"Es fällt mir nicht leicht, das großartige Amt des VDZ-Präsidenten abzugeben": Stephan Holthoff-Pförtner wird Minister

29.06.2017
 

Stephan Holthoff-Pförtner wird Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien in Nordrhein-Westfalen. Als VDZ-Präsident tritt er zurück. Seine Ämter in den Gremien der Funke Mediengruppe wird er ruhen lassen.

Den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger führte Stephan Holthoff-Pförtner seit November als Präsident an. Auch bei der Funke Mediengruppe zieht sich Holthoff-Pförtner aus operativen Entscheidungen zurück. Er ist bei der größten Regionalzeitungsgruppe Deutschlands Mitgesellschafter.

Die Funke-Geschäftsführer Manfred Braun und Michael Wüller informierten die Chefredakteure der Gruppe in einer Mail, die kress.de vorliegt. Darin heißt es:

"Liebe Chefredakteure, auf diesem Wege wollen wir Sie darüber informieren, dass der Mitgesellschafter der Funke Mediengruppe Dr. Stephan Holthoff-Pförtner vom neuen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Armin Laschet heute zum Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien ernannt wird. Die Vereidigung findet morgen statt. Herr Dr. Holthoff-Pförtner wird ab sofort alle Ämter in den Gremien der Funke Mediengruppe ruhen lassen. Vom Amt des VDZ-Präsidenten tritt er zurück. Es versteht sich von selbst, dass die Redaktionen wie gewohnt unabhängig, parteiübergreifend, kritisch und engagiert die Arbeit auch dieser Landesregierung begleiten werden.Natürlich wünschen wir dem neuen Minister eine glückliche Hand bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe." (Manfred Braun und Michael Wüller)

Das Präsidium des VDZ reagiert "mit Anerkennung" auf die Berufung von Holthoff-Pförtner zum Minister. Die Bitte des neuen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, verdeutliche die große politische und kommunikative Kompetenz sowie die Erfahrung des VDZ-Präsidenten, die er angesichts der großen Herausforderungen des bevölkerungsreichsten Bundeslands in die Regierungsarbeit einbringen könne.

Das VDZ-Präsidium dankt Holthoff-Pförtner für seine intensive Arbeit bei der Vertretung der Verlage in der Öffentlichkeit. "Er hat", so VDZ-Vizepräsident Rudolf Thiemann, "die Aufgabe mit seiner hohen Präsenz bei den Mitgliedsverlagen sowie in der Politik aktiv gestaltet". In seine Amtszeit fallen wichtige medienpolitische Erfolge der Verlage wie die Verabschiedung der GWB-Novelle, die den Verlagen mehr Kooperationsmöglichkeiten eröffnet, sowie die Entscheidung der EU-Kommission im Kartellverfahren gegen Google, so das Präsidium.

Holthoff-Pförtner sagt: "Ich habe den VDZ in den vergangenen Monaten als einen hoch innovativen und immens schlagkräftigen Verband erlebt. Mein Dank gilt den Mitgliedern, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, und den ausgezeichneten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, die sich mit ganzer Kraft für unsere gemeinsamen Anliegen einsetzen." Und weiter: "Es fällt mir nicht leicht, das großartige Amt des Präsidenten abzugeben. Und mir ist bewusst, dass ich viele VDZ-Mitglieder mit dieser Entscheidung enttäusche. Ich bitte um Verständnis, dass ich den Ruf des neuen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nicht ablehnen konnte."

Bis zur nächsten Delegiertenversammlung führt das Präsidium den VDZ. Die kommenden Monate sollen genutzt werden, um die Delegiertenversammlung im November vorzubereiten, in der das Präsidentenamt neu gewählt wird.

An diesem Dienstag ist Armin Laschet zum neuen Ministerpräsidenten von NRW gekürt worden. Mit einer Stimme Mehrheit führt er die neue schwarz-gelbe Koalition an. In Laschets Regierung wird Hendrik Wüst Verkehrsminister. Wüst ist Geschäftsführer beim Zeitungsverlegerverband NRW.

Stephan Holthoff-Pförtner war zuletzt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt, weil er als Anwalt des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl dessen Tod bestätigt hatte.

"kress pro" widmet Holthoff-Pförtner in seiner aktuellen Ausgabe die Titelgeschichte und geht der Frage nach, wer dieser Mann eigentlich genau ist.

In einem sehr persönlichen Interview spricht Stephan Holthoff-Pförtner erstmals über sein Coming-Out, warum er adoptiert wurde und was er vom "Angriff auf die freie Zivilgesellschaft" des US-australischen Verlegers Rupert Murdoch und des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hält. "Trump ist nicht unbeherrscht und dösig, sondern er macht all das ganz gezielt", sagt Holthoff-Pförtner in "kress pro", dem Branchenmagazin für Führungskräfte bei Medien.

"Ich glaube, dass die Gesellschaft, in der wir die vergangenen Jahrzehnte gelebt haben, gefährdet ist. Nach der Euphorie mit Mauerfall, Wiedervereinigung und friedlichen Revolutionen in Europa haben wir gedacht, jetzt beginne das goldene Zeitalter der Demokratie. Aber so ist es nicht gekommen. Ich bin überzeugt, dass die Herausforderungen riesig sind, weil wir einen großen Fehler gemacht haben. Bei dem, was wir großartig fanden, haben wir die Verunsicherung vieler Menschen, die Vereinsamung, die Ängste um Rechte und Status, um Sicherheit, völlig unterschätzt. Wir haben zu viele Leute nicht mitgenommen. Die Medien spielen da eine tragende Rolle", kritisiert Holthoff-Pförtner.

kress.de-Tipp: Das komplette Interview, das kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük mit Stephan Holthoff-Pförtner geführt hat, ist in der aktuellen Ausgabe 5/2017 von "kress pro" zu lesen. Sie kann als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

Zur Person: Stephan Holthoff-Pförtner wurde am 5. Oktober 1948 geboren. Seine Eltern besaßen eine Gärtnerei in Essen. Holthoff-Pförtner hat als Rechtsanwalt über viele Jahre publikumswirksame Fälle betreut. So verteidigte er unter anderem den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer im Fußball-Wettskandal 2005 oder Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Parteispendenaffäre. Als sich Stephan Holthoff-Pförtner und sein Lebenspartner Klaus M. Sälzer im Sommer 2013 im Rathaus der Gemeinde Tegernsee das Ja-Wort gaben, war Kohl ebenso wie der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle Trauzeuge. Holthoff-Pförtner ist CDU-Mitglied, als Schatzmeister kümmert er sich um die Finanzen der CDU NRW. Mit dem zehn Jahre jüngeren Sälzer ist Holthoff-Pförtner seit mehr als 40 Jahren liiert. Neben seinem Engagement als Gesellschafter der Funke Mediengruppe und dem Betrieb des weit über Essen hinaus bekannten Restaurants Jagdhaus Schellenberg investiert und entwickelt Holthoff-Pförtner mit seiner Hopf Holding GmbH & Co. Immobilien. Derzeit baut die Hopf-Gruppe 56 Eigentumswohnungen an der Essener Veronikastraße.

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