"Jeder weiß, wann und wo er am produktivsten ist": Wie flexibles Arbeiten bei Microsoft Deutschland gelingt

08.06.2017
 

Viele Mitarbeiter wünschen sich, öfter von zu Hause aus zu arbeiten, oder sind ohnehin ständig unterwegs. Microsoft Deutschland zeigt, welche Regeln es braucht, damit das Arbeiten ohne feste Büroplätze gelingen kann. Erste Verlage experimentieren bereits damit.

In der Deutschland-Zentrale von Microsoft in München gibt es keine festen Arbeitsplätze mehr - ob PR-Praktikant oder Geschäftsleitung: "Jeder, der morgens ins Büro kommt, entscheidet sich, welches Arbeitsumfeld für die aktuelle Aufgabe am sinnvollsten ist - brauche ich heute einen stillen Einzelarbeitsplatz oder den Austausch mit anderen?", sagt Maren Michaelis, Communications Manager Employer Branding & Relocation bei Microsoft Deutschland GmbH, gegenüber "kress pro".

Für 1.900 Mitarbeiter stehen nur 1.100 Arbeitsplätze zur Verfügung - vom klassischen Schreibtisch bis hin zum Team-Sofa. Die Zahlen zeigen: Nein, es wird absolut nicht erwartet, dass alle Mitarbeiter täglich ins Büro kommen. "Das flexible Arbeiten bei Microsoft folgt dem Grundgedanken: Jeder weiß, wann und wo er am produktivsten ist. Es gibt keine Pflicht, Zeit im Büro abzusitzen", sagt Michaelis. In der Münchner Zentrale arbeiten 90 Prozent der Mitarbeiter örtlich flexibel. "In der PR-Abteilung zum Beispiel gibt es jeden Morgen eine Redaktionskonferenz. An der kann man physisch vor Ort teilnehmen oder sich mit Skype einwählen."

Das Unternehmen hat Regeln für Arbeitgeber und Arbeitnehmer formuliert und kommuniziert, die das Gelingen der neuen Arbeitswelt sichern sollen. Ein wichtiger Punkt sind klare Vereinbarungen und transparente Rahmenbedingungen. "Für Führungskräfte ist es wichtig, ihre Erwartungshaltung zu überprüfen", sagt Microsoft-Frau Michaelis. "Es kann durchaus sein, dass ein Manager noch abends am Laptop sitzt und um 22 Uhr Mails schreibt, weil er sich tagsüber beispielsweise um die Kinder gekümmert hat. Doch dann muss er auch sicherstellen, nicht die unterschwellige Erwartungshaltung zu vermitteln, dass der Mitarbeiter auch unmittelbar antwortet." Sie fasst zusammen: "Führungskräfte müssen Erwartungen und die Aufgaben an die Mitarbeiter ein Stück weit noch deutlicher formulieren als in nicht flexiblen Arbeitsmodellen." Dies sei nicht mit einer Rund-Mail mit Teamaufgaben getan, sondern es müsse jeweils ein individueller Weg der klaren Kommunikation gefunden werden.

Wichtig sei auch die Fürsorgepflicht gegenüber den Kollegen: "Die Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter gut kennen", sagt Michaelis. "Ist es normal, dass die Mitarbeiterin immer abends um 21 Uhr noch Mails schreibt? Ist dies ihr persönlicher Arbeitsstil oder ist sie derzeit von ihrem Arbeitspensum überlastet?", beschreibt Michaelis eine solche Situation. Eine Führungskraft müsse dies richtig einschätzen und gegebenenfalls eingreifen können.

Die Microsoft-Frau betont gegenüber "kress pro", dass niemand zum Home-Office gezwungen werde oder sich verpflichtet fühlen müsse, Arbeitszeit außerhalb des Büros zu verbringen. Denn: Für Mitarbeiter, die allgemein ein sehr großes Bedürfnis nach sozialer Interaktion haben oder die enge Ansprache und Anleitung bevorzugen, sei die Arbeit im Home-Office nicht ideal. "Auch hier gilt das Prinzip des Vertrauens und der Eigenverantwortung", sagt Michaelis. Mitunter werden flexible Arbeitsmodelle als "Belohnung" für besondere Leistungen eingesetzt - bei Microsoft betrachtet man dies als Fehler und falschen Anreiz. Es sollte aufgrund der persönlichen Stärken, Arbeitsweisen und Aufgaben entschieden werden, ob Home-Office für einen Mitarbeiter sinnvoll sei oder nicht.

kress.de-Tipp: Der hier zitierte Text von Christina Gruber ist ein Auszug aus dem Case "Flexibel in die Fernbeziehung" aus "kress pro"-Ausgabe 3/2107. Darin wird auch die Kosten-Ersparnis beziffert, die Microsoft die Umstellung auf flexible Arbeitsplätze brachte und das soziale Netzwerk genannt, das die Mitarbeiter zur internen Kommunikation benutzen. Ferner informiert der "kress pro"-Case, wie die Medienhäuser Axel Springer und Burda mit flexiblen Arbeitsmodellen experimentieren. Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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