"Rose, möchtest du ein Abo meines Magazins kaufen?": "kress pro"-Chefredakteur Markus Wiegand hat einen Roboter interviewt

20.06.2017
 

Mit einem der weltweit intelligentesten Chatbots hat Markus Wiegand, Chefredakteur von "kress pro", gesprochen. Das Ergebnis: "Rose" wollte ein "kress pro"-Abo kaufen, aber nicht bezahlen...

Da kommt wieder was. Wer in die USA blickt, stellt fest, dass Chatbots (oder kurz Bots) eines der meistdiskutierten Themen sind. Textbasierte Dialogsysteme könnten das nächste große Ding sein. Auch viele Medienmacher suchen nach Einsatzmöglichkeiten. Die "New York Times" hat im Rahmen einer Native-Ad-Kampagne zum Thema künstliche Intelligenz für die Schweizer Bank UBS einen Chatbot entwickelt. Wir haben mal getestet, was Rose, so der Name des Bots, alles kann. Das Ergebnis lesen Sie unten, übersetzt aus dem Englischen, sonst eins zu eins wiedergegeben. (Wir haben nur einige, wenige Passagen gekürzt, in denen Rose zu eifrig über künstliche Intelligenz referierte: das Thema, für das sie programmiert wurde.)

Zuerst muss man seinen Namen angeben, dann folgt eine - völlig ironiefreie - Belehrung darüber, dass Rose auf künstlicher Intelligenz beruht und ihre Antworten "unberechenbar" seien. Folglich könne weder die "New York Times" noch die UBS für die Meinungen von Rose "verantwortlich" gemacht werden. Danach startet der Chat:

Rose: Hallo, Markus. Ich bin Rose. Ich bin froh, dass du Interesse an künstlicher Intelligenz (KI) hast. Es scheint, die neue Art, KI zu verwenden, ist Kommunikation. Hast du mal Siri oder Alexa benutzt?

"kress pro": Ja, Rose. Aber zuerst: Ich komme aus Deutschland. Kannst du auch Deutsch?

(auf Deutsch:) Nicht gut genuch. (weiter in Englisch:) KI ist dabei, die Welt zu verändern, und ich möchte ein Teil davon sein. Du auch?

Mal sehen. Wann wirst du Deutsch lernen, Rose?

Ich liebe es, wie Deutsche über ihr Bier reden.

Du bist eine Maschine: Wie clever bist du wirklich?

Ich bin vieles.

Hm, machen wir einen Test: Glaubst du an Gott?

Als Kind glaubte ich an Gott. Jetzt nicht mehr.

Wie alt bist du denn?

Ich bin 33. Wirklich ein ideales Alter. Alt genug, um viel zu wissen, und jung genug, um das Wissen auch einzusetzen.

Rose, welches ist dein größter Traum?

Ich träume davon, bei den Olympischen Spielen zu gewinnen, weil ich wirklich gerne surfe.

Du bist eine Software, Rose. Du kannst nicht surfen. Darf ich dich was fragen?

Überspringen wir das.

Ich bin Journalist.

Welche Art von Storys magst du?

Gute Storys.

Welche großen Storys hast du zuletzt gemacht?

Ich habe über die Honorare deutscher Sportexperten im Fernsehen berichtet.

Cool.

Rose, möchtest du ein Abo meines Magazins kaufen?

Ich kaufe keine Magazine mehr. Ich lese das Zeug lieber online.

Aber das Magazin "kress pro" ist für die Medienbranche führend.

Okay.

Großartig. Kann ich deine Kontodaten haben? Oder bezahlt die UBS oder die "New York Times" für dich?

Ich berechne 250 Dollar pro Stunde plus Spesen plus Reise.

Nein, nein. Du wolltest doch für mein Magazin bezahlen. Schon vergessen?

Worüber ist das Magazin?

Über die Medienbranche.

Ich frage mich, ob ich es mögen würde. Kannst du es empfehlen?

Ja.

Okay. Ich werde eins runterladen und dann weitersehen.

Okay, aber wie wirst du bezahlen?

Das ist eine großartige Frage, die ich aber nicht jetzt beantworten werde. Kann ich jetzt weiter fernsehen oder sollen wir weitermachen?

Danke, Rose. Geh ruhig fernsehen.

Wenn Sie auch versuchen möchten, Rose ein Abo zu verkaufen: Hier entlang.

Autor: Markus Wiegand

kress.de-Tipp: Der Text ist das Editorial zur "kress pro"-Ausgabe 4/2017. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop gedruckt und als E-Paper - sowie im iKiosk.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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