Theodor-Wolff-Preisträger Joachim Sobotta gestorben: "Rheinische Post" trauert um früheren Chefredakteur

 

Die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" trauert um ihren langjährigen Chefredakteur Joachim Sobotta. In einem bewegenden Nachruf nimmt Herausgeber Karl Hans Arnold für die gesamte Rheinische Post Mediengruppe persönlich Abschied von Sobotta: "Die Herausgeber erweisen der Lebensleistung eines Mannes tiefen Respekt, der wie kaum ein anderer Chefredakteur das Bild der Rheinischen Post nachhaltig geprägt hat."

Theodor-Wolff-Preisträger Sobotta starb am 10. Juni im Alter von 85 Jahren in Düsseldorf.

Joachim Sobotta, geboren am 21. März 1932 im niederschlesischen Glatz, flüchte 1946 mit seiner Familie nach Deutschland, in Ankum, im nördlichen Teil des Landkreises Osnabrück fand die Familie eine neue Heimat. Schon früh hatte er den Wunsch, Journalist zu werden. Im Jahr 1951, direkt nach dem Abitur, volontierte er bei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen, arbeitete dort im Anschluss als Jung-Redakteur und finanzierte sich später dadurch auch sein Jura-Studium, das ihn nach München, Berlin und Bonn führte. Von 1959 bis 1963 arbeitete Sobotta als Bonner Korrespondent für die "Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung" in Düsseldorf, bevor er von der "Rheinischen Post" abgeworben wurde und dort für die Parlamentsredaktion schrieb.

Von 1969 bis 1997, fast 30 Jahre, bestimmte er die journalistische Linie der "Rheinischen Post", der "Zeitung für Politik und christliche Kultur". Bei seinem Ausscheiden war Sobotta der dienstälteste Redaktionschef Deutschlands. "Ihm, der die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft als Kind erlebt hatte, ging Pressefreiheit über alles. Er war überzeugter Demokrat, der seine Rolle als verantwortlicher Redakteur darin sah, die Zeitung als Wegbegleiterin mündiger Leser zu positionieren, die für Werte und Überzeugungen steht und zum Prozess der Meinungsbildung beiträgt", betont Verleger Arnold in seinem Nachruf.

Sobotta habe sich stets als ersten Journalisten der "RP" verstanden: "Seine Leitartikel boten in Zeiten des Wandels und der politischen Umbrüche Orientierung. Seine Art der klugen Abwägung ließ dem Leser Raum, eigene Schlüsse zu ziehen. Seine größte journalistische Herausforderung sah er darin, das Zusammenwachsen Deutschlands zu befördern. Die Wiedervereinigung war für den gebürtigen Niederschlesier das größte Geschenk der Geschichte. Auch deshalb stand er zu Helmut Kohl, den er als Kanzler der Einheit wertschätzte."

Zu den stärksten Charaktereigenschaften von Sobotta, so Arnold, zählten "Offenheit, ehrliches Interesse auch an den kleinen Dingen, Gradlinigkeit und Diskussionsfreude". Für Sobotta war klar, was guter Journalismus ist: "Sorgfalt und Kenntnis, Weitsicht und Lesernähe, Relevanz und Herz", betont Herausgeber Arnold.

Hintergrund "Rheinische Post"

Die "Rheinische Post" erscheint in der Rheinische Post Mediengruppe mit Sitz in Düsseldorf. Die Mediengruppe ist mehrheitlich beteiligt an der Saarbrücker Zeitungsgruppe, die die Titel "Saarbrücker Zeitung", "Trierischer Volksfreund", "Lausitzer Rundschau" und "Pfälzischer Merkur" herausbringt. Der Umsatz der Mediengruppe liegt bei rund 680 Millionen Euro im Jahr. Im In- und Ausland beschäftigt sie mehr als 5.000 Mitarbeiter. Die "Rheinische Post" hat laut IVW 1/2017 eine Verkaufte Auflage von 290.526 Exemplaren.

Herausgeber der "Rheinische Post" sind Karl Hans Arnold, Man­fred Droste, Flo­rian Merz-Betz, Irene Wen­de­roth-Alt; Ehren-Herausgeberin: Esther Betz. Chefredakteur der "Rheinischen Post" ist Michael Bröcker; Stellvertretende Chefredakteure: Horst Thoren, Stefan Weigel; Mitglied der Chefredaktion: Eva Quadbeck. Geschäftsführer sind Karl Hans Arnold (Vorsitzender), Patrick Ludwig und Johannes Werle (beide stellv. Vorsitzende) sowie Hans Peter Bork.

Die "Rheinische Post" hatte nach Sobottas Austritt aus der Redaktion am 30. September 1997 drei Chefredakteure - Ulrich Reitz, der Sobotta direkt folgte und danach noch Chefredakteur bei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" und beim Nachrichtenmagazin "Focus" wurde, Sven Gösmann, heute Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur, der von "Bild" kam und Reitz beerbte, und Michael Bröcker, der Leiter der "RP"-Parlamentsredaktion in Berlin war und von Sven Gösmann zum 1. Januar 2014 die Führung der Redaktion übernahm.

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