auf ökonomische Entwicklungen liefern als auch relevante Ergebnisse für die Berichterstattung in Medien haben können.

kress.de-Tipp: Mehr über das Geschäftsmodell, das Angebot, die Internationalisierung und die Erfolgsfaktoren von Statista im Case aus der "kress pro"-Augabe 3/2017. Lassen Sie sich inspirieren! Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo. Autor des Statista-Cases "Wegweiser durch den Zahlendschungel" ist Uwe Förster.

 

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