Chefredakteur Roland Hag: "Wer sagt denn, dass die Welt nicht kunterbunt ist?"

 

"Es ist ungleich schwerer, Emotionen schnell und kurz rüberzubringen. Im Grunde ist das doch die Königsdisziplin oder die Kür. Alles andere ist Handwerk", sagt "Neue Post"-Chefredakteur Roland Hag im kress.de-Interview.

kress.de: Wenn Sie Blatt machen, welche Emotionen wollen Sie bei den Lesern auslösen?

Roland Hag: Welche Emotionen ausgelöst werden, hängt von der Person, der Geschichte und unserer Einordnung der Geschichte ab. Wichtig ist doch, dass überhaupt Emotionen mit einer Geschichte geweckt werden. Und das können Freude, Mitgefühl, Ärger oder einfach nur Zustimmung oder Kopfschütteln sein. Das kann lange nicht jeder.

kress.de: Warum sind Sie eigentlich Boulevard-Journalist geworden?

Roland Hag: Es klingt zwar nach einem Allgemeinplatz, aber es ist so: ich habe mich immer für Menschen und ihre Geschichten interessiert. Ich liebe es, Begebenheiten einzuordnen, zu bewerten. Dies ist nun mal interessanter als über die Haushaltssitzung des Landtages zu berichten. Reportagen, tolle Interviews, der Blick in die Welt - das macht einfach ungeheuren Spaß.

kress.de: Noch immer gibt es Journalisten, die von sich sagen, dass sie niemals für ein Yellow-Magazin schreiben würden. Können Sie das verstehen?

Roland Hag: Klar kann ich das verstehen: Wenn man es nicht kann, sollte man die Finger davon lassen. Und solche Aussagen haben auch etwas hochnäsiges, denn wer sich wirklich mit unserem Geschäft beschäftigt weiß, dass es ungleich schwerer ist, Emotionen schnell und kurz rüberzubringen, als alles andere. Im Grunde ist das doch die Königsdisziplin oder die Kür. Alles andere ist Handwerk.

kress.de: Wer heute an den Journalistenschulen rumfragt, bekommt von den Volontären ebenfalls noch häufig die Antwort, am liebsten in eine Politikredaktion oder in die Wirtschaft zu wechseln. Warum haben junge Leute zu selten Yellows im Blick, wenn es für den eigenen Karriereweg geht?

Roland Hag: Junge Menschen bzw. viele Menschen sind ganz oft viel zu abhängig von ihrem eigenen Image bei Freunden oder der Familie. Das ist im Grunde ein Zeichen von Unsicherheit.

kress.de: Was müssen junge Leute heute mitbringen, um eine erfolgreiche Karriere im Yellow-Segment zu machen?

Roland Hag: Mitbringen müssen sie das bereits genannte Interesse an anderen Menschen. Außerdem ist die Lust am Klatsch nicht schlecht und sie müssen Humor haben. Das ist ein wichtiger Grundstock für Kreativität. Auch eine gewisse Lebenserfahrung ist wichtig.

kress.de: Was sagen Sie eigentlich Kritikern, die Yellows vorwerfen, die Welt nur kunterbunt zu sehen und Storys überspitzen und nicht richtig wiedergeben?

Roland Hag: Wer sagt denn, dass die Welt nicht kunterbunt ist? Und was heißt kunterbunt überhaupt? Vielseitig, unterschiedlich und voller Überraschungen? Dann ist auch Neue Post kunterbunt. Manchmal füttern wir die Geschichten mit Spekulationen an. Aber das sind glaubhafte Spekulationen mit einem wahren Anlass. Es ist einfach falsch und sehr arrogant, pauschal zu behaupten, dass bei uns alles nur erlogen sei. Aber lassen sie mich mal arrogant sein: Wir können gerne mal unsere Auflagenzahlen mit denen unserer Kritiker vergleichen... Das heißt natürlich nicht, dass uns die Masse immer jedes Recht gibt, aber wir haben eine größere Berechtigung im Markt, als es viele der selbstgerechten Kritiker wahrhaben wollen.

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