Promibesuche, Chefredakteurs-Gespräche, Leserforschung: Wie die Bauer-Journalistenschule die Yellow-Ausbildung professionalisiert

 

Jeder liebt Klatsch. Aber was müssen Journalisten tatsächlich können, damit sie ihre Leserinnen und Leser erfolgreich unterhalten? 

Die Bauer-Journalistenschule zeigt mit ihrer Yellow-Initiative die Bedeutung der unterhaltenden Frauenzeitschriften für das Hamburger Medienhaus auf. Zwei Wochen dreht sich dann an der Journalistenschule alles um die gesellschaftliche Relevanz der Yellows, der Zeitschriften, die alle irgendwann irgendwo (beim Friseur, beim Arzt) lesen, aber natürlich nie in der Hand halten.

Das klare Ziel lautet dabei, den Nachwuchs-Journalisten noch besseres Rüstzeug mit auf den Berufsweg zu geben - und ihnen die Berührungsängste zu nehmen. Dafür nutzt die Journalistenschule der Bauer Media Group ihr großes internes Netzwerk und hat gleich zur Premiere ein intensives Programm auf die Beine gestellt. In einem zweiwöchigen Ausbildungsblock standen unter anderem das Verhältnis vom Medium zum Star, Presserecht und journalistische Grundzüge im Yellow-Segment im Mittelpunkt.

Weil bei Bauer die praktische Seite der Ausbildung immer eine wichtige Rolle spielt, konnten die Journalistenschüler auch direkt Prominente treffen. Beim Set-Besuch der ARD-Serie "Rote Rosen" sprachen sie mit Regisseur Patrik Fichte und einigen Schauspielern der Serie, "Traumschiff"-Star und Buchautor Marek Erhart sprach über die Dreharbeiten bei der beliebten ZDF-Serie, "Bauer-sucht-Frau"-Kultpaar Josef und Narumol gaben Einblicke in ihr Leben und Schauspieler Sky du Mont sprach über das Verhältnis von Presse und Star.

"Menschen interessieren sich für nichts mehr als für andere Menschen. Die Yellow Press bedient dieses Bedürfnis traditionell professionell und traditionell erfolgreich", erklärt Ingo Klinge in einem kress.de-Gastbeitrag. Er verantwortet als Verlagsgeschäftsführer bei Bauer den Women-Bereich, dazu gehören auch zahlreiche unterhaltende Frauenzeitschriften wie "Neue Post", "Das Neue Blatt" oder "Adel exklusiv".

Der Markt der Yellow-Titel gehört mit über 50 Zeitschriften in Millionenauflage Woche für Woche zu den wichtigsten Umsatztreibern am Kiosk. Dabei reicht die Bandbreite von vierwöchentlich erscheinenden Magazinen, die von Mini-Teams erstellt werden, bis hin zu den großen Redaktionen, die vor allem in Hamburg oder München angesiedelt sind.

Wie wohl kaum ein anderes Verlagshaus beschäftigt sich Bauer dabei intensiv mit den Wünschen seiner Leserinnen und Leser. So beruhe die extreme Nachfrage und damit der große Erfolg des Genres "nicht auf einem oberflächlichen Bedürfnis nach Unterhaltung oder etwa nach Klatsch und Tratsch. Aus der Leserforschung der vergangenen Jahre wissen wir, dass die Funktionen des Genres deutlich tiefer gehen", verdeutlicht Klinge. So würden neben zentralen psychologischen Aspekten wie beispielsweise einer Entlastungsfunktion oder der Spiegelungen wichtiger Sehnsüchte heute auch gesellschaftspolitische Aspekte im Zentrum stehen.

Für seine Yellow-Initiative hat die Bauer-Journalistenschule die drei wichtigsten Yellow-Chefredakteure im Haus an Bord geholt. "Junge Talente, die bei einem Yellow-Titel arbeiten möchten, brauchen vor allem Neugierde, Hartnäckigkeit und ein großes Interesse an den Promis und Royals", sagt Petra Hansen-Blank, Chefredakteurin von "Das neue Blatt" und Mitglied des Kuratoriums der Journalistenschule. Lust am Klatsch, Humor und ein "Grundstock an Kreativität" erwartet Roland Hag, Chefredakteur von "Neue Post", im Gespräch mit kress.de vom journalistischen Nachwuchs. "Keine Scheu vor Prominenten", einen guten Blick für Fotos und den Wunsch, die Leser mit emotionalen Geschichten zu unterhalten sollten Nachwuchsjournalisten aus Sicht von Chefredakteur aus Sicht von Chefredakteur Dittmar Jurko (verantwortet unter anderem Bauer Stars & Stories Experts) mitbringen.

Pro Ausbildungsjahrgang werden an der Bauer-Journalistenschule 25 bis 30 Journalistenschüler in den Schwerpunkten Text, Grafik und Foto ausgebildet. Seit Gründung der Journalistenschule im Juli 2011 haben etwa 100 Journalistenschüler ihren Abschluss gemacht, 75 Prozent aller Absolventen haben danach direkt einen Job bei einer der Bauer-Zeitschriften bekommen, andere arbeiten als freie Journalisten, sind zu anderen Medien gewechselt oder haben sich noch für ein Studium entschieden.

Während der 24-monatigen Ausbildung lernen die Journalistenschüler insgesamt zwölf Monate in einer Stamm-Redaktion; jeweils zwei Monate hospitieren sie bei Zeitschriften aus weiteren Segmenten sowie in einer Online-Redaktion und bei einer Tageszeitung; insgesamt vier Monate werden sie in Theorie-Seminaren unterrichtet - von erfahrenen Praktikern der Bauer Media Group, aber auch von externen Dozenten, beispielsweise von der Hamburger Akademie für Publizistik. Die Maxime des Lehrplans lautet dabei stets "aus der Praxis für die Praxis". Abgerundet wird das Programm unter anderem durch Fachvorträge, Diskussionsabende und die vollständige Entwicklung eines eigenen Magazins durch die Journalistenschüler - so ist beispielsweise die Kochzeitschrift "mutti kocht am besten" aus einer Abschlussarbeit entstanden.

An der Bauer-Journalistenschule werden "Persönlichkeiten mit Talent" gesucht. Wichtig ist eine Leidenschaft für Medien, Vorerfahrungen im journalistischen Bereich, visuelles Verständnis, Kreativität, Teamfähigkeit und Offenheit. Zwar wird mindestens Abitur bei den Bewerbern vorausgesetzt: "Die Fähigkeit, die Leser oder User anzusprechen, ist in jedem Fall wichtiger als formale Abschlüsse, Noten oder Zeugnisse", heißt es in Hamburg.

Dem Kuratorium der Bauer-Journalistenschule gehören die erfahrenen Journalisten Uwe Bokelmann, Petra Hansen-Blank und Sabine Ingwersen an.

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