"Miss"-Chefredakteurin Monika Affenzeller: "Ohne unseren digitalen Change würde es das Printmagazin nicht mehr geben"

10.07.2017
 

Noch vor drei Jahren stand das österreichische Frauenmagazin "Miss" kurz vor dem Aus. Dann entschied sich der Verlag für einen radikalen Wechsel und investierte ins Digitale. Heute erwirtschaftet der Titel zwei Drittel seines Umsatzes im Netz – und die Printauflage steigt.

Im Jahr 2014 läuten beim österreichischen Frauenmagazin "Miss" die Alarmglocken: Das damals noch 14-täglich erscheinende Monatsmagazin für die junge Zielgruppe von 16 bis 35 Jahren schwächelt vor sich hin, die Inserenten zieren sich, die Agenturen rabattieren sich gegenseitig fast zu Tode. Online wird praktisch kein Umsatz erzielt, der Auftritt der "Miss" findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Anzeigenerlöse des Heftes sind netto erstmals unter eine Million Euro gesunken.

Die Performance der extrem jungen "Miss" missfällt den Geschäftsführern der Styria Media Group in Graz so sehr, dass intern sogar von Einstellung die Rede ist. Im Frühjahr 2014 entschließt sich CEO Markus Mair zu einem gewagten Experiment. In sechs Schritten wird der Titel völlig neu gestaltet und steht im Jahr 2017 mit einem im deutschsprachigen Magazinbereich nie vorgekommenen Phänomen da: Das Onlineportal erwirtschaftet bereits zwei Drittel des Gesamtumsatzes des Titels, ohne dass das Printprodukt darunter gelitten hat.

"Wir hatten das als große Chance identifiziert, insbesondere über die junge Zielgruppe und das Thema Social Media zu arbeiten. 2016 ist der Durchbruch gelungen, die 'Miss' ist First Mover und hat das Geschäftsmodell in eine neue Dimension geführt", weiß Geschäftsführer Mair in "kress pro" heute über das gelungene Wagnis der völligen Transformation innerhalb von nur drei Jahren zu berichten.

Native Ads sind auf der Vermarktungsseite der wichtigste Treiber für den Erfolg. Ein weiteres Rezept:  Eine flache Hierarchie mit zielgruppenadäquatem, jungem Personal. "Miss"-Chefredakteurin Monika Affenzeller sagt über die Hackordnung: "Kreativität steht über allem, wir sehen uns als LifetimeMedia-Lab!" Und: In der Führungsebene sehe man die Redakteurinnen gleichzeitig auch als Medienkonsumentinnen. Jener Content, der die im Durchschnitt 27-Jährigen bewegt, wird sozusagen auch zum digitalen Lesestoff.

"Unser Fokus liegt auf der Maximierung der Zielgruppen-Reichweite und des Fan-Engagements in Social Networks. Der Printeinzelverkauf wird zunehmend irrelevant", erklärt "Miss"-Geschäftsführer Jochen Hahn in "kress pro". Das "Miss Magazin" jedoch soll noch lange erscheinen. Chefredakteurin Affenzeller: "Ohne unseren digitalen Change würde es das Printmagazin und die gesamte Medienmarke 'Miss' nicht mehr geben. Mitte 2014 stand die 'Miss' kurz vor dem Aus. Heute sind wir ein digitaler Stern am Medienhimmel, der ein Printprodukt produziert, das sogar steigende Anzeigenumsätze einfährt."

kress.de-Tipp: Im "kress pro"-Case "Ein gewagtes Experiment" listet "kress pro"-Autor Walter Pohl sechs Schritte auf, die bei "Miss" zur Trendwende geführt haben. Man erfährt, was ein "Neue Welt Paradigma" ist und wie "zielgruppengenaue, digitale Platzierung in Echtzeit" funktioniert. Die "kress pro" Ausgabe 4/2017 kann als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden. 

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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