"Das ist eine Chance für uns": RTL-Nitro-Chef Oliver Schablitzki über seine Bundesliga-Taktik

06.07.2017
 

Oliver Schablitzki ist seit 2012 Chef des "kleinen Männersenders" RTL Nitro. Im Interview verrät er, wie er ab der kommenden Saison die Bundesliga-Spiele ins Programm einbettet. "Wir sind ja dann der erste Sender, der den kompletten Spieltag zu 100 Prozent abbilden kann", unterstreicht Schablitzki. Diese Chance will er nutzen.  

Im Gespräch mit "kress pro" (Ausgabe 4/2017) spricht Oliver Schablitzki auch über Schaufenster-Tage und Platzierungen auf der Fernbedienung.

"kress pro": Wie wollen Sie denn ab der kommenden Saison die Bundesliga-Spiele in Ihr Programm einbetten?

Oliver Schablitzki: Unser Anspruch ist, dass wir aus der ungeheuren Masse an Informationen, die wir über die 1. und 2. Liga zur Verfügung haben - wir sind ja dann der erste Sender, der den kompletten Spieltag zu 100 Prozent abbilden kann -, so viel wie möglich machen. Bis Montag kann ja noch viel passieren - etwa beim Tabellenstand, den Torjägern oder bei möglichen Trainer-Entlassungen. All das wird bei uns zusammenlaufen. Das ist eine Chance für uns.

"kress pro": Keine ganz einfache Aufgabe.

Oliver Schablitzki: Wir haben dafür zwei Stunden Zeit. Das klingt erst mal viel. Wir haben aber auch zwei Ligen im Blick. Wir glauben daran, dass wir Vollständigkeit bieten müssen - aber eben auch nicht sklavisch abarbeiten sollten. Wir wollen in unserer Bundesliga-Show mit Laura Wontorra und Thomas Wagner Akzente setzen, auf die  wichtigen Themen gehen und das Geschehen des Spieltags einordnen. Es müssen aber auch unterhaltende Aspekte dazugehören. Das sind wir dem Sendeplatz Montagabend um zehn Uhr schuldig. Wir wollen die Leute nicht überfordern, sondern sie abholen und mit ihnen den Spieltag abschließen. Wir werden in der Sendung auch Studiopublikum haben und darauf achten, dass es nicht zu trocken wird. 

"kress pro": Und bei den Fußball-Länderspielen geht's weiter wie gehabt?

Oliver Schablitzki: Wir haben in diesem Jahr weiterhin die Qualifikationsspiele für die WM in Russland. Noch sieben Spiele liegen vor uns, im Juni das Spiel Schweden gegen Frankreich und im September zum Beispiel die Wiederauflage des Klassikers Italien gegen Spanien. Und natürlich wissen wir aus der EM-Qualifikation: Richtig spannend wird's erst im zweiten Halbjahr, wenn wir sehen werden, welche große Mannschaft vielleicht stolpert. Es gab ja die schöne Situation, dass es Holland nicht geschafft hat - was uns hervorragende Marktanteile bescherte. Da hoffen wir ein bisschen, dass es bei der Russland-WM einen ähnlichen Effekt geben wird.

"kress pro": Wie sehr sind für Sie solche Schaufenster-Tage eine Chance, einmal in den Laden zu bitten, die bislang achtlos vorbeigegangen sind?

Oliver Schablitzki: Große Sport-Events sind immer Leuchtreklamen für unser Gesamtangebot. Solche Effekte gab's beim 24-Stunden-Rennen. Wir haben sie aber auch beim Fußball gesehen. Wir denken immer noch gern an den historischen Abend im Oktober 2015 zurück, an dem wir in Konferenz zwischen dem Türkeiund dem Niederlande-Spiel berichteten. Damals ging's wirklich um die Wurst. In der Spitze erreichten wir so über 2,5 Millionen Zuschauer und waren damit für fünf Minuten immerhin Marktführer im deutschen Fernsehen. Plötzlich entdeckten Leute den Sender, die ihn vorher nie im Gedanken, geschweige denn auf der Fernbedienung hatten.

"kress pro": Die Hoffnung ist, dass sie sich die Platzierung auf der Fernbedienung merken - und auch an Tagen ohne Fußball den Weg zu Ihnen zurückfinden.

Oliver Schablitzki: Wir diskutieren natürlich wie viele kleinere Sender, ob wir nicht einmal Belegungskampagnen fahren sollten. Ich bin persönlich ein Verfechter der Schule, die behauptet: Das bringt alles nichts. Das Geld, das wir dafür ausgeben müssten, investieren wir lieber ins Programm. Und das zwingt die Zuschauer früher oder später, uns auf der Fernbedienung zu finden.

"kress pro": Sie müssten für die Taste 11 plädieren, oder?

Oliver Schablitzki: Ich würde auch die 8 oder die 9 nehmen. Nitro auf 9 - klingt doch gut. (lacht)

kress.de-Tipp: Im großen Interview mit "kress pro"-Autor Rupert Sommer sagt Oliver Schablitizki auch, warum der Markt für Kleinsender schon bald gesättigt ist und warum es ein Fehler war, "Tutti Frutti" neu zu beleben. Außerdem weiß der TV-Macher, welche Inhalte Männer wirklich wollen. Die "kress pro" Ausgabe 4/2017 kann als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden. 

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

Zur Person: Oliver Schablitzki hat den im April 2012 gestarteten Sender RTL Nitro nicht nur mit auf die Welt gebracht, sondern hat ihn für die ersten Schritte auf den Tummelplatz der wilden "Kleinen", der neu gegründeten Nischensender der dritten und vierten Sendergeneration wie ProSieben Maxx oder DMAX, fest an die Hand genommen. Kürzlich feierte der 46-jährige Senderchef, der offiziell den Titel Bereichsleiter RTL Nitro bei der Mediengruppe RTL führt, mit der Belegschaft den fünften Geburtstag. Die Fernsehfamilie kennt Schablitzki bestens, stand er doch nach einem Studium der Germanistik, Politik sowie Theater-, Film und Fernsehwissenschaft an der Uni Köln zunächst in Diensten von Super RTL. Dort lag die Programmplanung und -entwicklung in seinen Händen. Außerdem verantwortete er das Crossmedia-Marketing. Vor seiner Aufbauarbeit für RTL Nitro war er zwischenzeitlich für MTV Networks tätig - unter anderem als stellvertretender General Manager für Nickelodeon Nordeuropa. 

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