Chefredakteur Dittmar Jurko: "So bunt und vielseitig wie eine gute Samstagabend-Show"

 

"Ein gut gemachtes Yellow-Heft ist so bunt und vielseitig, so fröhlich und unterhaltsam wie eine gute Samstagabend-Show", sagt Dittmar Jurko im kress.de-Interview. Er ist unter anderem Chefredakteur der Bauer Stars & Stories Experts.

kress.de: Wenn Sie Blatt machen, welche Emotionen wollen Sie bei den Lesern auslösen?

Dittmar Jurko: Wir möchten die Leserinnen und Leser in jeder Hinsicht emotional bewegen: Wir wollen sie zum Lachen bringen, sie zum Nachdenken anregen, sie sich aufregen und wundern lassen und auch zu Tränen rühren. Warum? Weil der Mensch erst durch Emotionen spürt, dass es ihn gibt.

kress.de: Warum sind Sie eigentlich Boulevard-Journalist geworden?

Dittmar Jurko: Ich habe 1998 meine journalistische Laufbahn beim "Boulevardblatt" BILD begonnen - und dort sprichwörtlich fürs Leben gelernt. Denn als Boulevard-Journalist schafft man es, selbst komplizierteste Sachverhalte kurz und knackig auf den Punkt zu bringen und sich dabei nur auf die für die Geschichte wirklich wesentlichen Aspekte zu konzentrieren.

kress.de: Noch immer gibt es Journalisten, die von sich sagen, dass sie niemals für ein Yellow-Magazin schreiben würden. Können Sie das verstehen?

Dittmar Jurko: Nein, ganz und gar nicht. Wobei ich niemandem einen Vorwurf machen würde, da es auch bei eigentlich pfiffigen und vermeintlich "seriöseren" Journalisten in Bezug auf Yellow-Magazine viel Unwissen und Vorurteile gibt. Erfolg macht eben sexy - ruft aber auch Neider auf den Plan. Die so genannten Yellow-Magazine erreichen nämlich deutlich mehr Leserinnen und Leser als jedes andere Zeitschriften-Genre. Vergleichen Sie mal die Kiosk-Auflage vom "Focus" oder der "Gala" mit der Kiosk-Auflage von "Das Neue Blatt" oder "Neue Post" - dann wird das deutlich.

kress.de: Wer heute an den Journalistenschulen rumfragt, bekommt von den Volontären ebenfalls noch häufig die Antwort, am liebsten in eine Politikredaktion oder in die Wirtschaft zu wechseln. Warum haben junge Leute zu selten Yellows im Blick, wenn es für den eigenen Karriereweg geht?

Dittmar Jurko: Das hat sicherlich auch viel mit mangelndem Selbstbewusstsein bei einigen der jungen Kolleginnen und Kollegen zu tun. Es scheint klangvoller zu sein, im Freundeskreis zu berichten, man arbeite im Politikressort einer Tageszeitung und nicht etwa für die "Neue Post". Die von der Auflage und der Reichweite hingegen wesentlich relevanter ist. Dazu kommt der weit verbreitete Irrglaube, dass die Digitalisierung und Fokussierung auf Online den Print-Markt überflüssig macht. Das ist nachweislich Unsinn. Denn auch trotz der seit Jahren rapide ansteigenden Anzahl von gut gemachten Promi- und Klatsch-Webseiten mit hohen Klickraten hat dies keinen negativen Effekt auf die Print-Verkäufe im Yellow-Segment gehabt.

kress.de: Was müssen junge Leute heute mitbringen, um eine erfolgreiche Karriere im Yellow-Segment zu machen?

Dittmar Jurko: Abgesehen von einer soliden journalistischen Grundausbildung: Zum einen keine Scheu vor Prominenten, eine hohe Affinität für Klatsch und Tratsch, einen guten Blick für Fotos, dazu die Fähigkeit, diese spezielle Zielgruppe zu verstehen und natürlich den Wunsch, die Leserinnen und Leser mit emotionalen Geschichten zu unterhalten.

kress.de: Was sagen Sie eigentlich Kritikern, die Yellows vorwerfen, die Welt nur kunterbunt zu sehen und Storys überspitzen und nicht richtig wiedergeben?

Dittmar Jurko: Die Welt ist zum Glück kunterbunt und nicht etwa nur schwarz oder nur weiß - daher sehe ich das nicht als Vorwurf, sondern eher als Bestätigung. Letztendlich ist ein gut gemachtes Yellow-Heft so bunt und vielseitig, so fröhlich und unterhaltsam wie eine gute Samstagabend-Show.

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