"Das neue Blatt"-Chefredakteurin Petra Hansen-Blank: "Junge Talente dürfen keine Berührungsängste haben"

 

Was müssen Nachwuchsjournalisten mitbringen, um eine erfolgreiche Karriere als Yellow-Journalist zu machen? Nachgefragt bei Petra Hansen-Blank, Chefredakteurin von "Das neue Blatt".

kress.de: Wenn Sie Blatt machen, welche Emotionen wollen Sie bei den Lesern auslösen?

Petra Hansen-Blank: Beim Blattmachen geht es uns darum, bei den Leserinnen und Lesern Begeisterung, Freude und Zufriedenheit auszulösen. Gleichzeitig sind wir für sie auch eine Art Lebenshilfe: Indem sie beim Lesen Mitgefühl empfinden, können sie sich von ihrem eigenen Leid und ihren Problemen ablenken. Über all diesen Intentionen steht aber natürlich die Unterhaltung: Unsere Leser sollen sich vor allem gut unterhalten fühlen.

kress.de: Warum sind Sie eigentlich Boulevard-Journalistin geworden?

Petra Hansen-Blank: Ich hatte nie wirklich Interesse an saisonal bedingten Standard-Themen. Meine Motivation war immer mein Interesse an Menschen und ihren Geschichten. Gute Recherchen, spannende Interviews mit Promis, über die man spricht, die einen Großteil der Leserinnen bewegen. Hintergründe zu erforschen, sowohl aus der Welt der Stars als auch der Royals. Das ist immer aufregend und abwechslungsreich.

kress.de: Noch immer gibt es Journalisten, die von sich sagen, dass sie niemals für ein Yellow-Magazin schreiben würden. Können Sie das verstehen?

Petra Hansen-Blank: Diese Journalisten hegen die typischen Vorurteile gegenüber Yellow, die wir alle kennen: Geschichten sind erlogen und übertrieben, da werden keine echten Interviews gemacht, so etwas lesen doch nur Omis, die Ausstattung der Hefte ist billig... Ich kann das nicht verstehen, denn es entspricht nicht der Wahrheit.

kress.de: Wer heute an den Journalistenschulen rumfragt, bekommt von den Volontären ebenfalls noch häufig die Antwort, am liebsten in eine Politikredaktion oder in die Wirtschaft zu wechseln. Warum haben junge Leute zu selten Yellows im Blick, wenn es für den eigenen Karriereweg geht?

Petra Hansen-Blank: Weil die Schüler generell zu wenig Berührung mit diesem Genre haben. Viele sind dann begeistert, wenn sie erst einmal in die Welt der unterhaltenden Frauenzeitschriften reingewachsen sind.

kress.de: Was müssen junge Leute heute mitbringen, um eine erfolgreiche Karriere im Yellow-Segment zu machen?

Petra Hansen-Blank: Junge Talente, die bei einem Yellow-Titel arbeiten möchten, brauchen vor allem Neugierde, Hartnäckigkeit und ein großes Interesse an den Promis und Royals. Sie müssen offen sein für alles, dürfen keine Berührungsängste haben und sollten ein starkes Interesse und Spaß an den Celebrities mitbringen. Ich nenne es auch Trüffelschweinchen-Mentalität. Die unbedingte Identifikation mit der Zielgruppe ist entscheidend.

kress.de: Was sagen Sie eigentlich Kritikern, die Yellows vorwerfen, die Welt nur kunterbunt zu sehen und Storys überspitzen und nicht richtig wiedergeben?

Petra Hansen-Blank: Unsere Yellow-­Magazine sind bei den Lesern sehr beliebt. 15 Millionen Deutsche lesen regelmäßig eine Yellow-­Zeitschrift. Menschen interessieren sich für Menschen, das wird immer so sein. Dieses journalistische Segment hat Zukunft.

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