NRW-Medienminister Stephan Holthoff-Pförtner: "Trump und Murdoch greifen freie Zivilge­sellschaft an"

 

Erneut hat US-Präsident Donald Trump mit einem Video, das er auf Twitter geteilt hat, für große Aufregung gesorgt. In dem nur wenige Sekunden langen Stück prügelt Trump auf ein Logo von CNN ein. Stephan Holthoff-Pförtner, seit Freitag Medienminister in Nordrhein-Westfalen, findet für Trump deutliche Worte. Und warnt zeitgleich vor seinem Verlegerkollegen Rupert Murdoch.

CNN und andere große US-Medien wie die "Washington Post" oder Sender ABC haben das Video bereits als Aufruf zur Gewalt verurteilt. Auch unter deutschen Journalisten sorgt der Faustkampf für Aufregung.

"Dies ist der unverhohlenste Aufruf zur Gewalt gegen Journalisten, der mir in meinen 39 Berufsjahren untergekommen ist", sagt zum Beispiel Thilo Kößler. Für den USA-Korrespondenten vom Deutschlandradio steht fest: "Der Präsident inszeniert sich als Schläger. Und gibt diese Szene den Amerikanern zum Nationalfeiertag mit auf den Weg. Welch Symbolik!"

Als Anwalt von Helmut Kohl und damit als einer seiner engsten Vertrauten war Stephan Holthoff-Pförtner am Samstag den ganzen Tag im Einsatz, nahm an allen Trauerfeierlichkeiten teil, gab gemeinsam mit seinem Lebenspartner Klaus Sälzer sowie den Freunden Kai Diekmann und Katja Kessler der Witwe Maike Kohl-Richter Halt. Seit Freitag ist Holthoff-Pförtner, Mitgesellschafter der Funke Mediengruppe, Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien in Nordrhein-Westfalen.

Die Entwicklung in den USA bereitet ihm große Sorgen. Dabei sieht er nicht nur die Taten von Donald Trump, sondern auch Verleger Rupert Murdoch in der Pflicht. Murdoch gilt als enger Freund von Donald Trump, die Berichterstattung seiner Medien wie Fox News haben für viele erst einen Präsidenten Trump wählbar gemacht. Und Murdochs Zeitung "The Sun" gehört in Großbritannien zu den wichtigsten Einflüsterern der Politik, über Politik wird dort nicht nur einfach berichtet, Politik wird dort auf Verlagsebene gemacht; der Brexit ist daher vor allem auch eine noch längst nicht auserzählte Mediengeschichte, auch für Nordrhein-Westfalens neuen Medienminister: "Sie sehen doch, was Rupert Murdoch allei­ne in England angerichtet hat", sagt Stephan Holthoff-Pförtner in einem jüngst veröffentlichten großen Interview mit "kress pro". "Und was Murdoch in den USA zusammen mit Trump macht, greift zielgerichtet die freie Zivilge­sellschaft an", ist Holthoff-Pförtner überzeugt.

Kurz vor dem ersten Deutschland-Besuch von US-Präsident Donald Trump zum G 20-Gipfel in Hamburg macht Holthoff-Pförtner zudem klar: "Der Angriff auf die "Lügen­presse", die Attacke auf die Justiz, die Dis­kriminierung der Obama­-Administration in Washington - das geht alles in dieselbe Richtung", ist er überzeugt.

Für den erfahrenen Polit- und Medienprofi Holthoff-Pförtner steht fest: "Trump ist nicht unbeherrscht und dösig, sondern er macht all das ganz gezielt."

Inzwischen fordert auch DJV-Vorsitzender Frank Überall den US-Präsidenten Donald Trump auf, seine Medienhetze "sofort" zu beenden. "Heute knüpft er sich CNN vor, morgen vielleicht die USA-Korrespondenten von ARD und ZDF", so Prof. Überall. Es sei nicht hinnehmbar, dass ausgerechnet das Staatsoberhaupt der USA das in der amerikanischen Verfassung festgeschriebene Grundrecht der Pressefreiheit mit Füßen trete.

Der DJV-Vorsitzende appelliert an die deutschen Korrespondenten in den USA, sich von den Ausfällen Trumps nicht beirren zu lassen: "Berichten Sie weiter kritisch und unvoreingenommen." Die Öffentlichkeit müsse erfahren, was in den USA vor sich gehe. Mögliche Übergriffe von fanatisierten Trump-Anhängern müssten unverzüglich angezeigt und öffentlich gemacht werden.

Auch Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt den Tweet von US-Präsident Donald Trump zu einem bearbeiteten Video, das den Staatschef beim Einprügeln auf ein Logo des Fernsehsenders CNN zeigt. Dazu erklärt ROG-Geschäftsführer Christian Mihr: "Mit diesem Video versucht der US-Präsident ein weiteres Mal, die Grenzen dessen zu verschieben, was mit Blick auf die Pressefreiheit als aussprechbar und hinnehmbar gilt. Das ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Mit jeder derartigen Äußerung Trumps steigt die Gefahr, dass irgendein Eiferer ihn beim Wort nimmt und tatsächlich zu Gewalt gegen Journalisten greift. Nicht zuletzt sind Trumps regelmäßige Ausfälle gegen die Medien ein verheerendes Signal für autokratische Herrscher weltweit, die von einem solchen US-Präsidenten keine Kritik mehr für ihre eigenen Drohgebärden und Übergriffe gegen unabhängige Journalisten befürchten müssen."

Auf der Rangliste der Pressefreiheit stehen die USA auf Platz 43 von 180 Ländern weltweit. 

kress.de-Tipp: Das komplette Interview, das kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük mit Stephan Holthoff-Pförtner geführt hat, ist in der aktuellen Ausgabe 5/2017 von "kress pro" zu lesen. Sie kann als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden. "Zum "kress pro"-Abo.

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