Interview mit dem IP-Chef: Warum sich Matthias Dang so sehr über die Sat.1-Kollegen ärgert

 

Lieber auch mal nach links und rechts schielen: Mit der Integration des nicht-klassischen Geschäfts mit Lizenzen und Musik hat Matthias Dang, Geschäftsführer des RTL-Gruppen-Vermarkters IP Deutschland, sein Reich ausgeweitet. Vorbild sind die Strukturen beim Mitbewerber SevenOne. Im Interview verrät Dang, warum er sich für Vox deutlich mehr Nachhall im Werbemarkt erhofft.

Matthias Dang spricht im Interview mit "kresspro" auch über die Anpassungen, die er künftig für die Zusammenarbeit mit großen Mediaagentur-Gruppen vornehmen möchte. Und er verrät, wie er seinen Teams für die vielen Veränderungsprozesse im Markt - und in der IP-Struktur - fit macht.

"kresspro": Herr Dang, aktuell haben Sie sich auch den Bereich Lizenzen und Musikkooperationen zur IP geholt. Das hat mit klassischer Vermarktung wenig zu tun. Was versprechen Sie sich denn davon?

Matthias Dang: Als wir vor zwei Jahren im größeren Stil um­ strukturierten, gab es schon die Überlegung, diesen Bereich in die IP zu integrieren. Damals haben wir davon Abstand genommen, weil wir genug mit Themen zu tun hatten, die unser Basisgeschäft betrafen. Aber klar war auch, dass es große Überschneidungen gibt, nämlich dass etwas aus der Mediengruppe RTL heraus vermarktet wird - egal ob es Li­zenz­ oder Musikthemen sind. Die Nähe zu bestehenden Kunden gibt es. Allerdings gibt es auch sehr viele Kunden, mit denen wir im klassischen TV­Bereich bislang noch gar nichts zu tun hatten - etwa weil es reine Musik-­ und Licensing­-Kunden mit einem sehr kleintei­ligen Geschäft sind. Jetzt haben wir beschlossen, all das in dem Kompetenzzentrum der Vermarktung, also bei der IP, zusammenzu­führen. Nun haben wir alles, was nach außen gerichtet mit Commercial­-Aspekten zu tun hat, unter einem Dach vereint.

"kresspro": Haben Sie da vielleicht auch ein wenig eifersüchtig auf die kürzeren Wege bei den Kollegen von SevenOne geschaut?

Matthias Dang: Da haben Sie schon recht. Die hatten immer schon kurze Wege - bis hin zu deren Musikgeschäft. ProSiebenSat.1, beziehungsweise SevenOne und die AdFactory, haben schon viel früher alle Commercial-­Themen bei Se­venOne gebündelt. Eine ähnliche Struktur haben wir jetzt auch. In diesem Punkt lagen ausnahmsweise mal die Münchner vor uns.

"kresspro": Jetzt stehen Sie im gleichen Boxring ...

Matthias Dang: Den Boxring überlasse ich gern Klitschko, ich hoffe auf den Rückkampf! SevenOne ist heute nur einer unserer Wettbewerber, Facebook und Google sind da durchaus mit im Ring.

"kresspro": Wenn Sie auf Ihre Sender als Familie schauen: Geht denn die Rechnung im Werbemarkt noch auf, dass die Beiträge von Kleineren summiert die größeren Sender mit stützen?

Matthias Dang: Wir sehen über die vergangenen drei Jahre sehr gut, dass wir es über unsere kleinen Sender geschafft haben, den Werbedruck trotz einiger Schwankungen am Markt re­lativ stabil zu halten. Alle großen Sender in der deutschen TV­Landschaft haben verlo­ren. Da nagt die Fragmentierung. Wir haben das trotzdem in Summe mit unseren Neu­gründungen relativ gut ausgeglichen.

"kresspro": Wenn Sie die Stärke bei den weiblichen Haushaltsführenden ansprechen: Wie sehr nervt es eigentlich, dass trotz der guten Zuschauerentwicklung Vox gegen- über dem seit Jahren angeschlagenen Sat.1 doch nicht deutlich bessere Leistungs- werte im Werbemarkt erzielt?

Matthias Dang: Das ärgert total. Der Abstand im Zuschau­ermarkt von Vox zu Sat.1 ist denkbar knapp. Trotzdem klafft die Kapitalisierung klar auseinander. Natürlich stimmt da was nicht, was uns nerven muss. Das ist aber auch eine Challenge, der wir uns stellen müssen. Es geht um die Vermarktungsleistung. Und wir müssen uns wirklich anstrengen, Vox in Richtung des Niveaus von Sat.1 zu heben. Derzeit macht Sat.1 noch um 50 Prozent mehr Umsatz als Vox. Das kann so nicht sein. Über die nächsten zwei bis drei Jahre wird es uns hoffentlich gelingen, diesen Abstand deutlich zu verringern.

"kresspro": Wie erklären Sie sich die klaffende Lücke? Image-Präferenzen der Kunden und Agenturen?

Matthias Dang: Es ist auch immer die Frage, woher man kommt. Sat.1 ist aus historischen Gründen in der ersten Liga, es ist eben ein Privatsender der ersten Generation. Inhaltlich gibt es für mich nur einen echten Grund: Sat.1 erreicht die älteren Frauen, und die sind für die wer­befreudige Pharmaindustrie interessant. So etwas haben wir bei Vox nicht, der Sender ist eher jung und weiblich. Den Pharma-­Anteil bei Sat.1 müsste man fairerweise für den Ver­gleich mit Vox einmal herausrechnen.

"kresspro": Was wäre denn für Sie jetzt schon mal in die Zukunft blickend das schönste Weihnachtsgeschenk?

Matthias Dang: Am tollsten wäre es, wenn Vox zum Jahres­ ende fast komplett zu Sat.1 aufgeschlossen hätte. 

kress.de-Tipp: Das Interview ist ein kleiner Auszug aus dem umfangreichen Matthias-Dang-Interview im aktuellen gedruckten "kress pro" (Ausgabe 5/2017). In dem Gespräch nimmt er auch ausführlich Stellung zu den neuen Allianzen vieler Agenturen mit Google und Facebook, deutet an, wie sich die IP künftig noch stärker auf die Mediaagentur-Seite hin ausrichten wird, erläutert, wie die AdAlliance mit den Gruner + Jahr-Kollegen funktioniert, und erklärt, wie er seine Mitarbeiter für die vielen Umstrukturierungsprozesse in seinem Haus motiviert. Die Ausgabe kann hier als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo

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